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Netzwelt

AOL Instant Messenger

AIM wird abgeschaltet - nach 20 Jahren

Für viele Internetnutzer war er ihre erste Chat-App. Jetzt wird der AOL Instant Messenger abgeschaltet. Das Ende einer Ära - und einer Klangkulisse.

Oath

Abschieds-Tweet von AIM

Von
Sonntag, 08.10.2017   13:30 Uhr

Am 15. Dezember ist Schluss. Es ist der Freitag vor dem dritten Advent und gleichzeitig der letzte Tag für den AIM, den AOL Instant Messenger. Per Twitter-Botschaft hat der Internet- und Medienkonzern Oath, zu dem neben AOL auch Yahoo gehört, erklärt, man wolle an diesem Tag von AIM Abschied nehmen.

Mit der Einstellung von AIM endet eine Ära im Internet. Der Chat-Dienst war im Mai 1997 eingeführt worden, damals noch als integraler Bestandteil der Internet-Zugangssoftware von America Online, also AOL. Der große Erfolg kam allerdings erst, als AOL die Chat-Funktion in eine eigene App auslagerte. Damit wurden AIM und viele AIM-Chatgruppen auch Anwendern zugänglich, die keine AOL-Kunden waren.

Das Aufkommen neuer, modernerer Chat-Angebote und vor allem die ubiquitäre Verbreitung von Smartphones waren dann aber die Sargnägel für den AIM. Mobilfunkverträge mit SMS-Flatrates und Angebote wie WhatsApp sind für die Mehrzahl der Nutzer attraktiver als der alte AOL-Dienst.

"AIM hat neue digitale Technologien erschlossen und einen Kulturwandel initiiert, aber die Art wie wir miteinander kommunizieren hat sich grundlegend verändert", erklärt Oath-Manager Michael Albers dem Tech-Magazin "The Verge" die Gründe für die Entscheidung, AIM abzuschalten.

Der Sound von AIM

Wer noch einmal das Gefühl wiederbeleben will, wie es war, sich bei AIM einzuloggen, sich durch seine Buddy-Liste zu kämpfen, kryptische Status- und vor allem Abwesenheitsmeldungen von Freunden zu lesen, hat dazu jetzt noch bis zum 15. Dezember Zeit. Das geht auch ohne App, über die AIM-Webseite.

Danach wird man keinen Zugang zu dem System mehr haben. Zugleich würden die Daten der Nutzer gelöscht, heißt es in einer Mitteilung des AOL Instant Messenger Teams. Wer also noch Daten, Bilder und Texte aus dem System retten will, sollte sich beeilen. E-Mail-Adressen, die auf AIM.com enden seien davon aber nicht betroffen, sollen auch weiterhin genutzt werden können - wenn es noch jemanden gibt, der das will.

AP

AIM-Logo

"Von Einstellen der perfekten Abwesenheitsmitteilung bis hin zum vertrauten Klang beim Eintreffen einer neuen Chat-Nachricht, AIM wird immer einen besonderen Platz in unseren Herzen haben", heißt es in der AOL-Mitteilung weiter.

Ein Gefühl, das viele Redakteure von SPIEGEL ONLINE teilen können. Denn auch wir haben AIM über viele Jahre als hausinternes Chatsystem benutzt, etwa, um schnell mal eben zwischen Netzwelt- und Politik-Ressort etwas abzusprechen, ohne dafür aufzustehen oder zum Telefon greifen zu müssen. Aber das ist lange her. Doch den spezielle Sound von AIM haben wir noch immer in den Ohren.

