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Netzwelt

Science-Fiction-Autor Bruce Sterling

Drei Tipps, um die Zukunft vorherzusagen

Tech-Chefs wie Mark Zuckerberg schwärmen stets von der Zukunft. Doch was, wenn alles gar nicht so toll wird? Science-Fiction-Autor Bruce Sterling verrät, wie sich heute gut über das Morgen reflektieren lässt.

Getty Images

Autor Bruce Sterling

Von
Samstag, 11.11.2017   16:20 Uhr

Wenn es um die Zukunft geht, hat Bruce Sterling markante Ansagen parat. Das Silicon Valley? Ist in zehn Jahren das nächste Detroit. Cybercrime, Cyberwar, organisierter Online-Hass? Wird alles mehr, aber die Leute werden sich dran gewöhnt haben. Apples imposante neue Firmenzentrale? Bis 2027 ein riesiges Mausoleum. Ein Grabmal für "Moore's Law", einen langjährigen Leitsatz der Techbranche.

Der Science-Fiction-Autor klingt ganz anders als ein Mark Zuckerberg, zuletzt sprach er unter anderem im September auf der "Next"-Konferenz in Hamburg. Er verzichtet auf den Technik-Enthusiasmus, den Brechstangen-Optimismus der Silicon-Valley-Größen, der dem Zuhörer sonst kaum eine Wahl lässt, als die Zukunft herbeizusehnen. Sterling sieht sich explizit nicht als professioneller Stimmungsaufheller. Als Science-Fiction-Autor und Journalist will er schließlich auch keine Dienste oder Gadgets bewerben.

Bei ernst gemeinten Zukunftsprognosen sei es der größte Fehler, Leuten Mut machen zu wollen, meint Bruce Sterling und zählt Sprüche auf, die sonst auf Branchentreffen fallen: "Nach oben sind keine Grenzen gesetzt", "Das wird großartig", "Jeder wird viel Geld machen". Historiker, die sich mit Technik und Wissenschaft auskennen, würden nie so über Technologien reden, sagt Sterling.

Als Autor und Journalist einen Namen gemacht

Bruce Sterling hat wohl mehr über die Zukunft von Technik und Gesellschaft reflektiert als die meisten anderen Menschen. Der Texaner gilt als Mitbegründer des Cyberpunk-Genres. Seit 1977 konfrontiert er seine Leser in Romanen wie "Inseln im Netz" und "Heiliges Feuer" mit Szenarien aus der Zukunft und alternativen Welten. Dabei entdeckte er früh den Klimawandel als Thema. Für "Wired" bloggt Sterling zudem über reale Techniktrends.

"Wenn mir etwas Futuristisches passiert, frage ich mich meistens, warum das so lang gedauert hat", sagt Sterling heute, mit 63 Jahren. Doch nicht alles kommt, wie es sich Sterling gewünscht hätte. Gern schon erlebt hätte der Autor zum Beispiel ein "grünes Internet" oder eine "revolutionär saubere Industrie, die die alten, umweltverschmutzenden untergräbt".

Über seine Arbeit als Autor sagt Sterling, es gehe ihm bei seinen Science-Fiction-Szenarien weniger um realistische Vorhersagen, obwohl einige Ideen aus den Romanen der Achtzigerjahre tatsächlich umgesetzt worden seien. Er schreibe vor allem Fantasien, sagt Sterling, Unmögliches. "Wenn ich heute ein junger Autor wäre, würde ich das 22. Jahrhundert zu einem meiner Themen machen. Das 22. Jahrhundert ist bislang kaum behandelt worden, darüber lassen sich frische Dinge sagen."

Lesetipp aus dem Archiv

Drei Tipps für gute Vorhersagen

Wer selbst versuchen will, realistische Prognosen über die Zukunft aufzustellen, dem rät Sterling unter anderem Folgendes:

Zwei Fachgebiete als Grundlage

Sterling sagt, er kenne durchaus ein paar Menschen, die gute Visionäre seien: Diese Leute hätten meist ein sehr breites Spektrum an Interessen, hätten mit vielen verschiedenen Menschen zu tun.

