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04.01.2013
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Twitter-Pranger

"Ja, du bist Rassist!"

Twitter-Account von @yesyoureracist: "Ich bin kein Rassist, aber ich ertrage keine Inder"

"Ich bin zwar kein Rassist, aber ich hasse schwarze Frauen": Wer Sätze wie diesen twittert, wird gnadenlos retweetet. Mit dem Pranger "Yes, You're Racist" deckt Logan Smith rassistische Kurznachrichten auf. Die sind oft leicht zu erkennen.

Wer erst sagen muss, für welche Art von Mensch er sich nicht hält, könnte doch genau zu dieser gehören. Auf dieser Logik basiert der Twitter-Account "Yes You're Racist" - und liegt damit erstaunlich oft richtig. Seit rund drei Monaten betreibt Logan Smith den Kanal, der übersetzt in etwa den Titel trägt "Doch, du bist rassistisch." Jetzt hat Smith auf der Website des Independent selbst erklärt, was es mit dem Account auf sich hat.

Wer einen englischsprachigen Tweet mit den Worten beginnt "Ich bin zwar kein Rassist, aber…", hat beste Chancen, von dem Account retweetet zu werden. Das heißt, der Tweet wird zunächst an all die Follower von @YesYoureRacist weiterverbreitet - und das allein sind mittlerweile bereits mehr als 14.000 Menschen. Dabei werden aber nur genau solche Statements weiterverbreitet, die den Anfang des Satzes komplett widerlegen. Das passiert nicht selten, rassistische Tweets sind also offenbar ziemlich leicht zu erkennen - an ihrem Einstieg.

"Die Menschen in China sind verdammt unzivilisiert"

Mitten in der Wahlkampf-Phase des amerikanischen Präsidenten Barack Obama im Herbst legte er den Account an, um die Leute "von dem Irrtum zu befreien", in einer Gesellschaft zu leben, in der es keinen Rassismus mehr gibt - "Tweet für Tweet", schreibt der Betreiber. Das Projekt ist ein Pranger, und so ist es auch gedacht. Der Kanal soll rassistische Einstellungen offenlegen, erst recht, wenn der Schreibende sich ausdrücklich davon zu distanzieren versucht.

Und so sieht das dann aus auf dem Twitterprofil von "Yes, You're Racist", Zitat nach Zitat: "Ich bin kein Rassist, aber asiatische Autofahrer sind wirklich die schlechtesten", "Ich bin kein Rassist, aber ich ertrage keine Inder und Pakistani", "Ich bin kein Rassist, aber die Menschen in China sind verdammt unzivilisiert", "Ich bin kein Rassist, aber dunkelhäutige Menschen haben viel mehr Talent zum Lügen als hellhäutige." Oft stellt Smith dem weitergeleiteten Tweet noch einen kleine Bemerkung voran: "Doch, bist du!" Ein weiterer Kommentar ist kaum nötig.

Nur wenige beschweren sich über die Verbreitung

Die Sätze entlarven ihre Schreiber nämlich von allein. Sie sind in der Öffentlichkeit geschrieben worden, für alle einsehbar, weil jemand an der Tastatur offenbar seiner Wut Luft machen wollte, manchmal in sehr unverblümten Worten: "Ich bin kein Rassistin, aber wenn ich könnte, würde ich euch erschießen, ihr Motherfucker."

Sie alle kommen an den Pranger; dass das aber nicht automatisch geschieht, zeigt ein Twitter-Dialog wie dieser: "Ich bin kein Rassist, aber ich frage mich, ob @YesYoureRacist das hier retweeten wird, weil ich den Tweet begonnen habe mit 'Ich bin zwar kein Rassist, aber…'" Die knappe Antwort des Betreibers: "Nein."

Nur wenige Nutzer beschweren sich übrigens öffentlich über den Retweet und die Beschimpfungen, die von anderen Twitterern damit schonmal einhergehen dürften. Einer schrieb einmal: "Ich finde es lächerlich, wenn mich Leute, die mich nicht kennen, als Rassist bezeichnen - nur auf der Basis von Twitter. Kann man das?" Logan Smith gab auch diese Äußerung einfach an die Mitlesenden weiter - und macht sie damit eigentlich zu einer rhetorischen Frage. Eigene Tweets gibt es nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel, um auf einen Medienbericht aufmerksam zu machen oder auf eine Rückfrage zu antworten.

Mittlerweile traut sich der Betreiber sogar, zwischen all diesen hässlichen Sätzen einen Scherz einzustreuen. So twittert er selbst einen Weihnachtsgruß an seine zahlreichen Follower :"I am not a racist - but may all your Christmases be white", eine Zeile aus dem berühmten Lied "White Christmas" - mögen all Eure Weihnachten weiß sein.

juh

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