Und falls Sie ihn schon vergessen haben: Dieses YouTube-Video bringt die alten Klänge zurück:

insgesamt 9 Beiträge
agoptron 08.10.2017
1. Kein Verlust?
AOL und insbesondere deren Messenger AIM waren technische Krücken, das konnte dann auch weg.
AOL und insbesondere deren Messenger AIM waren technische Krücken, das konnte dann auch weg.
DJ Doena 08.10.2017
2.
AIM genau wie ICQ haben es verpennt, eine ordentliche Mobil-App rauszubringen, als sich das iPhone und damit das Smartphone an sich zu Renner entwickelten. Was 1999 ICQ war, ist jetzt eben WhatsApp.
AIM genau wie ICQ haben es verpennt, eine ordentliche Mobil-App rauszubringen, als sich das iPhone und damit das Smartphone an sich zu Renner entwickelten. Was 1999 ICQ war, ist jetzt eben WhatsApp.
DJ Doena 08.10.2017
3.
Um ehrlich zu sein hatte ich den AIM (damals noch eingebaut in die AOL Software) vor ICQ und mochte das Programm vom Handling her immer lieber als ICQ. Aber man musste beide haben, wenn man mehrere bekannte hatte. Dann [...]
Zitat von agoptronAOL und insbesondere deren Messenger AIM waren technische Krücken, das konnte dann auch weg.
Um ehrlich zu sein hatte ich den AIM (damals noch eingebaut in die AOL Software) vor ICQ und mochte das Programm vom Handling her immer lieber als ICQ. Aber man musste beide haben, wenn man mehrere bekannte hatte. Dann kamen zum Glück die Multi-Messenger, wobei die immer wieder sabotiert wurden, weil proprietäre Kommunikationsprotokolle geändert wurden. 20 Jahre später und an dem Drama hat sich nichts geändert. Der eine will nur WhatsApp weil kostenlos, der nächste nimmt nur Threema und der dritte schwört auf Signal.
whocaresbutyou 08.10.2017
4. immer das gleiche Drama ...
Der eine kann mir kostenlose Nachrichten schicken, die Anderen müssen eben simsen oder anrufen. Wenn wir uns dann trotz dieses Dramas doch noch irgendwie zusammenraufen, trinke ich einen Wein, die Anderen Cola, Wasser, [...]
Zitat von DJ DoenaUm ehrlich zu sein hatte ich den AIM (damals noch eingebaut in die AOL Software) vor ICQ und mochte das Programm vom Handling her immer lieber als ICQ. Aber man musste beide haben, wenn man mehrere bekannte hatte. Dann kamen zum Glück die Multi-Messenger, wobei die immer wieder sabotiert wurden, weil proprietäre Kommunikationsprotokolle geändert wurden. 20 Jahre später und an dem Drama hat sich nichts geändert. Der eine will nur WhatsApp weil kostenlos, der nächste nimmt nur Threema und der dritte schwört auf Signal.
Der eine kann mir kostenlose Nachrichten schicken, die Anderen müssen eben simsen oder anrufen. Wenn wir uns dann trotz dieses Dramas doch noch irgendwie zusammenraufen, trinke ich einen Wein, die Anderen Cola, Wasser, Kaffee oder ein Bier. Einige von uns essen etwas, andere haben schon, oder wollen nicht. Das nennt man Individualität. Und auf die sind doch alle stolz, oder?
DJ Doena 08.10.2017
5.
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Kommunikation ist im allgemeinen zur Verständigung da. Ihr Getränkebesipiel funktioniert, weil ich kein Bier trinken muss um mit den anderen einen schönen Abend zu haben. Was [...]
Zitat von whocaresbutyouDer eine kann mir kostenlose Nachrichten schicken, die Anderen müssen eben simsen oder anrufen. Wenn wir uns dann trotz dieses Dramas doch noch irgendwie zusammenraufen, trinke ich einen Wein, die Anderen Cola, Wasser, Kaffee oder ein Bier. Einige von uns essen etwas, andere haben schon, oder wollen nicht. Das nennt man Individualität. Und auf die sind doch alle stolz, oder?
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Kommunikation ist im allgemeinen zur Verständigung da. Ihr Getränkebesipiel funktioniert, weil ich kein Bier trinken muss um mit den anderen einen schönen Abend zu haben. Was aber wäre, wenn die Engländer, Franzosen und wir Deutsche drauf bestünden nur und ausschließlich Englisch, Französisch und Deutsch zu sprechen? Und ihr Beispiel mit "dann sollen die entweder simsen oder anrufen" ist wie der Franzose, der sich partout weigert, Englisch zu verstehen.

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