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App-Bewertungen

Google vermählt Plus und Play

Schluss mit anonymen Kommentaren: Wer eine Android-App auf Google Play bewerten will, muss sein Profil bei Google+ angeben. Das Unternehmen will so die Qualität der Rezensionen verbessern. Nicht alle App-Entwickler sind begeistert.

Google Plus: Das soziale Netzwerk

Mittwoch, 05.12.2012   12:34 Uhr

"Jauchegrube" nennt Informationweek den Kommentarbereich in Googles App-Store. Dort konnten Nutzer von Google Play bisher auch anonym ihre Bewertungen und Erfahrungen mit Android-Apps loswerden. Das zog unweigerlich auch Trolle an, die schon einmal nicht druckreife Schmähtexte einstellten.

Damit ist seit Ende November Schluss, denn wer jetzt im Google Play Store seine Ansicht zu einer Anwendung äußern will, kann das nur in Verbindung mit seinem Profil bei Googles sozialem Netzwerk Google+ tun. Wer nun bei einer App den Button "Erfahrungsbericht schreiben" anklickt, wird auf die neue Vorschrift hingewiesen. Dort heißt es: "Google Play-Erfahrungsberichte werden jetzt über Google+ veröffentlicht. ... Neue Erfahrungsberichte werden öffentlich mit Ihrem Google+ Profil verknüpft." Ältere Kommentare würden unter dem Namen "Google User" erscheinen.

Damit soll den anhaltenden Trollereien im Store Einhalt geboten werden. Android-Entwickler hätten sich immer wieder über den Schaden beschwert, den Online-Hooligans durch Hinterlassung unkonstruktiver und kleinkarierter Kommentare anrichten würden, so Informationweek weiter. Zwar hatte Google bereits im Januar die Klarnamenspflicht für Mitglieder von Google+ ein wenig gelockert und überprüfte Pseudonyme zugelassen, aber Anonymität blieb trotzdem tabu.

"Eine absolute Katastrophe"

Nicht alle App-Entwickler sind mit der neuen Sauberkeitsinitiative glücklich. In einem offenen Brief wandte sich Philipp Berner, Mitgründer von KeepSafe, gegen den Zwang zum echten Namen. Der Macher einer App, die helfen soll, private Fotos vor unbefugten Zugriffen zu schützen, glaubt nicht, dass zukünftig dieselbe Anzahl von Bewertungen und Kommentaren geschrieben wird wie vor dem Ende der Anonymität.

Dazu trage auch der umständliche Anmeldevorgang bei, der selbst dann ablaufe, wenn der Nutzer bereits mit seinem Google-Profil eingeloggt sei. "Es nervt, auf einem Mobilgerät zu tippen, was glauben Sie eigentlich, wenn Sie jeden unserer KeepSafe-Anwender dazu zwingen, ihre Anmeldedaten einzugeben, nur weil sie eine Bewertung schreiben wollen", fragt Berner die Google-Verantwortlichen. Und schließt an: "Eine absolute Katastrophe."

KeepSafe sei in der glücklichen Lage, über 300.000 Fünf-Sterne-Bewertungen zu haben. Aber er nehme an, so Berner weiter, dass Ähnliches zu erreichen für neue Apps künftig sehr schwer werde. Mit der Bindung an Google+ würden die Verantwortlichen Google Play großen Schaden zufügen, denn die Bewertung von Anwendungen sei eine Schlüsselfunktion des gesamten Play-Systems. Mit den neuen Restriktionen werde nur erreicht, dass Google+ noch mehr als bisher schon gehasst werde. So seien alle betrogen, der Kommentarschreiber, der Leser der Bewertung und der App-Entwickler.

meu

Zum Autor

  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

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