12.07.2012
Netzwelt-Ticker
Apple grün, Google undurchsichtig, Facebook überall
Von Richard Meusers
Apple-Store in Shanghai: Grüner als grün?
Mit der Entscheidung, insgesamt 39 Produkte nicht mehr mit dem "Epeat"-Umweltsiegel auszeichnen zu lassen, hat Apple für einige Unruhe gesorgt. Die Epeat-Plakette bescheinigt ihrem Träger, im Einklang mit US-Umweltstandards zu handeln und ist oft Voraussetzung für öffentliche Aufträge. Als erster bisheriger Kunde ist bereits die Stadtverwaltung von San Francisco abgesprungen.
Offenbar geht es darum, dass sich Akkus nicht so einfach austauschen oder entfernen lassen - Apple ist das Design wichtiger. Nun behauptet der Konzern, grüner zu sein, als die üblichen Verordnungen es verlangten. Unternehmenssprecherin Kristin Huguet erklärte: "Apple misst unsere Umweltverträglichkeit mit einem umfassenden Vorgehen und all unserer Produkte entsprechen den strengsten Standards zur Energieeffizienz der US-Regierung, Energy Star 5.2. Außerdem sind wir führend in der Darlegung der durch jedes Produkt verursachten Treibhausgasemissionen auf unserer Webseite. Apple-Produkte sind hinsichtlich anderer Umweltbereiche überlegen, die von Epeat gar nicht erfasst werden, wie zum Beispiel die Entsorgung giftiger Materialien."
Ganz so überzeugend wirkt das auf die düpierte Epeat nicht. Auch wenn es für neuere Technologien wie Tablet-Rechner derzeit noch keine einheitlichen Umweltstandards gebe, kritisiert Robert Frisbee, Chef der Non-Profit-Organisation, den Herstellungsprozess von Apples iPad: "Es gibt ein Problem mit der Verklebung der Akkus im iPad. Es ist nicht möglich, die giftigen Bestandteile von den wiederverwertbaren zu trennen. Andere Hersteller haben Mittel und Wege gefunden, um den Epeat-Standards zu entsprechen. Es ist ein bisschen verwirrend, dass Apple, das hier immer Vorreiter gewesen ist, eine andere Richtung eingeschlagen hat."
Google in Sachen Transparenz kaum besser als Gazprom
Transparency International hat wieder seine Transparenzrangliste veröffentlicht. Im Ranking wurden die 105 weltweit größten Unternehmen erfasst und nach insgesamt 26 Kriterien bewertet. Zu denen gehört unter anderem die Frage nach politischen Spenden, Schmiergeldzahlungen oder der Unternehmensstruktur einschließlich etwaiger Tochterfirmen. Je weniger die überprüften Unternehmen hier preisgaben, desto tiefer landeten sie in der Auflistung. Kaum überraschend, dass das russische Energie-Unternehmen hier mit 2,8 Punkten von zehn möglichen nur Platz 98 erreicht.
Überraschend dagegen die unmittelbare Nachbarschaft, denn da finden sich bekannte High-Tech-Multis gleich in Reihe. Noch knapp vor den Russen liegt mit 2,9 Punkten der Werberiese Google. Das Online-Kaufhaus Amazon gab sich noch verschlossener und besetzt mit 2,8 Punkten Platz 99. Apple macht es kaum besser, 3,2 Punkte bringen Platz 91.
Interessant auch, dass die zehn erstplatzierten Firmen aus Europa kommen, darunter mit BASF und der Allianz zwei aus Deutschland.
Forscher misst weltweiten Facebook-Einfluss
Zyxt Labs, in der Produkt- und Softwareforschung beheimatet, hat 1,3 Milliarden Internetadressen untersucht und festgestellt, dass 22 Prozent von ihnen Links auf Facebook besitzen, viele sogar mehrfach. So kommt Zyxt auf insgesamt 471 Millionen Links zum Netzwerk-Primus. Kein Wunder, dass der "Gefällt mir"-Button hier am häufigsten erscheint und für ein Sechstel aller Verlinkungen gut ist.
