Lade Daten...
28.06.2012
Schrift:
-
+

Twitter und Facebook

Die deutsche Elf hat's nicht drauf

Von Katharina Hölter
Nationalelf bei Twitter und Facebook: Kreatives Spiel, banale Einträge
Fotos
AFP

Lahm und träge präsentiert sich die deutsche Nationalmannschaft bei dieser EM - zumindest im Netz. Auf dem Feld sieht man rasante Dribblings, schnelles Passspiel und präzise Flanken. Auf Twitter und Facebook hingegen liest man von den Spielern nur Triviales.

Fußballstars sind nicht gerade für ihre Eloquenz bekannt. Floskeln, kryptische Sätze und unzählige "Ähs" und "Öhs" sind in Interviews von Lukas Podolski, Jérôme Boateng oder Mesut Özil zu hören, sobald ein Mikrofon in der Nähe ist. Da überrascht es kaum, dass es den Nationalspielern auch auf Facebook und Twitter an Spritzigkeit und Ideenreichtum mangelt:

Lukas Podolski alias "Podolski10" twittert:

"Hi Leute, vielen Dank für die ganzen Glückwünsche hier zu meinem 100. Spiel und zu meinem Tor gestern!!!"

"Hi Leute, habt ihr schon den neuen Song von Brings und mir gehört? :o))) Viel Spaß, Poldi"

"Hi Leute, vielen Dank für den überragenden Empfang heute beim Training in Danzig!!! Das war der Hammer."

Hi Poldi, geht das auch ein bisschen kreativer?

In den sozialen Netzwerken wirken die Nationalspieler wie die Kumpels aus dem Fußball-Dorfclub. Die Zeiten, in denen Autogramme nur mit Brief an den Fanclub und frankiertem Rückumschlag zu bekommen waren, sind vorbei. Jetzt können Fußballfanatiker direkt mit Müller, Podolski oder dem gesamtem DFB "befreundet" sein. Allerdings geben sich die neuen Freunde während der Meisterschaft distanziert. Ihre Tweets und Posts lesen sich so spannend wie eine Postkarte von der Mannschaftsfahrt nach Mallorca, die direkt im Mülleimer landen würde.

"Leider habe ich den Ball nicht getroffen"

"Jaaaaaaaaa!!!! Halbfinale:))) Danke an alle!!!! Euer Schü", zwitschert zum Beispiel "Andre_Schuerrle" bei Twitter. Und auch Mannschaftskollege "ToniKroos" verbreitet die Nachricht, die ja nun alles andere als eine Exklusivmeldung ist: "Halbfinale wir kommen."

Selbst Thomas Müller, der sonst zu den Spaßvögeln der Nationalelf zählt, tut sich auf seiner offiziellen Facebook-Seite schwer: "Guten Morgen zusammen! Das war ein hartes Stück Arbeit gestern. Die Dänen haben da ein schönes Abwehrbollwerk aufgebaut. Natürlich hätte ich am Anfang gleich das Ding reinhauen müssen, aber leider hab ich den Ball nicht voll getroffen."

Bastian Schweinsteiger langweilt mit ähnlich nichtssagenden Postings: "Das war bis auf die beiden Gegentore ein super Viertelfinale von uns. Jetzt sind wir gespannt, ob es gegen Italien oder England ins Halbfinale geht." Zum Gähnen.

"Auf dem Platz fühle ich mich wohler"

Dabei hatten Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff vor dem Turnier noch Sorgen: Facebook und Twitter sind verlockend, Privates und Mannschafts-Interna werden mit einem Klick für die ganze Welt lesbar. Einen Leitfaden gab es deshalb für die Spieler: Auf den Index kamen vertrauliche Team-Infos sowie Urteile über Gegner und Kollegen.

Womöglich machten auch diese Auflagen die Tweets so öde. Häufig fällt es schwer zu glauben, dass die DFB-Jungs überhaupt selbst schreiben und die Einträge nicht von Agenturen oder Beratern erstellen lassen. So schreibt Mesut Özil bei Facebook seine Notizen gleich dreisprachig, in Deutsch, Englisch und Türkisch. Gleichzeitig gibt er aber zu, dass Öffentlichkeitsarbeit nicht sein Steckenpferd ist:

"Heute war ich bei der Pressekonferenz des DFB. Auf dem Platz fühle ich mich wohler - aber Medienarbeit gehört dazu.

Today I was at the press conference of the DFB. On the pitch I feel better - but media relations is one of them.

Bugün DFB ile basin tioplantisinda bulundum. Kendimi sahada daha iyi hissediyorum fakat medya iliskileride bu isin bi parcasi ."

Held auf dem Feld - Held im Netz

Trotz der trägen Postings lechzen die Fans im Netz nach jeder Information ihrer Stars. Der Beliebteste unter ihnen ist Christiano Ronaldo mit fast 46 Millionen Fans bei Facebook. Darauf folgt der Spanier Andres Iniesta mit mehr als 10 Millionen Fans, und auf den dritten Platz schafft es tatsächlich ein Deutscher: Mesut Özil hat eine Online-Fangemeinde von 5,5 Millionen.

