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Fototipps

Fotografieren wie die Profis - mit dem Smartphone

Gute Smartphone-Kameras bieten die Möglichkeit, Fotos im professionellen Raw-Format aufzunehmen. Das Magazin "c't" hat getestet, ob und wann das sinnvoll ist.

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Von "c't"-Autor Markus Schelhorn
Sonntag, 08.10.2017   06:59 Uhr

Wer ambitioniert oder gar professionell mit einer hochwertigen Kamera-Ausrüstung fotografiert, verwendet ganz selbstverständlich das Raw-Format statt JPEG. Was für die "dicken" Kameras gilt, ist auch mit vielen aktuellen Smartphones möglich. Auch wenn die Winzlings-Bildsensoren nicht mit denen einer ausgewachsenen Spiegelreflexkamera mithalten können, gelten für Smartphone-Kameras die gleichen Vorteile, die das Raw-Format bietet. Dazu zählen eine optimale Ausnutzung des Dynamikumfangs, eine verlustfreie Korrektur der Farbtemperatur und, in gewissen Grenzen, die verlustfreie Korrektur der Belichtung.

Aber kein Vorteil ohne Nachteil: Damit Sie das Maximum an Bildqualität aus der Kamera Ihres Smartphones herausholen können, benötigen Sie deutlich mehr Speicherplatz. Außerdem ist das Raw-Bild nicht wie ein JPEG-Bild fix und fertig zur sofortigen Verwendung. Zunächst müssen Sie das Raw-Bild in der "digitalen Dunkelkammer" selbst entwickeln. Aber auch das gelingt sogar mit einem Smartphone schon sehr gut. Zudem können Sie selbstverständlich die Raw-Bilder zum PC übertragen und dort mit den Werkzeugen Ihrer Wahl wie gewohnt bearbeiten.

Die Voraussetzungen

Ab Android Lollipop 5.0 und ab iOS 10 ist es mit den beiden großen Betriebssystemen für Smartphones möglich, Fotos auch im Raw-Format aufzunehmen. Die vorinstallierte Kamera-App der Android-Smartphones und des iPhone kennt übrigens das Raw-Format nicht, daher brauchen Sie zusätzlich eine Kamera-App, die diese neue Möglichkeit der Betriebssysteme ausnutzt.

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Zum Durchklicken: 22 Praxis-Tipps für Smartphone-Fotos

Ein aktuelles Betriebssystem reicht allerdings noch nicht aus, damit Sie die Raw-Option verwenden können. Nutzen Sie ein Apple-Gerät, dann sind das iPhone SE sowie die iPhones 6S (Plus), 7 (Plus) und 8 (Plus) fit für Raw-Fotografie. Aktuelle Android-Smartphones der Mittelklasse oder höher unterstützen meist das Aufnehmen im Raw-Format.

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Android-App Manual Camera Compatibility

Mit der App Manual Camera Compatibility (kostenlos) lässt sich schnell prüfen, ob das verwendete Android-Smartphone das Raw-Format unterstützt. Sie können auch einfach Kamera-Apps wie Lightroom oder Open Camera (Android) sowie Flannl (iOS) dafür nutzen. Diese Apps können grundsätzlich Aufnahmen im Raw-Format erstellen. Steht dort das Raw-Format nicht zur Auswahl, dann wird es vom verwendeten Smartphone schlicht nicht unterstützt.

Während die Kamera-Apps mit Raw-Unterstützung für iOS anstandslos funktionieren, kann es bei Android-Smartphones je nach Modell durchaus zu Problemen kommen. So stürzt beispielsweise die App AZ Camera auf einem Google Pixel XL ab. Daher sollten Sie die ersten Schritte der Raw-Fotografie mit einem Android-Smartphone zunächst mit kostenlosen Apps unternehmen beziehungsweise vor dem Kauf einer kostenpflichtigen App wie Manual Camera prüfen, ob Ihr Smartphone-Modell mit der App funktioniert.

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Bei dieser Aufnahme mit dem iPhone 7 Plus fällt der Qualitätsunterschied zwischen der JPEG-Umsetzung (links) und dem Raw-Format (rechts) besonders deutlich auf

Platzbedarf für Raw-Bilder

Beide Betriebssysteme speichern das Raw-Format im allgemein lesbaren und für alle Hersteller offenen DNG-Format (Digital Negative) von Adobe. Der Vorteil ist dabei, dass ein Raw-Konverter kein eigenes Profil für jedes einzelne Smartphone braucht. Das DNG-Format ist eine Weiterentwicklung des Tiff-Formats. So ist es auch möglich, die Bilder verlustfrei zu komprimieren, doch diese Option wird unterschiedlich genutzt.

