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21.11.2012
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"Ich habe gewählt"

Obama profitierte von Facebook-Wahlaufruf

Von
REUTERS

Facebook-Webseite: Neun Millionen Menschen klickten auf "Ich habe gewählt"

Am Tag der Präsidentschaftswahl dürfte Barack Obama auch eine Facebook-Aktion geholfen haben. Das weltgrößte Online-Netzwerk hatte neutral formulierte Wahlaufrufe an seine Mitglieder geschaltet. Unter den Anhängern der Demokraten war das Echo darauf am größten.

Berlin - Wir machen gern, was unsere Freunde tun. Und was unsere Freunde mögen, gefällt uns in der Regel ebenso. Deshalb verbringen wir gern viel Zeit mit Freunden - und wenn das nicht geht - dann zumindest auf Plattformen wie Facebook.

Netzwerkforscher wie James Fowler haben untersucht, wie groß die Macht der Freunde ist und welchen Einfluss jeder einzelne von uns auf seine Freunde hat. Bei einer US-Wahl im Jahr 2010 konnte Fowler sogar zeigen, dass ein millionenfaches Bekenntnis auf Facebook ("Ich habe gewählt") Tausende Menschen an die Wahlurnen treibt, die das ansonsten nicht getan hätten. Fowlers Forscherteam hatte bei dem Experiment mit Facebook zusammengearbeitet, ohne tatkräftige Hilfe der Plattform wäre es überhaupt nicht möglich gewesen.

Bei der Präsidentschaftswahl am 6. November 2012 hat Facebook wieder den Button "Ich habe gewählt" geschaltet. Immerhin neun Millionen Facebook-Mitglieder klickten auf den Knopf, wie das Unternehmen nun in seinem Blog mitteilt. Und die Interpretation der Daten lässt kaum einen anderen Schluss zu: Die Aktion dürfte Barack Obama zusätzliche Stimmen beschwert haben.

Dass die Demokraten davon eher profitierten als die Republikaner, lässt sich aus den Statistiken nicht direkt ableiten - wohl aber indirekt. Zum einen sind Facebook-Mitglieder jünger und wählen daher eher demokratisch als republikanisch.

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Netzwerk-Experiment: Kumpel, geh wählen
Zum anderen offenbaren Millionen Mitglieder der Plattform ihre politische Einstellung in ihrem Profil. Mitt Romney hat fast 12 Millionen Fans weltweit, Barack Obama über 33 Millionen. Facebook konnte so bei seinen Nutzern in den USA messen, welche Anhängerschaft wie stark auf den Button "I voted" anspricht. Und das waren eindeutig die Fans der Demokraten. 18 Prozent der Obama-Anhänger klickten auf den Knopf, unter den Republikanern lag die Quote bei 15 Prozent.

Was bedeutet das? Unterstützer der Demokraten bekannten sich häufiger als Unterstützer der Republikaner dazu, gewählt zu haben. Wenn man zugleich annimmt, dass der Gruppendruck, wählen zu gehen, in beiden Lagern eine vergleichbare Wirkung entfaltet, dürften die neun Millionen Wahlbekenntnisse mehrheitlich Obama genützt haben und nicht seinem Herausforderer Mitt Romney.

Dass die Botschaft "Ich habe gewählt" tatsächlich mehr Menschen dazu bringt, ihre Stimme abzugeben, konnte Fowlers Team bei der letzten Kongresswahlen 2010 mit einer umfangreichen Datenanalyse beweisen. Den Forschern standen nicht nur die Daten von Millionen Facebook-Mitgliedern zur Verfügung, sondern auch Informationen aus öffentlichen Wählerverzeichnissen, zum Beispiel aus den Bundesstaaten Arkansas, Kalifornien, Florida und New York. So kannten die Wissenschaftler von Millionen Amerikanern Name sowie das Geburtsdatum und wussten, ob diese am 2. November 2010 tatsächlich wählen waren oder nicht. Schließlich konnten sie beide Datensätze übereinanderlegen und gezielt auswerten.

60 Millionen Mitglieder der Plattform hatten das Wahlbekenntnis am Tag der Kongresswahl im November 2010 auf Facebook zu Gesicht bekommen. Nach den Hochrechnungen der Forscher war die Wahrscheinlichkeit, wählen zu gehen, durch den Wahlaufruf um 0,4 Prozent erhöht. Das klingt nicht spektakulär, es handelte es sich dabei aber um mehr als 300.000 Menschen, die ansonsten nicht zur Wahl gegangen wären.

Dass der Effekt bei der diesjährigen Wahl größer als 300.000 Stimmen gewesen sein dürfte, legt der Vergleich zweier Zahlen nah: 2010 klickten rund 1,3 Millionen User auf den Button "Ich habe gewählt, bei den Wahlen 2012 waren es laut Facebook über 9 Millionen. Wenn man ähnliche Verhältnisse annimmt wie 2010, könnte der Aufruf also durchaus 2 Millionen zusätzliche Stimmabgaben provoziert haben. Obama holte bei der Wahl übrigens 3,5 Millionen Stimmen mehr als Romney.