Fußballfreunde diskutieren schließlich längst nicht mehr nur vor dem Fernseher, in der Kneipe oder im Biergärten. Das Netz erweitert Tresen und Stammtisch - hier passen ja auch viel mehr Leute dran, die mitreden können.

Zu Beginn der EM war Mario Gomez das bestimmende Thema, seine drei Tore wurden in den Foren gefeiert. Eine Web-Analyse des Münchner Unternehmens Valuescope ergab, dass rund 6000 Beiträge bei Twitter, Facebook und in Foren zu Gomez veröffentlicht wurden. Auch Mats Hummels wurde in mehr als 3000 Beiträgen für seine Abwehrleistung gelobt. Bis zum Viertelfinale änderte sich das Ranking: Lars Bender, Torschütze im Vorrundenspiel gegen Dänemark, verwies Mario Gomez auf die hintere Position. Die Helden auf dem Platz werden auch zu Helden im Netz.

Spanien schlägt Deutschland

Ein wenig kreativer als die deutschen Spieler posten die Stars aus dem Ausland. Profi bei Facebook ist Spaniens Torhüter Iker Casillas. Ihm gelingt die Mischung aus Sportlichem und Privatem, die Fans erwarten. Zwischendurch zeigt er auch mal ein Foto von sich und seiner Freundin, der Sportjournalistin Sara Carbonero, das die beiden zwischen den Spielen am Strand zeigt. Dazu schreibt er: "Happy und einen fantastischen Ort genießen! Die Ostsee hinter uns...".

Niemand aber unterhält die Netzgemeinde so gut wie Ex-Tennisprofi und Twitter-König Boris Becker: "Ich habe mir PK mit Hummels angeschaut! Respekt, der Mann hat Kopf, Charme und sieht gut aus…", twittert er an mehr als 86.000 Follower. Oder: "Heute Abend ist Familienkrieg!!! Deutschland gegen Holland...". Wie der ausgeht, liest man übrigens einen Tag später nach dem Sieg der deutschen Elf: "Habe die Nacht heil ueberstanden....Holland neben mir hat sehr unruhig geschlafen!!!"

(Fehler innerhalb der Beiträge wurden von der Redaktion nicht korrigiert.)

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
1. <->
silenced 28.06.2012
Was ist Twitter? Was ist Facebook? Kann man das essen? Ist das wichtig? Muss man das kennen/haben/nutzen? Sie können alle drei unteren Fragen mit Nein beantworten? Gratuliere, Sie leben noch!
Was ist Twitter? Was ist Facebook? Kann man das essen? Ist das wichtig? Muss man das kennen/haben/nutzen? Sie können alle drei unteren Fragen mit Nein beantworten? Gratuliere, Sie leben noch!
2. Das ist Fußball und keine Operette!
maipiu 28.06.2012
Die Jungs sollen gut Fußball spielen. Keine Operetten reden oder gar twittern. Das können die getrost all den Luftpumpen überlassen, die sich überall in die Medien drängen.
Die Jungs sollen gut Fußball spielen. Keine Operetten reden oder gar twittern. Das können die getrost all den Luftpumpen überlassen, die sich überall in die Medien drängen.
3.
Meckermann 28.06.2012
Wir wollen auch Europameister werden und nicht Facebookmeister. Und jetzt Klappe halten.
Zitat von sysopAuf dem Feld sieht man rasante Dribblings, schnelles Passspiel und präzise Flanken. Auf Twitter und Facebook hingegen liest man von den Spielern nur Triviales.
Wir wollen auch Europameister werden und nicht Facebookmeister. Und jetzt Klappe halten.
4.
cs01 28.06.2012
Die sollen da auch Fußball spielen und nicht mit diesem Kram die zeit vergeuden. Also ganz ok., wenn bloß der Berater ein paar belanglosigkeiten reinschreibt.
Zitat von sysopLahm und träge präsentiert sich die deutsche Nationalmannschaft bei dieser EM - zumindest im Netz. Auf dem Feld sieht man rasante Dribblings, schnelles Passspiel und präzise Flanken. Auf Twitter und Facebook hingegen liest man von den Spielern nur Triviales. Nationalspieler bei Facebook und Twitter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,841153,00.html)
Die sollen da auch Fußball spielen und nicht mit diesem Kram die zeit vergeuden. Also ganz ok., wenn bloß der Berater ein paar belanglosigkeiten reinschreibt.
5. 3 Kommentare 3 Treffer
realismuson 28.06.2012
schön zu wissen, daß unsere Nationalspieler die sinnlosesten Auswüchse der Neuzeit beiseite lassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren - ordentlichen Fußball zu spielen
schön zu wissen, daß unsere Nationalspieler die sinnlosesten Auswüchse der Neuzeit beiseite lassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren - ordentlichen Fußball zu spielen

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter RSS
alles zum Thema Facebook
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten