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07.12.2012
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Metal-Songs im Streaming

Spotify bejubelt Versöhnung mit Metallica

AFP

Metallica-Drummer Lars Ulrich: Macht seinen Frieden mit digitalen Musikdiensten

Spotify hat es geschafft: Die Metal-Band Metallica lässt ihre Songs jetzt über den Online-Dienst anbieten. Dass das Unternehmen gute Nutzerzahlen und schlechte Bilanzen aufweist, ging vor diesem Hintergrund beinahe unter.

Womöglich bekommen Sie dieser Tage in Ihrem Facebook-Stream oder anderswo vermehrt Links zu Musik von Metallica zu hören. Das ist kein Zufall: Seit dieser Woche ist das Gesamtwerk der Metal-Band beim Musik-Streaming-Service Spotify erhältlich. Im Rahmen einer Pressekonferenz in New York stellten Spotify-Chef Daniel Ek und Aufsichtsratmitglied Sean Parker die Kooperation vor und demonstrierten Einigkeit mit Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich.

Um den Symbolcharakter dieses Zusammentreffens zu verstehen, auf den es Spotify zweifelsohne angelegt hat, muss man wissen, dass Metallica - und vor allem Lars Ulrich - sich lange dagegen gewehrt haben, dass ihre Musik online angeboten wird. Die Fehde begann einst mit Raubkopien von Metallica-Songs, die über Parkers damaliges Start-up Napster verteilt wurden. Zwei Jahre nachdem Metallica deswegen geklagt und damit eine regelrechte Klagewelle gegen den Musikdienst angestoßen hatte, ging Napster in seiner damaligen Form unter.

Ob eine "brüderliche Umarmung" die Heilung der Musikindustrie symbolisieren könne, fragt sich die "New York Times" im Anschluss. Wenn nicht heilen, dann zumindest ein Zeichen setzen, und sei es nur dafür, dass auch die noch zurückhaltenden Teile der Musikindustrie lernen müssen, dass sie sich dem Internet nicht verschließen können. Laut der "Times" stellte Ulrich klar, dass es bei der Aversion seiner Band nie um Geld gegangen sei, sondern "um Kontrolle". Als beispielsweise Apples iTunes-Store 2003 an den Start ging, wollte sich die Band nicht vorschreiben lassen, auch einzelne Songs über die Plattform zu vertreiben, weil sie den "Tod des Albums" befürchteten. 2006 gab sie diese Blockadehaltung auf und ließ ihre Musik über den iTunes Store anbieten.

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Streaming-Dienste: Spotify und die deutsche Konkurrenz
Neben der öffentlichkeitswirksamen Versöhnung mit Metallica stellte Spotify vor, was das Fachmedium "Paidcontent" als "die größte und beste Produkterweiterung seit dem Start" bezeichnet. Spotify fokussiert sich jetzt mehr auf die sozialen Aspekte von Musik, spricht seinen Nutzer künftig Musikempfehlungen aus, beispielsweise basierend auf bisher gehörten Liedern und Künstlern. Außerdem können Spotify-Nutzer jetzt Musiker, die ihnen besonders gefallen, als Favoriten markieren. In den kommenden Wochen sollen die Änderungen in allen Ländern eingeführt werden.

Gute Nutzerzahlen, schlechte Bilanzen

Ansonsten rühmte sich Spotify bei dem Event vor allem mit Zahlen: Mehr als fünf Millionen Premium-Kunden gibt es nach Angaben des schwedischen Unternehmens inzwischen, eine Million davon schlossen in den vergangenen Monaten ihren Bezahlvertrag mit dem Streaming-Dienst ab.

Doch die Diskrepanz zwischen zahlenden Nutzern und denen, die das kostenlose Modell in Anspruch nehmen, sollte dem Unternehmen Sorgen machen: 20 Millionen Menschen sind weltweit bei Spotify angemeldet, die Zahl der Kostenlos-Nutzer steigt deutlich schneller als die der zahlenden Kundschaft.

Auch sind Nutzerzahlen nur die eine Seite der Medaille. Die finanzielle Bilanz des populären Dienstes sieht bekanntlich ganz anders aus: 2011 machte Spotify 188 Millionen Euro und musste trotzdem 40 Millionen Euro Verlust verbuchen. Und das, obwohl die Tantiemen, die den Umsatz auffressen, dem Vernehmen nach so gering sind, dass die meisten Künstler von Spotify nur einen Bruchteil dessen erhalten, was ihnen beim Verkauf einer CD zugute kommen würde.