"Und meistens haben sie zwei Fachgebiete, die nichts miteinander zu tun haben", erzählt der Autor, etwa Mathe und griechische Mythologie. "Wenn du einen solchen Typen triffst, der einerseits Universalgelehrter ist und andererseits in mancher Hinsicht Branchenexperte, kann er dir wirklich nützliche Dinge erzählen."

Gefragt, wann er selbst im Rückblick mal mit Einschätzungen daneben lag, sagt Sterling, er hätte vielleicht Rauschgiften wie LSD kritischer gegenüberstehen sollen: "Vielleicht war ich in frühen Jahren zu sehr pro Droge." Eine Erklärung dafür, warum ihn Rauschgifte faszinierten, hat Sterling aber auch: "Ich mag es, sie zu verklären", sagt er, "weil Science-Fiction-Autoren auf Traumzustände stehen."

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insgesamt 9 Beiträge
Echt jetzt 11.11.2017
1. Es gibt Gründe, warum niemand über das 22. Jahrhundert schreibt.
---Zitat--- Das 22. Jahrhundert ist bislang kaum behandelt worden, darüber lassen sich frische Dinge sagen." ---Zitatende--- Das liegt daran, dass sich über den Zeitraum von 100-200 Jahren in der Zukunft sehr schwer [...]
---Zitat--- Das 22. Jahrhundert ist bislang kaum behandelt worden, darüber lassen sich frische Dinge sagen." ---Zitatende--- Das liegt daran, dass sich über den Zeitraum von 100-200 Jahren in der Zukunft sehr schwer plausible (nicht zu verwechseln mit richtigen) Vorhersagen machen lassen. Was in den nächsten ca. 50 Jahren passiert kann man sich ungefähr aus dem Ist-Zustand ableiten. Man wird oft daneben liegen (fliegende Autos) aber es wird sich für den Leser plausibel anhören. Wenn man mehrere Jahrhunderte in die Zukunft geht, kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen (Warp-Antrieb etc.) und auch das wird sich plausibel anhöhren. Es gibt aber eben diesen ungemütlichen Zeitraum dazwischen, den man nicht mehr so einfach aus der Gegenwart ableiten kann, wo aber auch noch keine wirklich fantastischen Dinge hineinpassen.
Freedom of Seech 11.11.2017
2. 22. Jahrhundert Prognose: so schwierig ist das nicht
Vieles ist doch absehhbar wenn man etwas informiert ist und realistische Annahmen zugrunde legt: 1) ca. 10 Milliarden Menschen (mindestens) un die leben zu 80% in Städten - die Bevölkerungsexplosion ist beendet da die Leute in [...]
Vieles ist doch absehhbar wenn man etwas informiert ist und realistische Annahmen zugrunde legt: 1) ca. 10 Milliarden Menschen (mindestens) un die leben zu 80% in Städten - die Bevölkerungsexplosion ist beendet da die Leute in Städten leben. 2) Energieversorgung karbonfrei und preisgünstig (überwiegend Kernfusion und Kernkraft, EE in den Entwicklungsländern). 3) Straßenverkehr in die Luft verlagert. 4) Plastikmüll ist Vergangenheit. 5) viele Pflanzenarten und Tierarten sind ausgestorben werden aber gentechnisch wiederbelebt. 6) Rohstofförderung ist z.T. auf den Mond und die Asteroiden verlagert. Die Industrialisierung und Kommerzalisierung des Sonnensystems hat Fahrt aufgenommen - - moderne Raumschiffe mit Kernfusion/Kernkraft erlauben Reisezeiten zum Pluto in vier Wochen und zum Mars in drei Tagen (Projet 3 Erden brauchen wir). 7) die nach dem 3. Weltkrieg in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhundert entstandenen Dikaturen sind wieder beseitigt (den Punkt finde ich am Schwiergsten zu prognostizieren).
larsmach 11.11.2017
3. Die gleichen Menschen. Heute wie morgen...
Leben ist ein dynamischer Prozess. Und die Welt dreht sich. PanAm ist weg. Die Sowjetunion auch. Und der Preis von Bildtelefonaten? In der Fortsetzung zu 2001 wurde an so naheliegende Dinge wie Konzernpleiten, politische [...]
