20.03.2012
Illegales Filmportal
Prozess gegen mutmaßlichen Kino.to-Drahtzieher gestartet
Kino.to: Mutmaßlicher Drahtzieher vor Gericht
Hamburg - Einer der mutmaßlich führenden Köpfe des illegalen Filmportals kino.to muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Bastian P. vor, gemeinsam mit anderen Beteiligten massenhaft illegale Kopien von Spielfilmen, Dokumentationen und TV-Serien verbreitet zu haben. Er soll zwischen 2009 und Mitte 2011 in mehr als 1,1 Millionen Fällen gegen das Urheberrecht verstoßen haben, indem Links zu urheberrechtlich geschützten Filmen öffentlich zugänglich gemacht wurden.
Die Anklage wertet dies als gemeinschaftliche gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken. Der Angeklagte galt laut Staatsanwaltschaft als der Hauptadministrator und technisch Verantwortliche des illegalen Internetportals. Er sitzt in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Ein Urteil wird frühestens Anfang Mai erwartet.
Vergangenes Jahr waren bereits mehrere Mittäter zu Haftstrafen verurteilt worden:
- 2. Dezember: Ein 33 Jahre alter Web-Designer bekam zweieinhalb Jahre Haft. Er hatte nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis abgelegt. Mit Online-Werbung soll er 190.000 Euro umgesetzt haben. Mehr...
- 7. Dezember: Drei Jahre Haft bekam der 27-jährige Administrator, der 23.000 Raubkopien von Filmen auf interne Server gestellt hatte. Auch er hatte ein Geständnis abgelegt. Mehr...
- 15. Dezember: Ein Mann aus Nordrhein-Westfalen wurde zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte gestanden, gegen Bezahlung Tausende Raubkopien bei Filehostern eingestellt zu haben. Mehr...
- 22. Dezember: Der sogenannte "Serverbeschaffer" wird zu drei Jahren und fünf Monaten Haften verurteilt. Er soll Speicherplatz im Ausland angemietet und mit Abo-Fallen - gegen Gebühr konnten Filme und Serien schneller heruntergeladen werden - von 2008 bis 2011 mehrere Hunderttausend Euro Gewinn gemacht haben. Mehr...
Über die Zulassung einer weiteren Anklage der Generalstaatsanwaltschaft gegen einen anderen Hauptverdächtigen wurde noch nicht entschieden.
Kino.to war im vergangenen Sommer von der Polizei stillgelegt worden. Es war das größte deutschsprachige Internetportal für illegal angefertigte Filmkopien. Die Website soll etwa vier Millionen Nutzer täglich gehabt haben. Sie fanden dort kostenlos Links zu Servern mit illegal angebotenen Titeln. Nach Einschätzung der Ermittler lag der Schaden für die Filmwirtschaft im siebenstelligen Eurobereich, während die Hauptbeschuldigten enorme Gewinne einstrichen.
Anfang Juni vergangenen Jahres hatten Polizei und Staatsanwaltschaft 13 Verdächtige festgenommen, Wohnungen, Geschäftsräume und Rechenzentren im In- und Ausland durchsucht sowie die Seite abschalten lassen.
ore/dpa