20.03.2012
Netzwelt-Ticker
Gratis-Apps als Energieschleudern gebrandmarkt
Von Richard Meusers
Kostenlos-Spiel "Angry Birds": Mehr Aufwand für Werbung als für das Gameplay?
In einer neuen Studie erklären Forscher von Microsoft und der Purdue University in Indiana jetzt, wofür Gratis-Apps am meisten Energie aufwenden. Die Wissenschaftler entwickelten ein Tool mit dem sie den Energieverbrauch von Smartphones protokollieren können. Bei der Untersuchung von sechs Gratis-Apps auf Geräten mit Android 2.x und Windows Mobile 6.5 zeigte sich, dass bis zu 75 Prozent des von diesen Anwendungen generierten Stromverbrauchs auf Kosten von Werbeeinblendungen gehen.
Kostenlose Apps blenden zum Teil Werbebanner ein und aktualisieren diese laufend aus dem Netz. Außerdem werden Nutzerdaten ausgelesen und hochgeladen. Mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel die Gratis-Version von "Angry Birds" nur 20 Prozent ihres Energiebedarfs für Anzeige und Spielbetrieb verbrauchen soll. Allein 45 Prozent gingen dagegen dafür drauf, unablässig die Ortsdaten des Geräts zu bestimmen und an den Werbe-Server zu übermitteln, um ortsbezogene Werbung herunterladen zu können.
Auch wenn die Datenübermittlung bereits abgeschlossen ist, bleibe die UMTS-Verbindung weitere zehn Sekunden bestehen, was seinerseits mit 28 Prozent zum Stromverbrauch der jeweiligen App beitrage. Unterm Strich wandten die untersuchten Apps nur zehn bis 30 Prozent der verbrauchten Energie für den Betrieb ihrer Kernfunktionen auf.
So interessant diese Zahlen für viele Smartphone-Besitzer auch sein mögen, die Studie krankt an einer Schwäche: iPhones und deren Apps wurden in der Untersuchung nicht berücksichtigt. Die Begründung der Forscher: Apples Betriebssystem verhindere es, eine App zu programmieren, wie sie zum Protokollieren des Stromverbrauchs benötigt wird.
Windows 8 kommt angeblich im Oktober
Der Wirtschaftsdienst "Bloomberg" meldet unter Berufung auf Insider, der Software-Konzern Microsoft befinde sich bei den Vorbereitungen für sein neues Betriebssystem Windows 8 auf der Zielgeraden. Bis zum Sommer soll die finale Version fertig sein, im Oktober die Markteinführung erfolgen. Neben klassischen PC mit x86-Chips sei auch eine Reihe von Geräten geplant, in deren Inneren ARM-Prozessoren verbaut sind.
Allerdings beschränke sich die Zahl der Computermodelle, die auf dieselbe platz- und gewichtssparende Chip-Technik setzen wie Apples iPad, auf lediglich fünf. Das sind erheblich weniger als die 40 vorgesehenen konventionellen Intel-Geräte. Auf einer Veranstaltung im April wolle Microsoft weitere Details zu Zeitplan und Marketing mitteilen. Ein Microsoft-Sprecher habe jeden Kommentar verweigert.
Duqu übersetzt
Der Trojaner Duqu sorgte nach seinem Auftreten im September 2011 für Aufsehen. Manche vermuteten, das Schadprogramm sei in einer ganz neuen Programmiersprache geschrieben worden. Auch die Experten des Kaspersky Lab teilten diese Vermutung. Um den verdächtigen Codebereich schneller zu analysieren, wurde die Arbeit via Crowdsourcing an externe Programmierer verteilt.
Der Nerd-Schwarm fand heraus, dass Duqu in der betagten Programmiersprache C geschrieben und mit Microsoft Visual Studio 2008 kompiliert wurde. Wie "Wired" berichtet, hätten die Kaspersky-Forscher auf ihren "Hilferuf" in einem Blogpost mehr als 200 direkte Antworten und weitere 60 E-Mails mit Lösungsvorschlägen erhalten. Die Forscher selbst waren nicht in der Lage, die Sprache zu identifizieren, in der das Kommunikationsmodul geschrieben war und hatten daraufhin Anfang März öffentlich um Unterstützung gebeten.
Auch das noch
- Mini-Drohnen als fliegende Pirate-Bay-Server: Dauernder Ärger mit Behörden und Polizei nervt. Also wollen die Betreiber der Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay in die Luft ausweichen. GPS-gesteuerte Drohnen sollen mit einer Reichweite von bis zu 50 Kilometern und einer Übertragungsleistung von 100 Megabit pro Sekunde die Arbeit bodenständiger Server übernehmen. Außerdem wolle man künftig Equipment wie den Kleincomputer Rasperry Pi, der in jede Hosentasche passt, für die Website nutzen. Reichlich hochfliegende Pläne, die an den 1. April denken lassen, obwohl doch gerade erst Frühlingsanfang ist.
- Microsoft gegen Kinderpornografie: Das Bildanalyse-Programm PhotoDNA soll Bilder kinderpornografischen Inhalts automatisch erkennen können. PhotoDNA vergleicht wiederkehrende typische Elemente in den Bildern und soll große Bildbestände, zum Beispiel in sozialen Netzwerken, automatisierte auf strafbares Material durchsuchen.
- LulzSec-Hacker auf Kaution frei: Von den Anfang März verhafteten LulzSec-Aktivisten wurde der erste im britischen Westminster wieder auf freien Fuß gesetzt. Zu den Auflagen gehört strenge Internet-Abstinenz.
- AOL bastelt an iPad-Magazin: Rupert Murdoch macht es mit "The Daily" vor, nun will AOL nachziehen und mit dem Digitalmagazin "Huffington" antreten. Das als App konzipierte Angebot soll auf dem iPad und anderen Tablets laufen, im Unterschied zum Murdoch-Titel jedoch kostenlos angeboten werden.
- Überhitzungsprobleme beim neuen iPad: Wie üblich, gibt's bei Neugeräten einige Kinderkrankheiten. Auch beim neuen iPad finden erste Käufer Grund zum Nörgeln. Das Gerät überhitze sich übermäßig, klagen manche, während andere einen Farbstich ins Gelbe bemängeln.