Leben ist ein dynamischer Prozess. Und die Welt dreht sich. PanAm ist weg. Die Sowjetunion auch. Und der Preis von Bildtelefonaten? In der Fortsetzung zu 2001 wurde an so naheliegende Dinge wie Konzernpleiten, politische Veränderungen etc. nicht gedacht. Immerhin liegt man immer richtig damit, dass Menschen im Kern dieselben sein werden - egal, ob sie sich ihre Einkäufe von fliegenden Drohnen liefern lassen oder selbst anbauen. Außerdem sind die ganz großen Probleme noch ungelöst. Ende: Offen! Erdteile werden immer schneller abgehängt (einige der "Entwicklungs"-länder, die sich herzlich wenig "entwickeln"), Energieversorgung, Mobilität in sehr bevölkerungsreichen Staaten, die Arithmetik von Erbschaftssteuern (mathematisch führt kein Ausweg am einen Menschen vorbei, dem bald mehr als dem gesamten Rest aus Milliardären, Millionären usw. gehören wird - das scheint so gewollt zu sein, und die unteren treten immerzu brav... nach unten, auf jene, denen es noch schlechter geht). Wir bekommen die Grenzen des Wandels auf dem Arbeitsmarkt immer mehr vorgeführt: Voll versicherte Industriearbeitsplätze wurden noch nie in großer Zahl durch adequate Alternativen (Dienstleistung, neue Berufsfelder etc.) ersetzt - siehe "Prekariat"! Und dabei war die Automatisierung der Industrie erst der Anfang: Bald können Jungmediziner KI-Datenbanken nutzen, um auf 2000 Berufsjahre von Medizinprofessoren zurückzugreifen - mit garantierter Erinnerung an alle Krankheiten! Flugzeuge können in den meisten Situationen (und an passend ausgerüsteten Flughäfen) schon heute automatisch landen - und tun dies bei dichtem Nebel auch. Steuerberater, Landwirte, Mediziner, Chefpiloten, Zugführer, viele der heutigen Programmierer (meist nur noch Zuträger; Nutzer von Fertigmodulen und Jongleure in höheren Programmiersprachen ohne starken Bezug zu Prozessoren und deren Funktionsweise), Designer... wie sicher sind all diese (noch) hochbezahlten Berufe? Diese und andere Berufe werden sich früher oder später automatisieren lassen. Was dann? Eine Handvoll reicher Unternehmer in (automatisch...) "guided communities", eine Schar von Gelegenheitsjobbern, die im Dauerstress leben? Die Zukunft scheint immer unübersichtlicher zu werden; andererseits mag dies nur am Vorhandensein von Live-Nachrichten liegen. Gerade schreibt mir eine Freundin aus Ghana, dass sie sich in Irland um einen Job in der Medizinbranche beworben hat. Meinen Opa hätte so eine Nachricht wohl nicht erreicht.
Poco Loco 11.11.2017
4. Entscheidend wird sein....
.....wie sich unsere Intelligenz bzw. unsere Gehirne entwickeln werden. In Californien hat man diesbez. lange geforscht und die Ergebnisse sind erschreckend. Es gibt dort bei Authismus eine Zunahme von 600 %, ebenso bei ADHS, auch [...]
.....wie sich unsere Intelligenz bzw. unsere Gehirne entwickeln werden. In Californien hat man diesbez. lange geforscht und die Ergebnisse sind erschreckend. Es gibt dort bei Authismus eine Zunahme von 600 %, ebenso bei ADHS, auch nimmt der IQ alle 10 Jahre um 2 Punkte ab. Zurückzuführen auf Jodmangel und vor allem Umweltgifte, wie Weichmacher in Kunststoffen (auch reichlich im Fisch vorhanden), Flammschutzmittel in Polstermöbel und Schaumstoffen (Fassadendämmung), Pestizide in der Landwirtschaft, Chemikalien wie Chlor, Fluor u. Brom. Schwangere, die Embryonen und Kinder sind davon besonders betroffen. Um unsere Zukunft Ist es also nicht so gut bestellt, dafür werden die Chemiekonzerne und ihre Lobbyisten schon sorgen, dass auch in Zukunft die Kassen klingeln. Mal sehen wie verblödet wir in 100-200Jahren sind?
lalito 12.11.2017
5. echt getzt?
