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01.12.2012
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Sperrung abgelehnt

Mohammed-Hetzvideo bleibt online

Eine US-Schauspielerin ist mit ihrem zweiten Versuch gescheitert, das umstrittene Mohammed-Hetzvideo, das Mitte September heftige Proteste in der islamischen Welt auslöste, vom Netz zu klagen. US-Gerichte tun sich schwer damit, eine Handhabe gegen die anti-islamische Propaganda zu finden.

Hamburg - Der zweite Versuch der US-Schauspielerin Cindy Lee Garcia, das umstrittene anti-islamische Hetzvideo "The Innocence of Muslims" bei Youtube sperren zu lassen, ist gescheitert. Das Distriktgericht in Santa Clara, Kalifornien, verweigerte die Zulassung einer Klage sowie eine einstweilige Verfügung gegen das Video. Garcia hatte versucht, mit Hilfe des Urheberrechtes gegen den Film zu klagen. Allein ihre Mitwirkung in dem Film, der im September zu heftigen Protesten in der islamischen Welt geführt hatte, begründe aber noch kein Copyright, befand der Richter.

In einem ersten Anlauf hatte Garcia Mitte September versucht, zumindest die Szenen, in denen sie zu sehen ist, aus dem Streifen herausschneiden zu lassen. Garcia und andere Schauspieler hatten nach Veröffentlichung eines Trailers zum Film bei Youtube ausgesagt, dass sie nicht gewusst hätten, woran sie da mitwirkten: Sie seien unter Vortäuschung falscher Tatsachen engagiert worden. Einige der Schauspieler bekamen wie Garcia seitdem Morddrohungen.

Youtubes Mutterfirma Google verweigert die Sperrung des Videos in den USA aus prinzipiellen Gründen: Die Veröffentlichung sei durch den Ersten Zusatz zur US-Verfassung gedeckt, der eine äußerst weit definierte Meinungsfreiheit garantiert. Das fand auch das Gericht in Los Angeles, das Garcias erste Klage am 20. September abgewiesen hatte.

Nachdem schon die Veröffentlichung eines Trailers zum Film in zahlreichen muslimischen Ländern zu wütenden Protesten geführt hatte und im direkten zeitlichen Kontext eine Terrorattacke auf die US-Botschaft in Benghasi vier Tote forderte, sperrte Google das Video in muslimischen Staaten. In den USA ist es hingegen weiter zu sehen, obwohl sogar das Weiße Haus auf eine Sperrung gedrängt haben soll.

In einem Interview mit dem Branchenblatt "The Hollywood Reporter" hatte Garcia im September betont, dass keiner der Schauspieler über den tatsächlichen Inhalt des Films aufgeklärt worden sei. Der Produzent des Films, Nakoula Bassely Nakoula, ist seit Anfang November wegen Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen in Bezug auf eine frühere Verurteilung in Haft. Er hatte den Darstellern offenbar glaubhaft gemacht, sie spielten in einem Abenteuerfilm mit dem Titel "Desert Warrior" mit. Die Szene, in der die von ihr gespielte Person den Propheten beleidigt, sei im Nachhinein synchronisiert worden, sagte Garcia. Sie selbst habe nie den Namen Mohammed gesagt, sondern, drehbuchgemäß, "Master George". Mehrere der beteiligten Schauspieler haben Klagen gegen Nakoula eingereicht.

pat

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