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23.02.2012
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Arbeitsbedingungen in China

Apple-Kontrolleure finden haufenweise Mängel

AFP

Foxconn-Fabrik in Shenzen: Kritik an Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern

Kurz vor Apples Hauptversammlung erhöhen Bürgerrechtler den Druck auf den Computerhersteller. Es geht um Vergiftung, gefährliche Arbeitsbedingungen und unfaire Entlohnung bei chinesischen Zulieferern wie Foxconn. Sogar die zahmen Kontrolleure der FLA entdeckten bereits "haufenweise Mängel."

Zwei Wintek-Arbeiter wenden sich in einem offenen Brief an alle Apple-Kunden: "Ihr kennt uns nicht, aber ihr kennt unsere Arbeit," heißt es in dem Schreiben, das die Bürgerrechtsorganisation SumOfUs.com am Mittwoch veröffentlichte. Guo Rui-Qiang und Jia Jing-Chuan geben an, zu den 137 Opfern des Giftskandals zu gehören, der die Debatte um die Produktionsbedingungen bei Wintek im Jahr 2011 anfachte. In ihrem Brief bemängeln die beiden Arbeiter, dass trotz des Skandals und der Versprechen von Apple, den Vorfall aufzuklären, noch immer keine Verbesserungen zu spüren seien. "Je mehr Leute wissen, was wir durchmachen mussten, desto mehr sieht sich Apple zu Änderungen gezwungen, damit andere Arbeiter nicht durchmachen müssen, was wir erlebt haben."

Mit einer Petition, die bereits über 115.000 Menschen unterschrieben haben sollen, wollen Guo Rui-Qiang und Jia Jing-Chuan zusammen mit SumOfUs.com Apple zur Besserung - und letztlich zur Zahlung von Entschädigungen zwingen.

Doch der offene Brief dürfte noch das kleinste Image-Problem sein, das Apple derzeit heimsucht: Die Kontrolleure der Fair Labor Association (FLA) - deren Unabhängigkeit durchaus umstritten ist - haben laut Bloomberg nach einer vorläufigen Einschätzung bei Apples Zulieferer Foxconn bereits "haufenweise Mängel" entdeckt. Am heutigen Donnerstag findet Apples Jahreshauptversammlung statt. FLA-Chef Auret van Heerden sagte, er erwarte "schon bald sehr bedeutsame Ankündigungen". Bis dahin habe Apple aber Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen.

Apple wehrt sich gegen TV-Doku

Zunächst aber kritisierte Apple einen TV-Bericht der amerikanischen Fernsehsendung ABC News. Apple hatte erstmals ein Kamerateam in die Foxconn-Produktionsanlagen gelassen. Für den Bericht interviewte das Team Arbeiter, filmte die Produktionsanlagen und das nahe gelegene Arbeiterdorf.

Einige der Aussagen der Arbeiter fand Apple offenbar "missverständlich": In einem Statement kommentierte das Unternehmen einzelne Szenen und Aussagen - etwa, dass eine Arbeiterin 6.000 iPad-Rückseiten pro Tag von Produktionsresten reinige. In Wirklichkeit reinige sie nur 3.000 - weil dies das Plansoll pro Zwölfstundenschicht sei und die Arbeiterin ja kaum täglich und rund um die Uhr am Fließband stehen könne. Andere Richtigstellungen betrafen die angeblich unfaire Bezahlung. Die Kontrollinstanz FLA berichtigte außerdem eine Aussage, wonach Apple und FLA "seit fünf Jahren miteinander in Kontakt stünden". Richtig sei vielmehr, dass der Kontakt 2007 aufgenommen worden, aber dann immer wieder unterbrochen worden sei. Beigetreten sei Apple der FLA erst Ende 2011.

Aber der Vorwürfe nicht genug: Eine Nichtregierungsorganisation hat dem Appleinsider-Blog mitgeteilt, dass Foxconn minderjährige Arbeiter regelrecht vor den FLA-Kontrolleuren versteckt haben soll. Sie seien in andere Arbeiterdörfer verlegt und zu den möglichen Kontrollzeiten nicht zu Überstunden eingeteilt worden. Die minderjährigen Arbeiter seien zwischen 16 und 17 Jahre alt gewesen. Apples Zulieferer-Kodex erlaubt minderjährige Arbeiter, solange diese 16 Jahre oder älter sind und sie keine besonders schweren oder gefährlichen Arbeiten ausführen.

Was an diesen Berichten dran ist, wird sich wahrscheinlich bald zeigen. Die FLA will sich offenbar als unabhängig und kritisch positionieren. Noch vor wenigen Tagen erklärte FLA-Chef van Heerden, Apples Produktionsanlagen seien "erstklassig" - was eine Unabhängigkeit der Kontrolleure zweifelhaft machte.

Doch selbst die Entdeckung von "haufenweise Mängeln" dürfte chinesische Arbeiter und Arbeiterinnen nicht davon abhalten, sich bei Foxconn um einen Job am Fließband zu bewerben. Laut Reuters ziehen noch heute täglich Tausende Arbeitsmigranten nach Shenzhen, um bei Foxconn und Co. eine zumindest temporäre Anstellung zu finden - obwohl Geschichten über harsche Arbeitsbedingungen auch dort kein Geheimnis sind.

fko

Forum

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insgesamt 14 Beiträge
1. Man kennt sich...
montaxx 23.02.2012
Allzu kritisch war der TV-Bericht über den Apple-Produzenten in China wohl nicht.Dieser Tage war zu lesen,dass die ausstrahlende US-Fernsehstation ABC zum Disney-Konzern gehört.Deren Chef sitzt,dem Zeitungsbericht zufolge,bei [...]
Zitat von sysopAFPKurz vor Apples Hauptversammlung erhöhen Bürgerrechtler den Druck auf Computerhersteller. Es geht um Vergiftung, gefährliche Arbeitsbedingungen und unfaire Entlohnung bei chinesischen Zulieferern wie Foxconn. Sogar die zahmen Kontrolleure der FLA entdeckten bereits "haufenweise Mängel." http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,817075,00.html
Allzu kritisch war der TV-Bericht über den Apple-Produzenten in China wohl nicht.Dieser Tage war zu lesen,dass die ausstrahlende US-Fernsehstation ABC zum Disney-Konzern gehört.Deren Chef sitzt,dem Zeitungsbericht zufolge,bei Apple im Aufsichtsrat.Man kennt sich,man schätzt sich,man unterstützt sich und - last but not least - verdient gemeinsam mit.
2. Foxconn/Apple und China
flieder2 23.02.2012
[QUOTE=sysop;9696170]Kurz vor Apples Hauptversammlung erhöhen Bürgerrechtler den Druck auf Computerhersteller. Wann erscheinen endlich mal Berichte darueber, wie Mitarbeiter in chinesischen Fabriken behandelt werden? Wir [...]
Zitat von sysopAFPKurz vor Apples Hauptversammlung erhöhen Bürgerrechtler den Druck auf Computerhersteller. Es geht um Vergiftung, gefährliche Arbeitsbedingungen und unfaire Entlohnung bei chinesischen Zulieferern wie Foxconn. Sogar die zahmen Kontrolleure der FLA entdeckten bereits "haufenweise Mängel." http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,817075,00.html
[QUOTE=sysop;9696170]Kurz vor Apples Hauptversammlung erhöhen Bürgerrechtler den Druck auf Computerhersteller. Wann erscheinen endlich mal Berichte darueber, wie Mitarbeiter in chinesischen Fabriken behandelt werden? Wir sprechen hier ueber ein generelles Problem in China. Am Pranger stehen dann aber die Zulieferer amerikanischer Firmen. Ich habe den chinesischen metallverarbeitenden Betrieb besichtigt: Lehmboden, mit Metallsplittern uebersaet und die Mitarbeiter laufen in Stoffschlappen mit Gummisohle herum. Und als ich die Schutzhelme - aus Weiden geflochtene Kopfbedeckung- gesehen habe , sagte ich: So einem muss ich haben. Ich habe den chinesischen Schutzhelm bekommen. Leider kann ich hier ja kein Foto veroeffentlichen! Es kommen immer nur Arbeitsschutzverstoesse westlicher Firmen in die Medien. Ja, SAUERREI was da abgeht. Aber glaubt mir, die Buergerrechtler wuerden sich nie trauen, dass Elend in chinesischen Firmen anzuprangern.
3.
.freedom. 23.02.2012
So gut steht Apple nicht da. Mehr dazu hier: 15.02.2011 Arte: Kaufen für die Müllhalde HD - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=tI798T2tRrQ) ARTE HD 74 Min.
Zitat von sysopAFPKurz vor Apples Hauptversammlung erhöhen Bürgerrechtler den Druck auf Computerhersteller. Es geht um Vergiftung, gefährliche Arbeitsbedingungen und unfaire Entlohnung bei chinesischen Zulieferern wie Foxconn. Sogar die zahmen Kontrolleure der FLA entdeckten bereits "haufenweise Mängel." http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,817075,00.html
So gut steht Apple nicht da. Mehr dazu hier: 15.02.2011 Arte: Kaufen für die Müllhalde HD - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=tI798T2tRrQ) ARTE HD 74 Min.
4.
Konstruktor 23.02.2012
Wer behauptet denn auch sowas? Apple ist bisher aber der *einzige* Anbieter, dessen Produktionsbedingungen hier einerseits von außen in die Öffentlichkeit gezerrt werden und der andererseits aber auch selbst offensiv mit [...]
Zitat von .freedom.So gut steht Apple nicht da. Mehr dazu hier: 15.02.2011 Arte: Kaufen für die Müllhalde HD - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=tI798T2tRrQ) ARTE HD 74 Min.
