13.03.2012
Google und Co.
Der Browser entscheidet, womit man sucht
Von Frank Patalong
Webbrowser: Nach wie vor ein Machtfaktor im Internetmarkt
Satte 96 Prozent Marktanteil hat Google im deutschen Suchmaschinenmarkt, berichten Mediendienste. Das ist sehr, sehr nah am Monopol - vor allem wenn man bedenkt, dass sich zahlreiche Wettbewerber um die restlichen vier Prozentpünktchen streiten müssen. Einst klangvolle Namen wie Yahoo, Bing, Web.de oder Ask kann man auf dem deutschen Markt nur noch mit Wohlwollen als Konkurrenz zu Google betrachten. Ihre jeweiligen Marktanteile erreichen nur noch knapp - wenn überhaupt - ein Prozent.
Das ist schon lange so. Doch im Verlauf des vergangenen Jahres hat sich die Lage noch verschärft. Deutschland ist das Land, in dem "googeln" ganz offiziell zum Bestandteil der Sprache wurde: Als Verb, mit dem man die Suche im Web bezeichnet. Dass das nicht überall so ist, wundert viele Deutsche, denn weltweit hat Google "nur" 76 Prozent Marktanteil, wenn man den aktuellen Zahlen von Net Applications folgt.
Was ist der Grund für dieses besondere Suchverhalten der Deutschen? Ein wichtiger Faktor ist der Internetbrowser, den man benutzt. Denn nicht nur bei der Suchmaschinen ticken die Deutschen anders als der internationale Durchschnitt. Auch bei den Browsern haben Bundesbürger ganz besondere Vorlieben.
Wenn man die Statistiken über beide Markt-Kategorien vergleicht, wird augenfällig, dass beides sehr eng zusammenhängt. Offenbar ist nichts so entscheidend für die Wahl der Suchmaschine wie die Wahl des bevorzugten Browsers.
Siebzehn Jahre nachdem Microsoft versuchte, den damals vorherrschenden Browser Netscape aus dem Markt zu drängen, zeigt sich, dass der Grundgedanke hinter diesem "Browser War" völlig richtig war: Wer kontrolliert, mit welcher Software sich Menschen im Web bewegen, glaubte Bill Gates, der erlange auch die Vormachtstellung über den Informationszugriff im Internetmarkt.
Es gelang ihm damals, Netscape zu verdrängen. Das aber brachte Microsoft einen Kartellprozess ein, der fast zur Zerschlagung des Unternehmens führte. Microsofts Marktmacht wackelte ausgerechnet zu der Zeit, als Google seinen Aufstieg begann, der Rest ist IT-Geschichte. Microsofts Einfluss auf die Internetmärkte nimmt seitdem kontinuierlich ab - so wie der Marktanteil des einst allgegenwärtigen Internet Explorer.
Vergleicht man nun die Zahlen über Suchmaschinennutzung mit denen über Browser-Präferenzen, lässt sich eine klare Korrelation benennen: Sinkt der Marktanteil des Internet Explorer, steigt das Gewicht von Google im Suchmarkt.
Es kommt dabei nicht darauf an, welcher Alternativbrowser genutzt wird. Die Nutzung aller Browser-Alternativen zum Internet Explorer wirkt sich zugunsten der Nutzung von Google aus - das gilt sowohl international als auch in Bezug auf die deutschen Zahlen. Es ist vor allem der US-Markt, der Googles weltweite Marktanteile noch unter 80 Prozent hält. Dort halten allein die Kooperationspartner Bing und Yahoo zusammen noch immer rund 18 Prozent des Marktes. Das ist der größte Sonderfall neben den 47 Prozent Marktanteil, die das chinesische Baidu in China hält - das reicht für einen Weltmarkt-Anteil von elf Prozent, obwohl Baidu außerhalb Chinas ohne jede Relevanz ist.
Und auch Deutschland ist ein Sonderfall, wenn auch in anderer Hinsicht: Nirgendwo ist Google weiter auf seinem Weg, ein Suchmaschinen-Monopol zu erreichen. Weil der Marktanteil von Browser-Alternativen in Deutschland ganz besonders hoch ist, fällt hierzulande auch die Nutzung von Google besonders hoch aus.
Wer Firefox, Chrome, Opera oder Safari nutzt, der nutzt mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit auch Google als Suchmaschine - und nicht Bing, Yahoo oder Ask. Deren Marktanteile fallen nur noch bei denen, die den Internet Explorer nutzen, merklich höher aus. Was das heißt, ist eindeutig: Welche Suchmaschine genutzt wird, hängt vor allem davon ab, welche Suchmaschine im Browser vorgegeben oder welche Toolbar installiert ist.
Das macht die Suchmaschine quasi zu einer Funktion des bevorzugten Browsers. Es erhöht den Marktanteil von Bing bei Internet-Explorer-Nutzern auf über sechs Prozent und treibt den Marktanteil von Google bei Chrome-, Safari-, Opera- und Firefox-Nutzern auf rund 98 Prozent.
Egal, wie man zu den genannten Unternehmen steht: Das Entstehen einer Monokultur bei der Suche im Internet ist kontraproduktiv. Auch die enge Verknüpfung von Browser- und Suchmaschinenerfolg ist keine gute Nachricht. Man könnte sie ja auch so lesen: Investments in die Qualität einer Suchmaschine werden vom Verbraucher nicht honoriert. Er überlässt die Entscheidung für oder gegen eine Suchmaschine seinem Browser.
Der wird mehr und mehr zum entscheidenden Faktor bei der Frage, wer im Web welche Information auf welchem Weg zu sehen bekommt - und wer an der Werbung im Umfeld dieses Suchprozesses verdient. Das gegen Google kooperierende Duo aus Bing und Yahoo jedenfalls verliert zusehends an Boden, je deutlicher sich Chrome und Firefox auf dem Browsermarkt durchsetzen.
Dieser Trend dürfte sich kaum mehr aufhalten lassen. Googles Konkurrenten bleibt da einzig die Hoffnung, durch Kooperationen und geschickte Implementierung ihrer Suchdienste in populären Angeboten wieder an Boden gewinnen zu können. Ansätze dazu hatte es ja bereits gegeben: 2010 begannen Microsofts Bing und Facebook eine Kooperation. Das Social Network hat trotz seit Jahren anhaltender Spekulationen aber bisher keine Websuche in seinen Dienst integriert. Facebook gilt zurzeit als einziger sichtbarer Kandidat, der Google auf dem Suchmaschinenmarkt herausfordern könnte - wenn Facebook einen Suchdienst hätte.