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Netzwelt

Intelligente Geldkarte Plastc

Start-up sammelt neun Millionen Dollar - und gibt auf

Bis zuletzt haben die Kunden gehofft, dass die Universal-Geldkarte doch noch verschickt wird. Doch das Unternehmen Plastc stellt sein Projekt ein, obwohl es bereits Millionen Dollar beim Crowdfunding eingesammelt hat.

Plastc/ YouTube

Geplante Allround-Kreditkarte Plastc

Von
Freitag, 21.04.2017   12:02 Uhr

Bittere Enttäuschung für alle Kunden, die auf ein Start-up gesetzt hatten: Mit einer intelligenten Geldkarte warb das Unternehmen Plastc drei Jahre lang um Käufer. Nun ist der Konzern pleite und beendet das Projekt.

Mehr als 80.000 Kunden hatten laut dem Finanzblog "Magnify Money" eine digitale Plastc-Geldkarte bestellt, die alle übrigen Karten im Geldbeutel ersetzen sollte. Sie zahlten für jede Bestellung rund 150 Dollar - in der Hoffnung, eines Tages ein fertiges Produkt zugeschickt zu bekommen. Doch der Traum ist geplatzt.

Plastc teilt auf seiner Website mit, dass das Projekt endgültig gestorben ist. Obwohl man das Ziel knapp verfehlt habe, sei man stolz auf das Team und die Mühe, die man in die Entwicklung der Plastc-Karte gesteckt habe. "Wir sind enttäuscht und emotional verzweifelt", heißt es in einem Statement. "Und obwohl wir wissen, dass das extrem enttäuschend für euch ist, wollen wir unsere Unterstützer wissen lassen, dass wir alles dafür gegeben haben, die Plastc-Karte wahr werden zu lassen."

Zu wenig Geld für die Produktion

Plastc sollte alle anderen Plastikkarten im Geldbeutel überflüssig machen. Dafür war die versprochene Karte mit einem Chip, einem Magnetstreifen und RFID- sowie NFC-Technik ausgerüstet. Das Unternehmen versprach, dass Kreditkarten, Zugangskarten und Gutscheinkarten auf die Plastikkarte übertragen werden können.

Auf einem E-Ink-Bildschirm sollte die Unterschrift und ein Foto des Besitzers angezeigt werden, mit einer Wischbewegung sollte man die verschiedenen Karten wechseln können. Ein Bluetooth-Signal sollte eine Warnung ans Smartphone senden, wenn man seine Karte im Café vergessen hatte.

Doch das Geld hat offenbar nicht gereicht. Dabei war es sehr viel Startkapital, das der Konzern bei den Spendern gesammelt hatte. Anstatt auf Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo zu werben, startete das Unternehmen eine Kampagne auf der eigenen Website. Insgesamt neun Millionen Dollar nahm die Firma allein mit den Vorbestellungen ein. Immer wieder wurden die Kunden vertröstet. Zunächst sollten die Karten im April 2016 verschickt werden, dann verschob sich der Termin auf September. Nun ist klar, dass die Karten gar nicht ausgeliefert werden.

Geldanlagen im Internet

Für die Produktion habe man aber noch mehr Geld gebraucht, teilt das Unternehmen mit. Gleich zwei Investoren seien in diesem Jahr abgesprungen. Im Februar sei ein Deal über 3,5 Millionen Dollar geplatzt, in der vergangenen Woche habe ein Investor die angekündigten 6,75 Millionen Dollar zurückgezogen. Dieses Geld sei nötig gewesen, um die Entwicklung abzuschließen, die Karten zu produzieren und zu verschicken.

Wer eine Plastc-Karte bestellt hatte, geht leer aus. Das Geld ist weg, und keine einzige Bestellung wird versandt. Doch das wollen sich viele Kunden nicht bieten lassen. Die geprellten Käufer drohen mit einer Sammelklage gegen Plastc. Sie werfen dem Konzern vor, nie ein Interesse daran gehabt zu haben, die Karten wirklich auszuliefern.

