13.07.2012
Netzwelt-Ticker
Googles Fahrrad-Navi, schlechte Passwörter, Teilsieg für WikiLeaks
Von Richard Meusers
Fahrrad-Navigation: Künftig in Google Maps
Das Technik-Team hinter Google Maps hat unter der Haube gewerkelt und dem Kartendienst eine neue Erweiterung spendiert. In die Straßen-Navigation wurde jetzt auch eine Übersicht über Fahrradwege aufgenommen. Im Fly-out-Menü von Google Maps kann jetzt der Punkt "Mit dem Fahrrad" aktiviert werden, der neben Radwegen auch "geeignete Straßen" anzeigt. Normale Wege erscheinen dunkelgrün, Fahrradwege werden etwas heller dargestellt, und geeignete Straßen erscheinen als gepunktete Linien.
Für die USA und Kanada schon seit 2010 zu haben, wirkt die Funktion für hiesige Gegenden noch ein wenig unfertig. Längst nicht alle radelbaren Wege werden angezeigt. Sollte der Google-Map-Maker auch für Deutschland freigeschaltet werden, können Maps-Nutzer die fehlenden Weg selbst nachtragen. Derzeit ist das nur in Belgien, Dänemark, Liechtenstein, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Österreich und der Schweiz möglich. Bis es auch hierzulande soweit ist, hofft Google auf die Geduld der Nutzer, während man daran arbeite, den Service so schnell wie möglich verfügbar zu machen. Die Routenplanung für den Drahtesel funktioniert in Deutschland ebenfalls noch nicht, für Österreich und die Schweiz soll sie laut Google schon zu haben sein.
Wer nicht auf Google warten will: Auf OpenCycleMap.org pflegen Radfahrer und Karten-Enthusiasten eigene Radrouten. Das Mitmachprojekt liefert in den Niederlanden und in Teilen Deutschlands jede Menge Radwege. Viele andere Länder fehlen allerdings ganz.
Beliebte Yahoo-Passwörter
Gestern bestätigte Yahoo den umfangreichen Passwort-Klau nach einem Hackereinbruch. Zu den 450.000 Nutzerdaten gehören auch unverschlüsselte Passwörter. Die sind nun öffentlich, und der schwedische IT-Sicherheitsexperte Anders Nilsson hat sich diese auf die Häufigkeit bestimmter Buchstabenfolgen hin angesehen.
Die statistische Auswertung ergibt, dass das einstmalen so beliebte "123456" nur von 0,38 Prozent der betroffenen User verwendet wurden. Auch andere früher häufig benutzte Begriffe wie "password" oder "welcome" blieben deutlich unter einem halben Prozent. Dass lange Passwörter sicherer sind als kurze, hat sich offensichtlich auch herumgesprochen, nur zwei Prozent der Nutzer hatten Logins mit fünf oder weniger Stellen.
Ein erstaunliches Ergebnis, das ein Leser bei Boingboing so kommentiert: "Das ist gar nicht so schlecht, bei fast 450.000 scheint es weniger als 10.000 dämliche Passwörter zu geben. Ich hätte gedacht, dass es viel schlimmer gewesen wäre."
WikiLeaks gewinnt vor Gericht gegen Finanzdienstleister
Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hat vor einem Gericht in Island einen kleinen Sieg errungen. Der Seite wurde von US-Unternehmen im Jahr 2010 die Zusammenarbeit aufgekündigt. Der Boykott von Banken und von den Zahlungsdienstleistern Visa und Mastercard bedeutete praktisch das Aus für Geldspenden an die Organisation.
Wie der "Guardian" berichtet, wurde nun der isländische Zahlungsdienstleister Valitor von einem Gericht dazu verdonnert, wieder Spenden an WikiLeaks zuzulassen. Valitor ist der regionale Visa-Partner. Der muss nun Zahlungen an WikiLeaks auf die Konten der Organisation in Island weiterleiten, kann dagegen allerdings Berufung einlegen. Bleibt außerdem die Frage, woher diese Überweisungen kommen sollen. Denn auch wenn WikiLeaks die Gerichtsentscheidung als großen Sieg verkauft, bedeutet das nicht automatisch, dass auch die US-Firma Visa wieder Zahlungen weiterleiten muss.
Mann findet sein gestohlenes Auto nach 42 Jahren auf Ebay
Seinen 1970 geklauten Austin Healey 3000 hatte Rob Russel nie vergessen. Aber dass er sein ehemaliges Fahrzeug jemals wiedersehen würde, damit hatte er wohl weniger gerechnet. Dennoch nutzte er die neuen Suchmöglichkeiten des Internets und flöhte in den letzten Jahren zahllose Angebotsseiten nach seinem alten Healey. Bis er tatsächlich fündig wurde und das Fahrzeug im Ebay-Shop eines Kfz-Händlers in Beverly Hills entdeckte. Dort wurde der Wagen zum Preis von 24.000 Dollar angeboten.
Zwar verfügte Russel nicht mehr über die damalige Diebstahlsanzeige, doch mit Hilfe der Polizei wurde die alte Akte gefunden, und der Rückführung des Autos stand nichts mehr im Wege. Für sein Alter ist das britische Fahrzeug mit dem Baujahr 1967 recht gut in Schuss, nur die Bremsen lassen zu wünschen übrig. Jetzt will sich Russel in aller Ruhe ans Restaurieren und Aufpolieren machen.
Auch das noch:
- GMX: Gehackte Konten? Welche Konten? Hacker versuchen seit Tagen, in GMX-Konten einzudringen, um über diese dann Spam zu versenden. Zunächst war von über 300.000 betroffenen und gesperrten E-Mail-Konten die Rede, doch dann reduzierte der Freemail-Anbieter diese Zahl drastisch auf nur noch 3000.
- Rupert Murdochs "The Daily" schon wieder vor dem Ende? Die Hoffnungen auf die iPad-Version eines Boulevardblatts haben sich offensichtlich nicht erfüllt. Seit September habe sich die Zahl der Abonnenten nicht weiter erhöht und stagniere bei 120.000. Die jährlichen Kosten sollen bei 30 Millionen Dollar liegen. Derzeit stehe das Tabloid unter Beobachtung, spätestens nach den US-Präsidentschaftswahlen am 6. November soll Schluss sein, gerüchteköcheln Insider.
- Twitter führt System zur Altersangabe ein. Wer verlinkte "Erwachseneninhalte" bei Twitter sehen will, muss künftig bestätigen, dass er alt genug ist und das auch darf. Wie gut, dass Jugendliche bei ihrer Altersangabe so gut wie nie flunkern.
- Apple zieht Kriegsspiel aus App-Store zurück und entschärft diplomatische Krise. Im Kriegsspiel "Defend the Diaoyu Islands" konnten Gamer ein paar zwischen China und Japan gelegene Inselchen gegen grimmige japanische Invasoren verteidigen. In China populär und von der Zensur nicht behelligt, sorgte das Spiel in Japan für einigen Unmut. Bevor sich die Unstimmigkeiten zur diplomatischen Krise auswachsen konnten, zog Apple das Spiel zurück. Die von China und Taiwan beanspruchten öden Felsen gehören seit dem 19. Jahrhundert als Senkaku-Inseln zu Japan.