In aller Regel sind die Raw-Dateien von Smartphones mit 12 Megapixel auflösendem Bildsensor zwischen rund 10 und knapp 25 Megabyte groß. Dabei fällt auf, dass iOS die Rohdaten für das DNG-Format komprimiert, Android dagegen nicht. So variiert bei einem iPhone 7 je nach Bildinhalt die Dateigröße von Raw-Bildern zwischen knapp 10 bis rund 20 Megabyte. Die Raw-Aufnahmen vom Google Pixel XL belegen dagegen jeweils 24,7 MB Speicherplatz. Beide Smartphones verwenden eine Kamera mit einer Auflösung von zwölf Megapixel.

So haben wir getestet

Für die Foto-Aufnahme im Raw-Format haben wir die Smartphones Google Pixel XL und iPhone 7 Plus verwendet. Mit einer Canon EOS 5D Mark II mit 24-105-mm-L-Objektiv wurden Vergleichsbilder erstellt. Die App Lightroom von Adobe nutzten wir für die hier abgebildeten Beispielbilder mit dem Google Pixel XL sowie dem iPhone 7 Plus. Die Raw-Aufnahmen sind mit der Desktop-Version von Lightroom nachbearbeitet. Zusätzlich wurden Funktionstests mit den in der Tabelle aufgeführten Kamera-Apps durchgeführt.

Je höher die Auflösung der Smartphone-Kamera, desto größer sind folglich auch die Datenmengen für eine Raw-Aufnahme. Die Kodak Ektra beispielsweise verwendet eine 21 Megapixel auflösende Kamera. Die Raw-Bilder dieses Smartphones belegen je satte 42 Megabyte, unabhängig vom Bildinhalt.

Darauf müssen Sie bei Raw-Aufnahmen verzichten

Fotografieren Sie im JPEG-Modus, dann bieten die Kamera-Apps allerlei Wohlfühl-Funktionen. So setzen sie automatisch HDR-Bilder und Panoramen zusammen oder bieten verschiedene Bild-Looks. Einige Smartphone-Modelle erzeugen sogar einen Unschärfe-Effekt, das iPhone 7 Plus und das Huawei P9 beispielsweise im Zusammenspiel von zwei Objektiven und der Bildaufbereitung. Das Google Pixel erzeugt den Effekt per Software.

Mit dem Raw-Modus verzichten Sie auf all diese Annehmlichkeiten. Verwenden Sie zudem ein Smartphone mit einer Dualcam, beispielsweise das iPhone 7 Plus oder das Huawei P9, dann können Sie mit den meisten Apps nur eine der beiden Kameras für Raw-Aufnahmen verwenden.

Smartphone-Fotos mit Raw statt JPEG

Für spontane Aufnahmesituationen eignet sich das unkomplizierte JPEG-Format. Möchten Sie mehr Aufmerksamkeit auf das Fotografieren legen, dann belohnt Sie die Aufnahme im Raw-Format mit bestmöglichen Bildinformationen und einem optimalen Ausgangsmaterial zum Nachbearbeiten.

Mit JPEG geben Sie viel Gestaltungsspielraum sowie den vollen Umfang an Bildinformationen aus der Hand. Die Smartphone-Hersteller optimieren die Bilder automatisch nach gängigem Geschmack der üblichen Schnappschuss-Fotografen dieser Welt. Bilder sollen scharf, kontrastreich und knallig aussehen. Und so gehen aufgrund der Kontrasterhöhung, Schärfung und angehobenen Sättigung bei der Bildaufbereitung eines Smartphones deutlich Bildinformationen verloren. Diese können Sie auch nicht mehr retten, wenn Sie das JPEG-Bild später selbst nachbearbeiten.

Ein unbearbeitetes Raw-Bild erscheint dagegen im Vergleich zu einem vom Smartphone fertig entwickelten JPEG-Bild zunächst fahl und unscharf. Es bleiben dabei aber alle Bildinhalte erhalten, die der Bildsensor tatsächlich liefert. Das ist das optimale Ausgangsmaterial für die sich anschließende Bildbearbeitung, ob im Smartphone oder am großen Rechner.


Mehr zum Thema Raw-Fotografie mit dem Smartphone sowie einen Vergleich "Smartphone-Raw vs. DSLR-Raw" finden sie im "c't"-Sonderheft "Smartphone-Fotografie".