Für die Praxis zieht Zyxt-Labs-Gründer Matthew Berk ein interessantes Fazit: Künftig würden Menschen wie auch Unternehmen nicht mehr so stark darauf setzen, auf Webseiten Präsenz zu zeigen, sondern auf großen Plattformen wie eben Facebook oder Twitter. Auch "normale" Webseiten würden von dieser Tendenz zunehmend betroffen. Sie "werden mehr und mehr in diese sozialen Netzwerke eingewoben, sei es durch die simple Einbindung mit einem "Gefällt mir"- oder "+1"-Button oder durch komplexere soziale Vernetzung".
Yahoo verliert 400.000 Passwörter
Rund 400.000 Nutzerdaten konnten kopiert werden: Hacker konnten offenbar über eine manipulierte Datenbankabfrage Logindaten abfragen, darunter unverschlüsselte Passwörter. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall. Welcher der zahlreichen Dienste des Unternehmen betroffen ist, weiß Yahoo nach eigenen Angaben bisher nicht. In den veröffentlichten Daten hatte es Hinweise auf Yahoo Voice gegeben.
Auch das noch:
- Wie Amazon den US-Einzelhandel kaputtmachen könnte: In einer Kehrtwende zeigt sich Amazon nun bereit, in den USA Umsatzsteuer zu zahlen, die für jeden Händler fällig wird, der in einem Bundesstaat eine Verkaufsstelle unterhält. Nun erwarten Beobachter, dass der Online-Kaufhausriese das Land mit Vertriebsstationen überzieht, um Kundenbestellungen noch am selben Tag auszuliefern. Was für den lokalen Einzelhandel eine tödliche Konkurrenz bedeuten könnte.
- BitTorrent-Traffic brummt trotz Pirate-Bay-Sperrung durch ISPs: Hat nichts genutzt, so das Kurz-Resümee der Sperren des Torrent-Verzeichnisses The Pirate Bay durch eine Reihe von Providern. Tatsächlich melden mehrere Internetversorger, der BitTorrent-Traffic sei auf unverändertem Niveau, wenn er nicht sogar noch zugenommen habe.
- File History ist Microsofts Antwort auf Apples Time Machine: Das haben sich Windows-Nutzer schon lange gewünscht, eine einfache Möglichkeit fürs regelmäßige Backup. Was Mac-User mit Time Machine schon seit geraumer Zeit genießen, soll nun im Gewand von "File History" auch Microsoft-Kunden möglich sein. Das ab Windows 8 angebotene Feature soll die Datensicherung kinderleicht machen. Einfach eine externe Festplatte anstöpseln, File History aktivieren und der Computer sichert alle 60 Minuten den jeweils aktuellen Stand.
- Pläne für zweijährige Vorratsdatenspeicherung in Australien: Während hierzulande selbst die sechsmonatige Vorratsdatenspeicherung an massiven Protesten von Datenschützern und Bürgerrechtlern gescheitert ist, laufen sich Polizeibehörden und Geheimdienste in Australien für weitreichendere Pläne warm. Eine Gesetzesinitiative sieht die Aufzeichnung aller Verbindungsdaten für Telefon und Internet für die Dauer von zwei Jahren vor. Auch Australiens Auslandsgeheimdienste sollen Zugriff auf das Material erhalten.
- Skype-Telefonate zum Teil nur sehr holprig möglich: In Support-Foren mehren sich derzeit die Berichte, dass Telefonate über Skype immer wieder abbrechen oder gar nicht erst zustande kommen, obwohl der Gesprächspartner als online angezeigt wird. Auch der Einsatz älterer Skype-Versionen soll keine Abhilfe schaffen.
- Japanisches Riesen-Tablet mit 21,5 Zoll: Kouziro kennt hierzulande noch kein Mensch, aber vielleicht ändert sich das mit dem Produkt des Herstellers aus Fernost. Das Riesenbrett soll fünf Kilo wiegen, sein übergroßer Bildschirm mit einer Full-HD-Auflösung von 1920x1080 Pixeln daherkommen. Vergleichsweise schwachbrüstig ist die Rechenpower, unter der Haube sollen ein Gigabyte RAM nicht mehr als acht Gigabyte Flash-Speicher befüllen. Der Preis für den Brocken ist mit 34.800 Yen (umgerechnet knapp 360 Euro) vergleichsweise günstig.