16.08.2012
Netzwelt-Ticker
Facebook-Register, anonyme Prepaid-Karten
Von Richard Meusers
Website der Jungen Polizei (Screenshot): Partys mit Konsequenzen
Dass junge Polizisten nicht weniger stramm hinter vermeintliche Straftätern her sind als ihre älteren Kollegen, demonstrierte jetzt die Jugendorganisation der Polizeigewerkschaft. Auf ihrer Internet-Präsenz befassen sich die Jungbeamten mit dem Phänomen der Facebook-Partys, die gern ausarten und zu teilweise beträchtlichen Schäden führen. Derzeit sei es noch schwierig, der Verursacher solcher Massenaufläufe habhaft zu werden. Deshalb müsse Facebook dafür sorgen, "dass nur reale Nutzer das Netzwerk nutzen".
Ein Ansinnen, dem bei Facebook niemand widersprechen wird, denn der Netzwerkkönig ist selbst daran interessiert, das Netzwerk zu einem privaten Melderegister auszubauen. Anders könnte es mit dem Wunsch aussehen, dass die "Ermittlungsbehörden ohne zeitlichen Verzug an diese Daten gelangen" können, wie es Michael Haug, Bundesvize der Jungen Polizei, fordert.
Potentiell zerstörerische Facebook-Partys hätten im Gefolge des Films "Project X" über ein Party-Massenbesäufnis erheblich zugenommen, diesem Trend müsse gegengesteuert werden. Die Möglichkeiten zur sicheren Identifizierung von Personen seien dabei vielfältig: "Paypal identifiziert über das Bankkonto oder das Postident-Verfahren", sagte Haug dem Nachrichtenportal Golem, "Postident ist das wohl sicherste Verfahren, weil tatsächlich die Identität geprüft wird. Aber es gibt auch andere Verfahren, die geeignet genug sind."
Für die Weitergabe entsprechender Angaben existiere nicht einmal ein richterlicher Vorbehalt, weil im Paragraf 133 des Telekommunikationsgesetzes geregelt sei, derlei Auskünfte auf Verlangen der zuständigen Stellen "unverzüglich" zu erteilen.
Piraten klagen gegen deutsches Verbot von anonymen Prepaid-Handys
Wer Wenig-Telefonierer ist und sich deshalb ein Prepaid-Handy kauft, muss dabei im Laden unter Vorlage des Personalausweises Namen und Adresse hinterlassen. Die seit 2004 geltende Zwangsidentifizierung wird gemeinhin mit der Bekämpfung der Kriminalität begründet. Dem stehen jedoch die Rechte auf Privatsphäre und Anonymität entgegen, finden die Juristen und Bürgerrechtler Patrick und Jonas Breyer.
Allerdings hatte das Bundesverfassungsgericht in einem entsprechenden Urteil im Januar 2012 das Recht auf anonyme Kommunikation und einen anonymen Internetzugang verneint. Daher soll die Frage auf nächster Instanz, beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), geklärt werden.
Patrick Breyer, der auch für die Piraten im Landtag von Schleswig-Holstein sitzt, begründete den Schritt mit grundsätzlichen Erwägungen: "Anonymität ist essentiell für Presseinformanten, für die anonyme Äußerung unliebsamer Meinungen im Internet, für den vertraulichen Austausch von Geschäftsgeheimnissen, für die vertrauliche Koordinierung politischer Proteste, für die psychologische, medizinische und juristische Beratung sowie für Selbsthilfegruppen." Überdies würden schon jetzt in zwei Dritteln der EU-Mitgliedsländer Straftaten erfolgreich verfolgt, ganz ohne das Verbot anonymer SIM-Karten.
Facebook drückt mehr Werbung in Profile
Wer bisher den Webauftritt eines Unternehmens mit einem Klick auf Facebooks "Gefällt-mir"-Button bedachte, erhielt in der Folge im Newsfeed seines Profils Hinweise und Anzeigen dieser Marke. Allerdings nur von dieser und nicht von anderen Firmen, mit denen der Surfer gar nichts zu tun hatte. Wie vor einiger Zeit angekündigt, hebt Facebook diese Begrenzung nun auf und erlaubt Unternehmen die Anzeigenschaltung auch auf Profilen, die keine "Fans" sind. Der Grund dafür ist, kaum verwunderlich, die Steigerung der Anzeigenumsätze, wie Dailytech trocken resümiert. "Adweek" zitiert eine Facebook-Sprecherin, die unverblümt klarstellte, dass die Erweiterung der Anzeigenmöglichkeiten nicht im Interesse der Nutzer, sondern der Unternehmen geschieht: "Diese Anzeigen werden wie andere Beiträge auf der Seite aussehen und nur als gesponsert ausgewiesen. Das macht es für die Wirtschaft einfacher, mehr Leute zu erreichen." Immerhin handele es sich bei der Maßnahme nur um "einen kleinen Test", und Facebook würde beständig Rückmeldungen sammeln, um das Anzeigenwesen zu verbessern.
Das erweiterte Anzeigenmanagement ist offensichtlich Teil der Bemühungen Facebooks, sich bei potentiellen Anzeigenkunden wieder interessanter zu machen. Erst im Mai 2012 hatte der amerikanische Autokonzern GM angekündigt, seine Facebook-Werbung komplett zu stoppen. Die Begründung seinerzeit: Diese Art der Werbung habe nur wenig Einfluss auf Verbraucher. Allerdings wurde der für den Werbestopp verantwortliche GM-Marketingchef Joel Ewanick inzwischen selbst gefeuert.
Auch das noch:
- Apple steht in Verhandlungen mit US-Anbietern von Kabel-TV und rückt von Plänen ab, selbst Inhaltelieferant zu werden. Das "Wall Street Journal" macht eine große Geschichte daraus, obwohl die Gespräche noch nicht einmal konkrete Ergebnisse produziert haben. "Na und?", stöhnt TechCrunch, "das wissen wir schon seit Monaten." Anscheinend habe das Sommerloch gestopft werden müssen.
- Bill Gates kümmert sich um effiziente Kloschüsseln. Herkömmliche Toilettenschüsseln lassen offenbar zu viel Wasser durch, nicht gut in Zeiten und Gegenden mit anhaltender Dürre. Also engagiert sich Microsoft-Gründer Bill Gates in der Entwicklung spezieller Toiletten für Drittweltländer, die effizient mit Wasser umgehen und nebenbei auch noch das Risiko von Infektionskrankheiten verringern sollen.