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insgesamt 11 Beiträge
benny_na_lievo 09.10.2017
1.
Meines Erachtens ist das eher eine Spielerei oder ein Notbehelf. Das Smartphone ist die Kamera für die schnellen und unkomplizierten Gelegenheiten, eine digitale Sofortbildkamera. Wer ernsthaft künstlerisch fotografieren will, [...]
Meines Erachtens ist das eher eine Spielerei oder ein Notbehelf. Das Smartphone ist die Kamera für die schnellen und unkomplizierten Gelegenheiten, eine digitale Sofortbildkamera. Wer ernsthaft künstlerisch fotografieren will, der wird wahrscheinlich dafür eine größere Kamera nehmen, wo er mehr gestalten kann und wo sich das RAW-Format wirklich lohnt.
gerd0210 09.10.2017
2.
In der Tat sehe ich bei Smartphones keinen Grund, mehr als drei mal acht Bit zu verwenden. Allerdings könnte man eine andere Aufteilung vornehmen, zehn Bit für die Luminanz und zweimal sieben Bit für die Chrominanz.
Zitat von benny_na_lievoMeines Erachtens ist das eher eine Spielerei oder ein Notbehelf. Das Smartphone ist die Kamera für die schnellen und unkomplizierten Gelegenheiten, eine digitale Sofortbildkamera. Wer ernsthaft künstlerisch fotografieren will, der wird wahrscheinlich dafür eine größere Kamera nehmen, wo er mehr gestalten kann und wo sich das RAW-Format wirklich lohnt.
In der Tat sehe ich bei Smartphones keinen Grund, mehr als drei mal acht Bit zu verwenden. Allerdings könnte man eine andere Aufteilung vornehmen, zehn Bit für die Luminanz und zweimal sieben Bit für die Chrominanz.
till_wollheim 09.10.2017
3. Smarty und Fotos ist ein Widerspruch in sich!
Das Fotographieren mit Smarty beschränkt sich auf Hinz und Kunz Bilder - also Selbstportraits, Gruppen und Zimmeraufnahmen. Sobald man in freier Natur fotographieren will entpuppt sich das Smarty als Schein-Fotoapparat. Ich habe [...]
Das Fotographieren mit Smarty beschränkt sich auf Hinz und Kunz Bilder - also Selbstportraits, Gruppen und Zimmeraufnahmen. Sobald man in freier Natur fotographieren will entpuppt sich das Smarty als Schein-Fotoapparat. Ich habe noch immer stets meine Canon mit Zoom bis zur Teleklasse dabei!
mullah_nd 09.10.2017
4. Spielkram
Die Linse macht das Foto. Außerdem zeigen die Bespielphotos nur günstige Lichtverhältnisse. Dunkle Szenen wie dunkle Bildbereich tauchen nicht auf. Außer Acht gelasen wurde, dass die Bildengine, sprich die automatische [...]
Die Linse macht das Foto. Außerdem zeigen die Bespielphotos nur günstige Lichtverhältnisse. Dunkle Szenen wie dunkle Bildbereich tauchen nicht auf. Außer Acht gelasen wurde, dass die Bildengine, sprich die automatische RAW/JPG-Umwnadlung im Smartphone auf das jeweilige Display abgestimmt ist und die (Jpg-) Datei auf anderen Dispalys auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Das ist bei DSLRs anders. Qualitativ liefern die Smartphonesensoren Ergebnisse, wie DSLR Senoren vor 10 Jahren und RAW konnten die meisten Kompaktkameras ab 100 Euro vor 10 Jahren auch schon.
chk23 09.10.2017
5.
Also wenn ich mir solche Fotos ansehe, dann weiß ich nicht, wie Sie auf solche Ideen kommen. Sicher kann ein Smartphone auch heute noch nicht mit einer DSLR- bzw Systemkamera mithalten, trotzdem ist das Urteil, Smartphones [...]
Zitat von till_wollheimDas Fotographieren mit Smarty beschränkt sich auf Hinz und Kunz Bilder - also Selbstportraits, Gruppen und Zimmeraufnahmen. Sobald man in freier Natur fotographieren will entpuppt sich das Smarty als Schein-Fotoapparat. Ich habe noch immer stets meine Canon mit Zoom bis zur Teleklasse dabei!
Also wenn ich mir solche Fotos ansehe, dann weiß ich nicht, wie Sie auf solche Ideen kommen. Sicher kann ein Smartphone auch heute noch nicht mit einer DSLR- bzw Systemkamera mithalten, trotzdem ist das Urteil, Smartphones seien grundsätzlich nicht geeignet um gute Photos zu machen, längst überholt. https://www.ippawards.com/2017-photographers-of-the-year/ https://www.boredpanda.com/best-iphone-photography-awards-winners-2016/

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