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15.01.2013
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Beeinflusste Berichterstattung bei "Cnet"

Prominenter Tech-Journalist kündigt aus Protest

Dish-Produkt Hopper: "Sehen Sie sich Sendungen an. Keine Werbespots"

Wie abhängig sind Redaktionen von den Eigentümern ihrer Medienmarken? Der US-Technikdienst "Cnet" darf ein Produkt nicht auszeichnen, das dem Mutterkonzern CBS missfällt. Die US-Fachpresse wittert einen Skandal. Ein prominenter Autor gab nun seine Kündigung bekannt.

"Ich bin nicht verärgert. 'CBS' und 'CNet' waren mir gegenüber großartig. Ich möchte nur als ehrlicher Reporter gelten." Mit diesen Worten erläuterte der Tech-Journalist Greg Sandoval am Montag seine Kündigung, die er zuvor bereits auf Twitter bekanntgegeben hatte. Er habe kein Vertrauen mehr, dass sich "CBS" - der Mutterkonzern von "Cnet" - der redaktionellen Unabhängigkeit verpflichtet sehe, ließ er wissen. Sandoval zählt zu den bekanntesten "Cnet"-Autoren, zuvor schrieb er beispielsweise für die "Washington Post".

Was war passiert? Vergangenen Donnerstag hatte "Cnet" auf der Technikmesse CES in Los Angeles die "Best of CES Awards" verliehen, darunter die begehrteste Auszeichnung "Best of Show". Letztendlich erhielt diesen Preis aber nicht das Produkt, für das sich die Redaktion zunächst entschieden hatte. Wie Chefredakteurin Lindsey Turrentine am Montag bestätigte, hatte der Mutterkonzern CBS aufgrund eines laufenden Rechtsstreits nicht zugelassen, dass "Cnet" den digitalen Videorekorder "Hopper with Sling" der Firma Dish zum besten Produkt kürt. Die Redaktion musste eine andere Neuheit auszeichnen.

CBS lehnt den Hopper wegen einer integrierten Technik ab: Mit einer Funktion namens AutoHop ermöglicht es der Rekorder, Werbespots in Fernsehsendungen zu überspringen. Diese Spots wiederum zählen zur Geschäftsgrundlage von CBS, der Konzern betreibt zahlreiche Fernseh- und Radiokanäle, darunter "CBS News" und "Showtime". US-Medien spekulierten, CBS habe vermeiden wollen, dass positive "Cnet"-Berichte über den Hopper vor Gericht verwendet werden könnten. Dort streitet die Firma Dish mit mehreren Fernsehanstalten über die AutoHop-Funktion. Parallel zur Disqualifikation des neuesten Hopper-Modells hatte "Cnet" angekündigt, künftig keine Produkte mehr zu testen, bei denen der eigene Mutterkonzern an einem Rechtsstreit beteiligt ist.

Greg Sandoval hat sich bislang, von seinen Tweets abgesehen, nicht zu seiner Kündigung geäußert. Seine Nachrichten legen aber nahe, dass ihn die Intransparenz auf Seiten "Cnet" gestört haben könnte. Bis zum Montag war aus einer redaktionellen Notiz nur bekannt gewesen, dass "Cnet" den "Hopper" aus der Reihe der Finalisten gestrichen hat - nicht aber, dass dieser sogar den "Best of Show"-Award gewonnen hätte. Das enthüllte erst der Konkurrenzdienst "The Verge". Die Chefin des Bereichs Produktrezensionen bei "Cnet", Lindsey Turrentine, erklärte in ihrem eigenen Artikel, sie habe erwogen, ihren Job hinzuwerfen. Sie habe sich dann aber entschieden, ihre Redakteure nicht im Stich zu lassen.

mbö

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insgesamt 3 Beiträge
1. Blogger sind unabhängig
windows-xp 15.01.2013
Als Blogger www.mac-harry.de kann ich ohne Angst vor Dell, Apple und Microsoft völlig autark berichten und wenn Herr Sandoval frei sein möchte, so steht ihm dieses Medium genau so zur Verfügung. John Gruber beispielsweiser [...]
Als Blogger www.mac-harry.de kann ich ohne Angst vor Dell, Apple und Microsoft völlig autark berichten und wenn Herr Sandoval frei sein möchte, so steht ihm dieses Medium genau so zur Verfügung. John Gruber beispielsweiser verdient mit seinem Blog Daring Fireball sogar jeden Monat satte 30.000 US$. Geht doch - auch ohne Cnet.
2. Die CBS-Entscheidung ist nachzuvollziehen
iffel1 16.01.2013
Die Juristerei in den USA ist komplex genug, da muß sich keine Firma noch selbst ein Bein stellen.
Die Juristerei in den USA ist komplex genug, da muß sich keine Firma noch selbst ein Bein stellen.
3. unabhänige medien
sichernicht 16.01.2013
gibt es nicht mehr, abgesehen vielleicht von der im ersten kommentar genannten form der weblogs. dazu muss man sich nur einmal ansehen, wie hierzulande über bestimmte top-manager und deren unternehmen geschrieben wird. [...]
gibt es nicht mehr, abgesehen vielleicht von der im ersten kommentar genannten form der weblogs. dazu muss man sich nur einmal ansehen, wie hierzulande über bestimmte top-manager und deren unternehmen geschrieben wird. über die wiederkehrend negative haltung zum thema vitamine spricht ja schon niemand mehr.

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Zum Autor

  • Natalie Stosiek
    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

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