02.07.2012
Adressänderung
Nutzer beklagen E-Mail-Chaos nach Facebook-Eingriff
Facebook verbindet: Die Adressänderung kann die Kommunikation aber eher behindern
Facebooks Mission ist es, die "Welt zu offener und vernetzter" zu machen. Das haben zumindest PR-Profis in die Selbstdarstellung des Konzerns geschrieben. Beim Geschäftsgebaren Facebooks kommen einem manchmal Zweifel an dieser Mission. Die Community-Managerin Rachel Luxemburg zum Beispiel berichtet, dass Facebook die Kommunikation mit ihren Mitarbeitern behindert hat.
Und zwar so: Vor einiger Zeit hat Facebook eigenmächtig bei allen Nutzern die in ihren Profilen angegebenen E-Mail-Adressen geändert. Die privaten oder geschäftlichen Kontaktadressen wurden allesamt durch eine persönliche Facebook-Adresse als Hauptkontakt geändert. Die Folgen dieser Veränderung für die in Kalifornien bei Adobe arbeitende Luxemburg: Ein Kollege, der sein E-Mail-Adressbuch mit Facebook synchronisiert, schickte fortan seine Nachrichten auf einmal an die falsche Adresse. Die Facebook-Änderung hatte den Eintrag im Adressbuch überschrieben, noch bevor Luxemburg in ihrem Profil die Facebook-Manipulation rückgängig machte.
Luxemburg bittet alle Bekannten und Kollegen öffentlich in ihrem Blog: "Sollten Sie meine Kontaktdaten in ihrem Telefon oder Adressbuch haben, prüfen Sie bitte, ob weiterhin die korrekte Adresse angegeben ist."
Über solche Probleme nach Facebooks eigenmächtiger E-Mail-Umstellung klagen viele Nutzer im Netz: Bei Reddit, bei Slashdot, bei Hackernews - überall berichten Betroffene, wie Facebooks Änderungen die Adressbücher auf Smartphones umschreiben.
Bislang ist unklar, welche Synchronisierungsdienste davon betroffen sind. Facebook antwortet, die Techniker würden diese Fälle gerade prüfen. Und ja, es könne in bestimmten Fällen vorkommen, dass Nutzer wie Rachel Luxemburg nicht über den Eingang von E-Mails an ihre neue Facebook-Adresse benachrichtigt werden. Wenn die Kollegen von einer nicht bei Faceboook registrierten Adresse aus mailen, taucht die Nachricht nicht im Posteingang, sondern unter "Sonstiges" auf - dann gibt es auch keine Benachrichtigung.
Zu den Adressbüchern seiner Mitglieder hat Facebook ein besonderes Verhältnis: Im März urteilte das Landgericht Berlin, dass Facebook seine Nutzer nicht ausreichend darüber informiert, was bei einer "Synchronisierung" des Telefonbuchs mit der Facebook-Anwendung tatsächlich geschieht. Facebook kopiert E-Mail-Adressen, Geheimnummern und Namen, speichert diese Daten, um Kontakt-Netzwerke zu analysieren - auch die Datensätze von Nicht-Mitgliedern.
Allein dieses Vorgehen spricht gegen das Synchronisieren von Adress- und Telefonbüchern mit Facebook-Anwendungen.
lis