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23.02.2012
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Netzwelt-Ticker

Microsoft verhöhnt Google

Von
Microsoft

Googlighting-Spot: Kunden = "Laborratten"

Microsoft geht rabiat - und mit Humor - auf Google los. Außerdem im Überblick: YouPorn-Betreiber nimmt Chat wegen Riesen-Sicherheitsleck vom Netz, geheimes Sensornetzwerk entdeckt GPS-Störsender, DNSChanger-Abschaltung könnte sich verzögern.

Microsoft zur Abwechslung mal in der Offensive: Das hat man schon länger nicht mehr erlebt. Der Windows-Konzern geht derzeit gleich an mehreren Fronten auf den Konkurrenten Google los - mit Patenten, Argumenten und, man höre und staune, mit Humor.

Den Anfang machte eine Serie von Videos, in denen Google als zwielichtiger, windiger Softwareentwickler dargestellt wird, der Unternehmen unfertige, nicht verlässliche Produkte andrehen will. Er erinnert auf den ersten Blick ein bisschen an eine leicht geschrumpfte Version von Don Draper aus der TV-Serie "Mad Men", nur, dass er einen weißen Anzug und eine googlebunte Krawatte trägt.

Ob das Produkt denn wirklich marktreif sei, fragt die Chefin, der der Mann im weißen Anzug seine Software andrehen will, und der fragt zurück: "Wie sollen wir denn sonst wissen, welche Features wir behalten und welche wir rauswerfen sollen?" Google behandele seine Unternehmenskunden wie "Laborratten" insinuiert der Spot. Am Ende eskaliert das Ganze im Auftritt eines schmalzig trällernden Easy-Listening-Sängers. Man solle nicht demjenigen trauen, der nur "Googlighting" vorhabe heißt es da - eine Kombination aus "Moonlighting", was für nächtliche Nebenjobs steht, und dem Namen der Suchmaschine. Wendet Euch lieber an jemanden, der sich mit Bürosoftware auskennt, das ist die Botschaft. Ansehen kann man sich das Video natürlich bei der Google-Tochter YouTube.

Am Mittwoch veröffentlichte Microsoft dann einen Blog-Eintrag mit der Überschrift "Google: Please Don't Kill Video on the Web". Darin legt der Konzern aus Redmond nahe, dass Google und Motorola mut- und böswillig versuchen würden, den Verkauf von Microsoft-Produkten verbieten zu lassen, weil "diese Produkte es Menschen erlauben, sich im Web Videos anzusehen und sich auf Basis von Branchenstandards drahtlos mit dem Internet zu verbinden. Motorola verlange extreme Lizenzgebühren für seine Patente. Bei der EU-Kommission hat Microsoft eine formelle Wettbewerbsbeschwerde gegen Google eingeleitet.

Motorola reagierte prompt. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte der Konzern, den Google übernehmen will, mit , Microsofts Blog-Post sei lediglich "Taktik" in der Patentschlacht, die Microsoft mit "überraschendem Vorgehen gegen Motorola Mobility im Oktober 2010 selbst eröffnet hat". Man sei entgegen den Behauptungen von Microsoft weiterhin bereit "den Lizenzstreit auf eine für beide Seiten einträgliche Weise beizulegen".

Microsoft tat sich im Streit mit Google sogar mit dem alten Erzrivalen Apple zusammen - auch Microsoft und Apple haben einander schon verschiedentlich mit verächtlichen Werbespots beharkt. Wie Microsoft stellt sich auch Apple gegen Motorolas Vorgehen in Sachen Videopatente.

Google-Sprecher Kay Oberbeck kommentiert Microsofts Beschwerde gegenüber SPIEGEL ONLINE am Mittwoch so: "Wir haben Microsofts Beschwerde nicht gesehen, aber sie passt zur Art, wie Microsoft Regulierungsverfahren nutzt, um Wettbewerber anzugreifen."

cis

YouPorn-Chat enblößte Millionen Nutzerdaten

Laut dem schwedischen Sicherheitsblogger Anders Nillson waren die Zugangsdaten von Millionen "YP Chat"-Nutzern wegen eines Konfigurationsfehlers frei zugänglich. "YP Chat" ist der auf der YouPorn-Filmchenseite eingebundene Chat für angemeldete Surfer.

"Der YouPorn-Chat, ein Dienst, der von einem Drittanbieter betrieben und gehostet wird, schützte die Nutzerdaten nicht ausreichend" erklärte eine Manwin-Sprecherin dem Branchendienst "Xbiz". Der Chat sei so lange "abgeschaltet und beendet" bis die Untersuchung des Vorfalls abgeschlossen sei. Chatter, die ihre "YP Chat"-Zugangsdaten auch für andere Internetdienste nutzten, sollten schnell ihre Passwörter ändern.

Im offiziellen YouPorn-Blog versuchen die YouPorn-Betreibern ihre Kunden zu beschwichtigen: "Wir betonen noch einmal, dass keine der über 4,75 Millionen YouPorn-Nutzerkonten betroffen waren." Eine Untersuchung habe bereits ergeben, dass "ungenügende Sicherheitsvorkehrungen" dazu geführt hätten, dass die täglichen Logdateien unverschlüsselt in einem ungeschützten öffentlichen Verzeichnis abgelegt waren.

Das wäre der zweite Porno-Hack im Manwin-Umfeld. Erst vor knapp zwei Wochen erklärte ein Hacker, dass er 350.000 Nutzerdaten einer Pornoseite entwendet habe, nachdem er offenbar eine Sicherheitslücke einer inaktiven Manwin-Website ausnutzte.

Studie: Kriminelle schützen sich mit GPS-Störsendern

Mit einem geheimen Sensornetzwerk konnten britische Forscher den weitverbreiteten Einsatz von GPS-Störsendern in Großbritannien nachweisen. In einem Pilotprojekt seien seit Januar 2011 mehr als hundert Störsender-Einsätze ermittelt worden, erklärte Andy Proctor von Chronos Technology, unter deren Federführung die mit Regierungsmitteln unterstützte Studie durchgeführt wurde. Als Täter kommen ihm zufolge vor allem Kriminelle in Frage, die ihre Taten mit den Störsendern zu vertuschen versuchen. Die Störsender könnten etwa in geklauten Autos angebracht gewesen sein, um deren Ortung durch den Eigentümer oder die Eigentümerin zu verhindern.

Aber ist das alles? Bei "Slashdot" ist eine kleine Diskussion entbrannt, was Verbrecher eigentlich mit ihren GPS-Störsender unternehmen könnten - oder ob es nicht tatsächlich darum geht, dass Berufsfahrer sich einer - aus ihrer Sicht unfairen - Überwachung durch ihre Auftraggeber entziehen...

Was am Donnerstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

Zum Autor

  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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