Die vorhergehenden Punkte 1-6, nun ja, kommen m. E. bisschen plattitüdenhaft, beinahe beliebig daher. Dass Sie allerdings im Punkt 7 einen dritten Weltkrieg als führbar ansehen, und dann gleich noch mit einem wie auch [...]
Zitat von Freedom of SeechVieles ist doch absehhbar wenn man etwas informiert ist und realistische Annahmen zugrunde legt: 1) ca. 10 Milliarden Menschen (mindestens) un die leben zu 80% in Städten - die Bevölkerungsexplosion ist beendet da die Leute in Städten leben. 2) Energieversorgung karbonfrei und preisgünstig (überwiegend Kernfusion und Kernkraft, EE in den Entwicklungsländern). 3) Straßenverkehr in die Luft verlagert. 4) Plastikmüll ist Vergangenheit. 5) viele Pflanzenarten und Tierarten sind ausgestorben werden aber gentechnisch wiederbelebt. 6) Rohstofförderung ist z.T. auf den Mond und die Asteroiden verlagert. Die Industrialisierung und Kommerzalisierung des Sonnensystems hat Fahrt aufgenommen - - moderne Raumschiffe mit Kernfusion/Kernkraft erlauben Reisezeiten zum Pluto in vier Wochen und zum Mars in drei Tagen (Projet 3 Erden brauchen wir). 7) die nach dem 3. Weltkrieg in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhundert entstandenen Dikaturen sind wieder beseitigt (den Punkt finde ich am Schwiergsten zu prognostizieren).
Die vorhergehenden Punkte 1-6, nun ja, kommen m. E. bisschen plattitüdenhaft, beinahe beliebig daher. Dass Sie allerdings im Punkt 7 einen dritten Weltkrieg als führbar ansehen, und dann gleich noch mit einem wie auch immer strukturierten Danach? Wenn in unserer Atmosphäre, auch Biosphäre genannt, weder Atmen noch Bio in der seit vielen, vielen Jahrtausenden uns gewohnten Form mehr möglich ist, dann verstehen die letzten unter diesen Bedingungen vor sich hin vegitierenden menschlichen Kreaturen erst den Faktor Zeit, den Zeitraum, den es braucht, sich grundlegend schlimmstenfalls abrupt veränderten Lebensbedingungen anzupassen. Dass im letzten Jahrhundert geltende Vierteljahrhundertprinzip, die Transformation von "Jung" zu "Alt" im benannten 25jährigen Zeitraum, das wird meiner Meinung am Ende dieses Jahrhunderts keinerlei Gültigkeit mehr haben. So nach dem Motto fünf bis acht Mal progressiv wählen und ab dann bewahrend resp. konservierend. Dafür sorgen die Algorithmen der zukünftig Herrschenden im Verbund mit KI. Allerdings nur unter der Prämisse, dass die Menscheit nicht so dämlich war, sich im eigenen Wohnzimmer zu grillen, denn, ein dritter "Weltkrieg" ist unmöglich konventionell zu halten. Zu viele alte, vor allem immer noch offene Rechnungen fristen an den virulenten Brennpunkten der Welt ihr Dasein in den Schubladen. Drückt dort jemand auch auf das kleinste rote Knöpfchen, ist eine unaufhaltsame Kaskade ausgelöst. Die erstmalige Zündung atomarer Sprengkörper in einer Kriegshandlung konnten den letzten Weltkrieg beenden. beim zweiten Mal beginnt der dritte. Das wäre dann allerdings unser Ende als Spezies mit mehr oder weniger komfortabel habitabler Lebensumgebung. Wenn der Grill endlich aus ist, all die Sprengsätze verfeuert, wird es dunkel und kalt für einige Jahrtausende - aus menschlicher Perspektive erst mal grundsätzlich Feierabend mit zahlenmäßig exponentiell ansteigenden Fortpflanzungsresultaten. Regional begrenzter Einsatz von A-Waffen, einer der vielen feuchten Träume heißer Krieger mit Erfolgsdruck an der Heimatfront, ist ein klassisches Oximoron. Dem Ersteinsatz folgt eine Antwort, die kann sich jeder ausmalen. Es gibt demnach nur hopp oder top - Menschheitsgeschichte läuft . . . oder ist zu Ende.

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