Ohne Finanzspritzen könnte Spotify deshalb nicht überleben. Erst im vergangenen Monat wurde eine neue Finanzierungsrunde von erneut 100 Millionen Dollar bekannt. Investoren sind vor allem Goldman Sachs und der Konzern Coca-Cola.

can

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insgesamt 9 Beiträge
1.
twan 07.12.2012
Das erinnert mich eine Southpark Folge vor kurzem auf CC. Die Jungs haben was runtergeladen, kamen direkt das Fbi(cia ich weiß net mehr genau) und nahmen die Jungs fest. Da hat der Contentmafiamann dann die armen hungernden [...]
Das erinnert mich eine Southpark Folge vor kurzem auf CC. Die Jungs haben was runtergeladen, kamen direkt das Fbi(cia ich weiß net mehr genau) und nahmen die Jungs fest. Da hat der Contentmafiamann dann die armen hungernden Künstler gezeigt: Seht ihr Lars? Er wollte sich eigentlich einen goldenen Swimmingpool bestellen, kann ihn sich aber nicht leisten. Weil Menschen seine Musik kopieren..... Uswusf. Die Folge ist echt empfehlenswert, besonders, wenn man bedenkt, dass die SP Macher ja jede Folge kostenlos ins Netz stellen und wohl trotzdem gut leben können.
2.
Celegorm 07.12.2012
Was genau ist daran bemerkenswert? Das Abspielen eines Songs bei einem Streamingdienst ist logischerweise nicht äquivalent mit dem Kauf einer CD, weshalb es auch ökomischer Irrsinn wäre, diese Vorgänge gleich zu entlohnen. [...]
Zitat von sysopUnd das, obwohl die Tantiemen, die den Umsatz auffressen, dem Vernehmen nach so gering sind, dass die meisten Künstler von Spotify nur einen Bruchteil dessen erhalten, was ihnen beim Verkauf einer CD zugute kommen würde.
Was genau ist daran bemerkenswert? Das Abspielen eines Songs bei einem Streamingdienst ist logischerweise nicht äquivalent mit dem Kauf einer CD, weshalb es auch ökomischer Irrsinn wäre, diese Vorgänge gleich zu entlohnen. Ein Abruf beim Streamdienst ist von den herkömmlichen Distributionskanälen wohl am ehesten mit dem Abspielen bei einer Radiostation vergleichbar, bloss dass sich der Empfänger auf eine spezifische Person beschränkt. Es ist darum naheliegend, dass ein einzelner solcher Vorgang nur mit äusserst geringen Summen bezahlt wird..
3. Was ist denn....
martin.ehrich 07.12.2012
....das bitte für ein abenteuerliches deutsch? "2011 machte Spotify 188 Millionen Euro und musste trotzdem 40 Millionen Euro Verlust verbuchen."
....das bitte für ein abenteuerliches deutsch? "2011 machte Spotify 188 Millionen Euro und musste trotzdem 40 Millionen Euro Verlust verbuchen."
4. Stream
bewchacca 07.12.2012
Spotify ist eben KEIN reiner Streaming-Dienst. Als "Premium"-Benutzer kann man Lieder auch runterladen.
Zitat von CelegormWas genau ist daran bemerkenswert? Das Abspielen eines Songs bei einem Streamingdienst ist logischerweise nicht äquivalent mit dem Kauf einer CD, ......
Spotify ist eben KEIN reiner Streaming-Dienst. Als "Premium"-Benutzer kann man Lieder auch runterladen.
5. Etwas merh Hintergundrecherche stuende dem Spiegel gut zu Gesicht
lieber-redakteur 07.12.2012
Die Registriertenzahlen steigen nach diversen Quellen nahezu gleich schnell ( prozentual) wie die der zahlenden Abonnenten. Das dabei die absolute(!) Diferrenz groesser wird, duerfte niemanden mit mathematischen Grundkenntnissen [...]
Die Registriertenzahlen steigen nach diversen Quellen nahezu gleich schnell ( prozentual) wie die der zahlenden Abonnenten. Das dabei die absolute(!) Diferrenz groesser wird, duerfte niemanden mit mathematischen Grundkenntnissen ueberraschen. 2. Wenn der Redakteur das anschliessende Interview mit de, CEO gelesen haette, wuesste er, was ebenfalls aus verschiedenen Quellen zu recherchieren gewesen waere; naemlich dass Spotify ohne in weiteres Wachstum zu investieren bereits heute profitabel ist. Es werden 70% an die Labels gezahlt, vom Rest muss Spotify seine Sonstigen Kosten zahlen. Bei einem Umsatz von rund 500 Mio USD in 2012 stehen dauer rund 150 Mio USD zur Verfuegung. Damit duerfte Spotify wohl spaetestens in 2013 - bei weiterem Wachstum - die Gewinnschwelle ueberschreiten. 3. Die Behauptung, dass Spotify zu wenig an Kuenstler zahlt ist insofern schlichter Unsinn, da Spotify gar nicht an Kuenstler, sondern die Labels zahlt ( und zwar die erwaehnten 70% vom Umsatz). Wieviel die Labels davon an die Kuenstler zahlen, haengt von deren Vertraegen ab und steht ausserhalb des Einlussbereichs von Spotify. Vielleicht haette man an dieser Stelle im Artikel auch erwaehnen koennen, dass in Schweden ( dem Ursprungsland von Spotify) heute 87% der Umsaetze der Musikindustrie mit digitaler Musik erzielt werden und Spotify dort mit Abstand der groesste Umsatzbringer der gesamten Musikindustrie ist, im uebrigen weit vor iTunes...

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Zur Autorin

  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

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