Lade Daten...
20.07.2005
Schrift:
-
+

Angespielt

Die wichtigsten Spiele im Juli

"Another Code" ist rätselhaft, "Killer 7" bedrohliche Kunst, bei "Conker: Live & Reloaded" bricht die Eichhörnchen-Anarchie aus und "Destroy all Humans" rächt die gebeutelten Außerirdischen. Ab sofort im monatlichen Überblick: die Perlen im Wust der Computerspiele-Neuveröffentlichungen.

Another Code

Ein junges Mädchen, ein verschwundener Vater und eine geheimnisvolle Insel: Das ist eine Mischung, aus der sehr kitschige Geschichten gemacht werden können - aber auch ganz zauberhafte. Wie bei "Another Code".

Das ist ein klassisches Adventure, ein Spiel, bei dem man Rätsel löst und dabei langsam eine Geschichte erzählt bekommt. Und es ist das erste Adventure, das auf einer tragbaren Spielekonsole funktioniert: dem Nintendo DS. Weil es eigens für das Gerät entwickelt wurde und dessen Eingabemöglichkeiten nutzt: Touchscreen und Mikrofon.

Und so kurbelt man mit dem Stift Zugbrücken hoch oder bläst Staub weg, damit man Inschriften besser lesen kann.Langsam entfaltet sich dabei eine Erzählung von der Liebe, von Verrat und von Erinnerungen, begleitet von einfachen und schönen Bildern. Und wenn man einmal nicht weiter kommt, klappt man den DS einfach zu - und dann schnell wieder auf. Dadurch könnte man ein Rätsel gelöst haben.

Conker: Live & Reloaded

Wer schon einmal im Londoner Hydepark unterwegs war, wird festgestellt haben, dass Eichhörnchen nicht nur niedlich sind, sondern auch unerbittliche Wegelagerer sein können. Mit forderndem Gesichtsausdruck bauen sie sich auf und fordern Tribut, der in Form von Nüssen zu entrichten ist.

Conker ist ein solcher Nager und er treibt die Rüpelhaftigkeit auf die Spitze, indem er sich wie ein typischer englischer Lad auf Kneipentour benimmt: Erst wird der Biervorrat geleert, dann der Mageninhalt vor der Kneipe ausgeleert und schließlich am Wegesrand eingeschlafen - um dort am nächsten Morgen mit einem ziemlichen Kater wieder aufzuwachen. Mit einem einzigen Wunsch: Möglichst schnell ins Bett zu kommen.

Doch auf dem Weg dahin müssen einige Gegner überwunden werden: Kiffende Feuerteufel, gegen die nur der wohlgezielte Urinstrahl hilft, ein singender Kothaufen, dem das Maul mit Klopapier gestopft werden muss und ein Steinzeitkrieger, dessen mickrige Männlichkeit durch einen kräftigen Biss enttarnt wird.

In "Conker" herrscht eine fröhliche Anarchie, die brillante Grafik, gutes Gameplay und schwarzen englischen Humor vereint. Warum das Spiel den Untertitel "Live & Reloaded" trägt?"Reloaded", weil das eigentliche Spiel unter dem Titel "Conker's Bad Fur Day" vor vier Jahren schon einmal erschienen ist und für die Xbox rundum erneuert wurde. "Live", weil es einen ziemlich wirren Mehrspielermodus gibt, der auch Online gespielt werden kann.

Destroy All Humans

Die Aliens sind sauer. Zurecht, wenn man bedenkt, dass sich die Menschheit durch ihre pure Anwesenheit gestört fühlt: Sobald sich auch nur die Andeutung einer fliegenden Untertasse am Himmel zeigt, werden die Außerirdischen dahin zurück gebombt, wo sie hin gehören: Irgendwo ins Weltall.

Kein Wunder, dass ihnen eines Tages der Kragen platzt und sie einen Abgesandten schicken, der nur einen Auftrag hat: Die Menschheit zu unterjochen und als Biomaterial für die Fortpflanzung der eigenen Art zu nutzen. Zeitpunkt und Ort dieser Einmann-Invasion sind gut gewählt: die USA der fünfziger Jahre. Die Menschheit ist durch Filme wie Ed Woods "Plan 9 from Outer Space" auf eine mögliche Invasion vorbereitet und McCarthys Kommunistenjagd gibt verwirrten Bürgermeistern eine gute Erklärungsmöglichkeit für explodierende Atomkühe: Es waren die Roten.

Doch so schön die Anspielungen auf B-Movies oder Tim Burtons "Mars Attacks" auch sind, so beißend manche Seitenhiebe die heutige US-Politik treffen: Sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Spielprinzip etwas langweilig ist.Wer zum zehnten Mal durch die Straßen ziehen und Gehirne extrahieren muss, bekommt eine unbändige Lust, ins Ufo zu steigen und mit der Bordkanone gleich die ganze Stadt niederzubrennen. Was keine gute Idee ist, denn dann hat man gleich die Armee im Nacken - und die ist ziemlich stark.

Killer 7

Spiele haben ein Problem: Sie wollen ernst genommen werden, Kunst sein. Oder doch bitte wenigstens wie ein guter Film behandelt werden. Ab und an erscheint dann tatsächlich ein Spiel, dem man diesen Vorsatz nicht nur ansieht, sondern auch abnimmt.

Wie "Killer 7", dessen verstörende Bilder nicht nur Erinnerungen an klar gezeichnete düstere Comics wecken, sondern auf einen Kontrast setzt, den schon Quentin Tarantino in "Kill Bill" gewinnbringend verwendet hat: rotes Blut auf heller Kleidung. Doch "Killer 7" ist auch ein Spiel, und dem mangelt es - zumindest nach konventionellen Maßstäben - an Spielbarkeit. Schusswechsel wechseln sich mit wirren Unterhaltungen ab, einfache Rätsel müssen auf komplizierte Art gelöst werden und die Steuerung ist - vorsichtig ausgedrückt - gewöhnungsbedürftig.

Wer bereit ist, Zeit und Mühe zu investieren, wird in "Killer 7" ein Spiel finden, das atmosphärisch sicher zu den Besten zählt. Wer aber einfach nur ein entspannendes Spiel sucht, sollte die Finger davon lassen - es aber trotzdem kaufen, denn es wird schnell in der Liste der verkannten Klassiker zu finden sein.

Carsten Görig

"Another Code" von Nintendo für Nintendo DS, ca. 35 Euro, Freigegeben ab 6 Jahren www.nintendo.de

"Killer 7" von Capcom, für Playstation 2 und Gamecube, ca. 40 Euro, Keine Jugendfreigabe, www.capcom-europe.com

"Conker: Live & Reloaded" von Microsoft, für Xbox, ca. 55 Euro, freigegeben ab 16 Jahren, www.xbox.com

"Destroy all Humans" von THQ, für Xbox und Playstation 2, ca. 55 Euro, freigegeben ab 16 Jahren, www.destroyallhumans.de

Empfehlen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter RSS
alles zum Thema Gamers' Corner
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten