Lade Daten...
23.11.2012
Schrift:
-
+

Kommunikationspause

Daimler löscht auf Wunsch Mails seiner Mitarbeiter

Ole Reißmann

E-Mail: Stress im Urlaub und nach Feierabend

Daimler sagt der Dauererreichbarkeit den Kampf an: Keine Dienst-E-Mails mehr im Urlaub - diesen Service bietet der Autobauer nun seinen Angestellten. Auf Wunsch wird deren Digitalpost bei Abwesenheit automatisch gelöscht, damit sie besser abschalten können.

Stuttgart - E-Mail ist für viele Angestellte längst kein willkommenes Kommunikationswerkzeug mehr, sondern eine ständige Belastung. Bei Daimler will man dem nun abhelfen, zumindest im Urlaub - wer will, kann dort künftig alle E-Mails löschen lassen, die während seiner Abwesenheit ankommen.

Der Betriebsrat habe die Regelung zusammen mit der Unternehmensleitung verabschiedet, teilte Daimler Chart zeigen am Freitag in Stuttgart mit. Start soll Anfang 2013 sein. Nach Angaben einer Daimler-Sprecherin kann künftig jeder Mitarbeiter bis hin zum Manager davon Gebrauch machen. Damit Anfragen nicht ins Leere laufen, verweise eine Abwesenheitsnotiz auf den zuständigen Vertreter.

"Diese neue Spielregel zur E-Mail-Abwesenheit ist eine ganz wesentliche Maßnahme, damit unsere Belegschaft in Ruhephasen noch besser 'abschalten' kann", erklärte Personalvorstand Wilfried Porth. Der Autobauer hatte zuvor in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg 6000 Daimler-Beschäftigte zur Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben befragt, darunter auch Führungskräfte. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm erklärte, es gehe nun vor allem darum, dass Mitarbeiter die Möglichkeiten "mit aktiver Unterstützung wahrnehmen können".

Der Autobauer Volkswagen hatte Ende 2011 bereits eine ähnliche Regelung erlassen - und eine Smartphone-Pause nach Feierabend eingeführt. Die Blackberrys von VW-Mitarbeitern können seitdem von 18.15 Uhr bis 7 Uhr morgens keine Mails mehr empfangen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte sich jüngst für eine deutliche Trennung von Arbeit und Beruf ausgesprochen und gefordert: "In der Freizeit sollte Funkstille herrschen."

Wie sich das Programm in der Praxis bewährt, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Dass im Management tätige Angestellte tatsächlich wochenweise Kommunikationsversuche vernichten lassen, würde ein gewisses Vertrauen in die Vorstellung voraussetzen, dass die Dinge schon ohne einen weiterlaufen werden - keine Qualifikation, die unter Führungskräften als erstrebenswert angesehen wird.