jbr

insgesamt 158 Beiträge
d.enkmalwieder 21.04.2017
1. Schneeball 2.0
"Wer eine Plastc-Karte bestellt hatte, geht leer aus. Das Geld ist weg, und keine einzige Bestellung wird versandt" Man könnte auch sagen: selber schuld wenn man eine kostenpflichtige Bestellung ohne jegliche [...]
"Wer eine Plastc-Karte bestellt hatte, geht leer aus. Das Geld ist weg, und keine einzige Bestellung wird versandt" Man könnte auch sagen: selber schuld wenn man eine kostenpflichtige Bestellung ohne jegliche Sicherheit platziert. Falls man tiefer gräbt könnte man ggf. feststellen das die tatsächlich NIE vorhatten das Produkt tatsächlich zu produzieren. Früher gab`s die Schneeballsysteme - heute gibt`s Crowdfunding...
uzsjgb 21.04.2017
2.
Es gibt durchaus auch Crowdfunding mit Sicherheiten. Bisher habe ich alle Produkte, die ich über Crowdfunding unterstützt habe, bekommen. Bin ich daran auch selber schuld?
Zitat von d.enkmalwieder"Wer eine Plastc-Karte bestellt hatte, geht leer aus. Das Geld ist weg, und keine einzige Bestellung wird versandt" Man könnte auch sagen: selber schuld wenn man eine kostenpflichtige Bestellung ohne jegliche Sicherheit platziert. Falls man tiefer gräbt könnte man ggf. feststellen das die tatsächlich NIE vorhatten das Produkt tatsächlich zu produzieren. Früher gab`s die Schneeballsysteme - heute gibt`s Crowdfunding...
Es gibt durchaus auch Crowdfunding mit Sicherheiten. Bisher habe ich alle Produkte, die ich über Crowdfunding unterstützt habe, bekommen. Bin ich daran auch selber schuld?
lupus2000 21.04.2017
3. Partnerunternehmen?
Wäre mal interessant, ob die überhaupt mit den ausgebenden Unternehmen (Visa, Amex etc.) ernsthaft verhandelt haben - denn einfach so die Daten einer Karte zu kopieren ist ja nicht wirklich legal...
Wäre mal interessant, ob die überhaupt mit den ausgebenden Unternehmen (Visa, Amex etc.) ernsthaft verhandelt haben - denn einfach so die Daten einer Karte zu kopieren ist ja nicht wirklich legal...
GoaSkin 21.04.2017
4. Wer beim Crowdfunding mitmacht, ist selber Schuld
Wer Crowdfunding nötig hat, dem hat die Bank aus gutem Grund keinen Kredit bereitgestellt. Wir leben in Zeiten von sehr niedrigen Zinsen und bekommt bei den Banken auch einen Risiko-Kredit zu vergleichsweise günstigen [...]
Wer Crowdfunding nötig hat, dem hat die Bank aus gutem Grund keinen Kredit bereitgestellt. Wir leben in Zeiten von sehr niedrigen Zinsen und bekommt bei den Banken auch einen Risiko-Kredit zu vergleichsweise günstigen Konditionen. Für manche Leute geht ihr persönliches Hipster-Lebensgefühl aber am Verstand vorbei.
Thomas_ 21.04.2017
5. Falscher Grund angegeben!
Smartcards können nicht kopiert werden - das ist der Sinn von diesen. Das beworbene Produkt ist unmöglich, ansonsten gäbe es eine massive Sicherheitslücke. Sogar die Absage ist also Betrug... Genauer: Die alten [...]
Smartcards können nicht kopiert werden - das ist der Sinn von diesen. Das beworbene Produkt ist unmöglich, ansonsten gäbe es eine massive Sicherheitslücke. Sogar die Absage ist also Betrug... Genauer: Die alten Magnetstreifen kann man lesen und auf andere Karten übertragen. Daher sind diese Unsicher und werden durch Smartcards ersetzt. Bei einer Smartcard geht das Kopieren hingegen nicht, da die Karte niemals - auch nicht bei Benutzung - den Schlüssel (ihr Geheimnis) herausgibt. Vielmehr stellt das Terminal der Karte eine Frage in der Art "Verschlüssel für mich bitte die Zahl xxxxx.... mit deinem Geheimnis". Auf der Karte selbst ist eine CPU, welche eine Signatur der Anfrage durchführt, und diese Signatur zurück sendet. Das Terminal kann nun die Signatur prüfen, ohne das Geheimnis der Karte kennen zu müssen. (asymmetrische kryptografie) Aus Frage und Antwort kann nicht das Geheimnis rekonstruiert werden - darauf basiert die Sicherheit. Ersetzen von Smartcards durch andere ist also konzeptionell unmöglich, bis jemand eine Sicherheitslücke findet.

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