22.03.2012
Netzwelt-Ticker
Blogger zweifeln am Vogelmann
Von Felix KnokeWie ein Vogel fliegen, diesen Traum hat sich Jarno Smeets, ein Maschinenbauer, begeisterter Drachen- und Hanggleiterflieger aus den Niederlanden, wahr gemacht - oder zumindest behauptet er es.
Auf YouTube und auf seiner Website "Human Birdwings" will er beweisen, dass er mit selbstgebastelten Flügen und mit Handbetrieb von einer Wiese in einem Park in Den Haag abhob. Mit Muskelkraft und nur ein wenig motorisierter Unterstützung! Eine Pressemitteilung erklärt, wie das gehen soll.
Alles nur eine Fälschung, davon sind viele Blogger praktisch überzeugt. Um ihren Verdacht zu erhärten, fragten sie bei denen nach, die sich auskennen müssen:
- "Gizmodo" holte sich Rat bei Trickfilm-Experten und sammelte Expertenmeinungen, zum Beispiel von Gleitschirmfliegern.
- Bei Tested.com melden sich technisch ausgebildete Personen mit heftiger Kritik an der zu sehenden Technik zu Wort.
- "Wired" konsultierte einen hauseigenen Physiker, überprüfte Smeets Lebenslauf und analysierte die Kameraführung auf Fake-Hinweise.
Zusammengefasst: Auch wenn man nicht grundsätzlich ausschließen könne, dass das Video echt ist, deutet doch vieles auf einen Fake hin. Vor allem die Trickexperten sehen seltsam wandernde Schatten, nachträglich eingefügte Personen und schlecht modellierte Textil-Oberflächen. Smeets will seine Flügel interessierten Journalisten vorführen - sagt er zumindest.
Denn bei einem Transport seien seine Flügel leider beschädigt worden. Ganz so schnell wird es deshalb nichts mit dem Vorführflug vor größerer Öffentlichkeit - und bis dahin werden seine Kritiker sicher nicht von ihren Fälschungsvorwürfen abrücken.
Indien: Experten hacken Mobilfunk
Um ihre Netzwerkkapazitäten zu entlasten, sind indische Mobilfunkanbieter offenbar einen gefährlichen Kompromiss eingegangen: Mehrere Provider hätten die ohnehin schon einfache Verschlüsselung des GSM-Funks noch weiter vereinfacht, genauer gesagt von A5/1-Verschlüsselung auf A5/0 umgestellt.
Für Angreifer kommt das einem Selbstbedienungsladen gleich, demonstrierte nun indische Sicherheitsexperten. Sie konnten unter Angabe fremder SIM-Kartendaten Anrufe auf fremde Rechnung absetzen und Gespräche und Daten mitschneiden.
Doch die Geschichte hat noch eine größere Tragweite, meint Sicherheitsexperte Eli Hizkiyev von der IT-Sicherheitsfirma Cryptzone laut Net-Security.org. Auch andere GSM-Mobilfunkanbieter würden an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen und könnten über eine Aufweichung der Verschlüsselung nachdenken. Der Telefonkunde dürfte davon nichts mitbekommen. Sein Rat: Geschäftstelefonate sollte man nur über das besser geschützte 3G-Netz führen.
Außerdem
- Die Entwickler des Duqu-Trojaners (und der angeblichen Stuxnet-Schwester) sind offenbar immer noch aktiv. Den Symantec-Experten ist eine neue Duqu-Variante ins Netz gegangen, die augenscheinlich erst am 23. Februar 2012 erstellt wurde - mit neuer Verschlüsselung und verbesserter Camouflage.
- Superkoch Ferran Adrià hat seine Pläne für eine kulinarische Wikipedia, die LaBullipedia, konkretisiert. Zwar hat er noch kein Veröffentlichungsdatum bekanntgegeben, aber zumindest, dass sie Rezepte der Haute cuisine kostenlos veröffentlichen solle.
- Google erklärt, wie und nach welchen Kriterien das Unternehmen E-Mails nach Spam oder Nicht-Spam sortiert.
- "IT World" hat 20 "ikonische Tech-Sounds" zusammengesucht, die "bald ausgestorben" sein werden: Die Windows-Serenade, der AOL-Mail-Sound und der Nokia-Boogie, zum Beispiel.
- Fujitsu hat zusammen mit Technikern der japanischen Nagoya University eine Spracherkennung entwickelt, die Telefonbetrug erkennen soll. Die Software soll zum Beispiel ältere Personen vor Abzockanrufen schützen.
- Microsoft spielt wieder mit dem schlechten Image des Internet Explorers: "Der Browser, den du liebtest zu hassen, heißt eine neue Web-Kampagne.