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US-Wahlen am 2. November

Midterm elections
Alle zwei Jahre finden in den USA Wahlen zum Kongress statt, der aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus besteht. Die Wahlen , die in die Mitte der vierjährigen Amtszeit des Präsidenten fallen, werden Midterm Elections , also Halbzeit- oder Zwischenwahlen, genannt.
Zeitgleich finden an diesem Election Day am 2. November 2010 in 39 Bundesstaaten und Territorien Gouverneurswahlen statt. Viele Bundesstaaten wählen mit den Halbzeitwahlen zusammen auch ihre staatlichen Legislativen und die Verwaltungen der Bezirke (Counties).
Stimmungstest
Die Midterm Elections gelten als Stimmungsbarometer für die Politik des Präsidenten . Umfragen zufolge muss sich Obamas Partei auf eine Niederlage einstellen und möglicherweise die Mehrheit in beiden Kongresskammern an die Republikaner abgeben. Derzeit können sich die Demokraten im Repräsentantenhaus noch auf eine komfortable Mehrheit von 257 zu 178 Abgeordneten stützen, im Senat verfügt das Regierungslager über 59 Sitze von 100.
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Im Senat , eine der beiden Kammern des US-Kongresses , ist jeder der 50 Bundesstaaten durch zwei Senatoren vertreten – unabhängig von seiner Größe und Einwohnerzahl. Alle zwei Jahre wird ein Drittel der Senatoren neu gewählt. Ihre Amtszeit dauert in der Regel sechs Jahre. 37 Senatorensitze werden am 2. November neu bestimmt.
Der Senat mit seinen 100 Mitgliedern muss - neben seinen gesetzgeberischen Aufgaben - auch bei der Besetzung von Regierungs- und anderen Bundesämtern die vom Präsidenten vorgeschlagenen Kandidaten genehmigen.
Die Republikaner hatten zuletzt 41 Sitze im Senat, die Demokraten 57, zwei der Senatoren sind unabhängig. Von den Senatsposten, die jetzt frei werden, sind derzeit 19 von Demokraten besetzt und 18 von Republikanern.
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Im Abgeordnetenhaus , der zweiten Kammer des US-Kongresses , sind mit 435 Sitzen die verschiedenen US-Bundesstaaten gemäß ihrer Bevölkerungszahl repräsentiert. Die Abgeordneten werden jeweils für zwei Jahre gewählt. Jeder Sitz im Repräsentantenhaus steht für einen geografischen Wahlkreis (District). Gewählt wird nach dem Mehrheitswahlrecht. Gewählt ist also der Abgeordnete, der die einfache Mehrheit in seinem Wahlkreis erringt.
Derzeit können sich die Demokraten im Abgeordnetenhaus noch auf eine komfortable Mehrheit von 257 zu 178 Abgeordneten stützen, doch müssen sie sich laut Umfragen auf Verluste einstellen.
Bundesgesetze müssen von Senat und Repräsentantenhaus gebilligt werden. Im Fall gegensätzlicher Auffassungen wird häufig ein Kompromiss im Vermittlungsausschuss der beiden Kammern gefunden.
Gouverneure
Die US-Bürger von 34 der 50 Bundesstaaten wählen alle vier Jahre zeitgleich zu den Halbzeitwahlen ihre Gouverneure , und Washington D.C. wählt einen Bürgermeister. In Vermont und New Hampshire wählen die Bürger ihre Regierungschefs sogar alle zwei Jahre, sowohl zeitgleich mit den Präsidentschafts- als auch mit den Halbzeitwahlen . Zusätzlich werden die Gouverneure in den US-Außengebieten Guam und Virgin Islands gewählt.
In 19 Bundesstaaten, in denen jetzt ein neuer Gouverneur gewählt wird, war bisher ein Demokrat Regierungschef, in 18 ein Republikaner.
Der Gouverneur ist der Regierungschef in einem Bundesstaat, vergleichbar mit einem Ministerpräsidenten in Deutschland. Er wird in der Regel für vier Jahre gewählt, ihm sind maximal zwei Amtsperioden erlaubt. In diesem Jahr treten 16 der amtierenden Gouverneure nicht zur Wiederwahl an.
Election Day
Das US-amerikanische Wahlrecht sieht vor, dass allgemeine Wahlen zu Bundesorganen jeweils an dem Dienstag stattfinden, der in geraden Jahren auf den ersten Montag im November folgt. So fallen Präsidentschaftswahlen, Wahlen zum Senat und zum Repräsentantenhaus immer auf einen Termin zwischen dem 2. und dem 8. November eines geraden Jahres.
Um Kosten und Aufwand zu sparen, halten viele Bundesstaaten auch die Wahlen zu Gouverneuren, lokalen Parlamenten und den Verwaltungen der Bezirke (Counties) an den Election Days ab.

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