Wer behauptet denn auch sowas? Apple ist bisher aber der *einzige* Anbieter, dessen Produktionsbedingungen hier einerseits von außen in die Öffentlichkeit gezerrt werden und der andererseits aber auch selbst offensiv mit dem Thema umgeht (die öffentlich zugänglichen Berichte von Apple reichen bis 2007 zurück). Nur um das mal in die Perspektive zu rücken: Wir alle profitieren mit unglaublich billigen Preisen für elektronische Geräte von den harschen Arbeitsbedingungen in China und in anderen Schwellenländern, so wie wir schon länger von den Bedingungen in vielen Kolonien und Entwicklungslängern profitiert haben, um billige Nahrungsmittel und Rohstoffe zu bekommen. Andererseits sind auch die aus unserer Sicht relativ harten Arbeitsbedingungen bei Foxconn für Apple immer noch ein Fortschritt relativ zum sonstigen Standard dort; Es wird spannend bleiben zu beobachten, ob all die Krokodilstränen-Vergießer hier und anderswo dann auch wirklich dazu bereit sind, höhere Preise zu bezahlen, um den Arbeitern bessere Bedingungen zu finanzieren. Sind *Sie* dazu bereit? Ich bin es. Und immer wieder dieselbe olle Kamelle. Dieser Film hat sich in Bezug auf den iPod nun wirklich als obsoleter Nonsens herausgestellt. Wie sich inzwischen gezeigt hat, leben auch die allerersten iPods häufig viele Jahre lang und eigentlich länger, als mit heutiger Akkutechnologie zu erwarten wäre. Und natürlich gibt es einerseits von Apple selbst und andererseits auch von allen möglichen Fremdanbietern reichliche Angebote, um mit Austauschakkus die Lebensdauer des Geräts fast beliebig zu verlängern. Apple - Support - Service Answer Center (http://support.apple.com/kb/index?page=servicefaq&geo=United_States&product=ipod) Dieser Film hat sich bei manchen als Mem derart festgesetzt, daß ihnen nicht mal der Gedanke gekommen ist, die Fakten vielleicht auch mal *kritisch nachzuprüfen*. Und so interessant die anderen Aspekte auch teilweise sind, so blödsinnig ist der Abschnitt über den iPod. Der ist eher ein Beleg dafür, daß das amerikanische Rechtssystem völlig abgedreht ist und teilweise selbst unberechtigte Klagen von Juries durchgewinkt werden, wenn sie hinreichend emotional manipuliert werden.
5. Titel
JohnMcGully 23.02.2012
Na, dafür war der Bericht dann aber doch wieder zu kritisch. Ein weiterer Widerspruch wäre auch darin begründet, dass es doch dann sinnvoller gewesen wäre wenn ABC über die Konkurrenten von Apple berichtet hätte. Ich [...]
Zitat von montaxxAllzu kritisch war der TV-Bericht über den Apple-Produzenten in China wohl nicht.Dieser Tage war zu lesen,dass die ausstrahlende US-Fernsehstation ABC zum Disney-Konzern gehört.Deren Chef sitzt,dem Zeitungsbericht zufolge,bei Apple im Aufsichtsrat.Man kennt sich,man schätzt sich,man unterstützt sich und - last but not least - verdient gemeinsam mit.
Na, dafür war der Bericht dann aber doch wieder zu kritisch. Ein weiterer Widerspruch wäre auch darin begründet, dass es doch dann sinnvoller gewesen wäre wenn ABC über die Konkurrenten von Apple berichtet hätte. Ich persönlich halte es für einen allerersten klitzekleinen Schritt in Richtung mehr Transparenz. Sicher stecken hinter ABC, FLA und den anderen Beobachtern die Apple in die Fabriken lässt auch wieder irgendwelche Interessengruppen. Aber ich halte es für bemerkenswert, dass als Ergbenis keine Absolution erteil wird oder die West von Apple weiss gewaschen wird. Es werden Misstände aufgezeigt und jedem normal denkendem Menschen ist klar, dass es sich nur um die Spitze des Eisbergs handelt. Als nächstes müssen Foxconn bzw. Apple zeigen, dass es sich bei allem nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt und sie Veränderungen durchführen. Ich habe da meine Bedenken. Es wird wohl nur punktuell etwas geschehen. Aber immerhin ist Apple bisher die einzige Elektronikfirma die sich jetzt der Öffentlichkeit stellt und selber blossstellen lässt. Andere machen das bisher nicht und das ist für mich ein eindeutiges Indiz, dass dort ähnliche Zustände herrschen und man heidenfroh darüber ist, dass nur Apple am Pranger steht.

Zum Autor

  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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