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Netzwelt

Begehrter Instagram-Account

Alle wollen @nico heißen

Vor Jahren sicherte sich ein Wiener den Instagram-Usernamen @nico. Weil er dafür viele skurrile Angebote bekommt, sammelt er sie jetzt auf seinem Blog. Ein Gespräch über die Untiefen des Internets.

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Mittwoch, 09.08.2017   14:12 Uhr

Nico Kaiser, 36, ist Softwareentwickler, im Nebenberuf Fotograf und hat vor Jahren einen Instagram-Account auf seinen Vornamen angemeldet: @nico. Eben diesen Account hätten nun auch viele andere Nutzer gern und machen ihm allerlei absurde Angebote für den knackigen Kurznamen.

Manche Nicos bieten ihm Geld, andere drücken auf die Tränendrüse. Einer bot dem Wahl-Wiener sogar vier Schafe für die Übertragung des Accounts an. Besonders skurrile Offerten sammelt Kaiser nun in seinem Blog "Can I have your Instagram Name?".

SPIEGEL ONLINE: Herr Kaiser, wir hätten gern Ihren Usernamen.

Nico Kaiser: Was bietet Ihr?

SPIEGEL ONLINE: Was müsste man Ihnen denn anbieten?

Nico: Es ist nicht so, dass ich gar keinen Deal eingehen würde. Ich hänge nicht an dem Benutzernamen. Es bieten einige wirklich viel Geld, wobei sich nicht sagen lässt, ob da wirklich jemand mit dem Geldkoffer vor der Tür stünde. Momentan denke ich, dass ich den Namen aber gern behalten möchte. Die Deals, die vorgeschlagen werden, sind auch wirklich absurd. Unter anderem wollen die Leute den Account für einen Tag leihen. Was versprechen die sich davon?

SPIEGEL ONLINE: Warum wollen Leute denn überhaupt @nico heißen?

Kaiser: Ich habe eine Theorie. Es gibt eine japanische Manga-Serie, in der die Hauptdarstellerin ein Schulmädchen namens Yazawa Nico ist. Die hat eine große Anhängerschaft, die schreiben auch ihre eigene Fanfiction. Von meinen 3000 Followern interessieren sich vielleicht 300 dafür, was ich mache. Der Rest nennt sich dann "Nico1537" und geht auf diese Serie ab - oder will meinen Nutzernamen. Das Internet wird immer absurder.

SPIEGEL ONLINE: Woher kam die Motivation, ein Blog mit diesen Anfragen aufzusetzen?

Kaiser: Pro Woche kommen bis zu 20 Anfragen. Viele habe ich sofort gelöscht. Aber irgendwann fing ich an, zu antworten. Nur für mich habe ich Screenshots von diesen Gesprächen gemacht und bei Tumblr gesammelt. Am Montag dachte ich dann, ich verlinke den Tumblr mal bei Facebook.

SPIEGEL ONLINE: Welche Anfrage ist Ihr Favorit?

Kaiser: Auf den Hinweis "Lies meinen Profiltext" kam die Replik "Du zwingst mich zu gar nix, du Arsch." Ich wundere mich immer noch, wie unbedacht Leute via Social Media schreiben. Ich werde ja zum Teil übel beschimpft, aber wenn ich freundlich antworte, werden die Leute ganz kleinlaut.

SPIEGEL ONLINE: Wenn ich auf unflätige Lesermails antworte, kommt oft ein "Oh! Tut mir leid, ich hätte nicht gedacht, dass jemand meine Mail liest!"

Kaiser: Das habe ich auch oft! Und ich denke mir: Was war denn deren Ursprungsplan? Wir beschimpfen uns, und der Gewinner bekommt den Account?

SPIEGEL ONLINE: Was muss ich denn jetzt nun tun, damit Sie mir den Account geben? Überlassen Sie uns doch den Stress mit all den Anfragen und nennen sich "@nico12".

Kaiser: Eine Zeit lang habe ich überlegt, den Namen bei ebay zu verkaufen, aber das darf man nicht, denke ich. Aber ich hab vor Jahren tatsächlich mal jemanden angeschrieben und ihm die Domain kaiser.me abgekauft. Also ähnlich wie die Leute es bei mir auf Instagram versuchen, nur erfolgreicher.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel war Herr Kaiser bereit für die Kaiser-URL zu zahlen?

Kaiser: Das waren etwa 300 Euro. Das fand ich fair.

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