cis/dpa

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
1. Geht doch !
wcfields 23.11.2012
Wirklich wichtige Post geht in solchen Unternehmen eher selten an persönliche Postfächer sonder an funktionale Boxen. Die Post für marketing@daimler.com liest ja wohl nicht nur einer.
Wirklich wichtige Post geht in solchen Unternehmen eher selten an persönliche Postfächer sonder an funktionale Boxen. Die Post für marketing@daimler.com liest ja wohl nicht nur einer.
2. Loslassen können ...
geserm 23.11.2012
"Wie sich das Programm in der Praxis bewährt, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Dass im Management tätige Angestellte tatsächlich wochenweise Kommunikationsversuche vernichten lassen, würde ein gewisses Vertrauen [...]
"Wie sich das Programm in der Praxis bewährt, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Dass im Management tätige Angestellte tatsächlich wochenweise Kommunikationsversuche vernichten lassen, würde ein gewisses Vertrauen in die Vorstellung voraussetzen, dass die Dinge schon ohne einen weiterlaufen werden - keine Qualifikation, die unter Führungskräften als erstrebenswert angesehen wird." Dieser letzte Absatz bringt es auf den Punkt - nicht beim "normalen" Mitarbeiter, bei dem es vom Vorgesetzten verlangt wird, dass er immer erreichbar ist, aber doch bei den leitenden Angestellten, auch "Manager" genannt. Wer es nicht schafft, sich eine Mannschaft aufzubauen, die zumindest eine gewisse Zeit ohne ihn zurechtkommt, ist keine gute Führungskraft. Denn dieser Manager hat mehr seine eigene Wichtigkeit im Sinn, als die Arbeit, die er mit seiner Mannschaft für sein Unternehmen leistet. Dieser Typus Mensch wird sich seine E-Mails und Faxe auch auf die Intensivstation nachschicken lassen und wird das auch von seinen Mitarbeitern verlangen. Bin gespannt, wie viele bei Daimler dieses Angebot annehmen.
3. Bei uns
eigene_meinung 23.11.2012
ginge das jedenfalls nicht. Nach diversen Entlassungswellen hat niemand (außer ein paar Oberbossen) mehr einen Stellvertreter (auch nicht während einer Abwesenheit), der seine e-mails bearbeiten könnte. Dringendes wird daher [...]
ginge das jedenfalls nicht. Nach diversen Entlassungswellen hat niemand (außer ein paar Oberbossen) mehr einen Stellvertreter (auch nicht während einer Abwesenheit), der seine e-mails bearbeiten könnte. Dringendes wird daher auch im Urlaub erledigt, weniger dringendes aufgeschoben (wobei natürlich - aufgrund der Masse und der Arbeitsbedingungen - vieles auch verloren geht).
4.
Plasmabruzzler 23.11.2012
Na prima. Als ob die/der Angestellte das nach dem Urlaub nicht selber tun könnte. Auch wenn eine Abwesenheitsnachricht geschaltet ist, erwartet der Verfasser der E-Mail irgendwann eine Antwort vom Empfänger. Soll die/der [...]
Zitat von sysopOle Reißmann Daimler sagt der Dauererreichbarkeit den Kampf an: Keine Dienst-E-Mails mehr im Urlaub - diesen Service bietet der Autobauer nun seinen Angestellten. Auf Wunsch wird deren Digitalpost bei Abwesenheit automatisch gelöscht, damit sie besser abschalten können. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/daimler-loescht-e-mails-im-urlaub-a-868960.html
Na prima. Als ob die/der Angestellte das nach dem Urlaub nicht selber tun könnte. Auch wenn eine Abwesenheitsnachricht geschaltet ist, erwartet der Verfasser der E-Mail irgendwann eine Antwort vom Empfänger. Soll die/der Vertreter so lange Mails bei sich selber mit Anfragen bunkern, die er nicht selber beantworten kann, bis die-/derjenige aus dem Urlaub zurück ist? Kann ich mir nicht vorstellen.
5.
spontix 23.11.2012
Haben Sie dafür Belege? Bzw. können Sie meine Aussage: "Wirklich wichtige Post geht in solchen Unternehmen fast immer an persönliche Postfächer" widerlegen? Wichtige Post kommt doch oft von "wichtigen [...]
Zitat von wcfieldsWirklich wichtige Post geht in solchen Unternehmen eher selten an persönliche Postfächer sonder an funktionale Boxen. Die Post für marketing@daimler.com liest ja wohl nicht nur einer.
Haben Sie dafür Belege? Bzw. können Sie meine Aussage: "Wirklich wichtige Post geht in solchen Unternehmen fast immer an persönliche Postfächer" widerlegen? Wichtige Post kommt doch oft von "wichtigen Menschen". Die haben doch den persönlichen Ansprechpartner und kommunizieren doch nicht über info@... Warum ich "wichtige Menschen" in Anführungsstriche schreibe, kann jetzt jeder füpr sich interpretieren.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Thema

Bookmarks

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter RSS
alles zum Thema Internet
RSS
Rubriken

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten