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10.02.2013
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Bildkritik von fokussiert.com

Mit diesen Profi-Tipps machen Sie bessere Fotos

David Witte

Bodensee: Fotografiert bei Sonnenaufgang am Konstanzer Hafen

Starke Farbkontraste, die Kamera auf dem Taxidach, ungewöhnliche Formen in ruhiger Landschaft - mit kleinen Handgriffen werden aus Schnappschüssen gute Fotos. Profis vom Fachblog fokussiert.com erläutern an drei Beispielen, wie man Bilder gestaltet.

Für das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com analysieren Profi-Fotografen regelmäßig herausragende, von Lesern eingereichte Fotos. Die Profis beschreiben die Stärken der Aufnahme und geben Hinweise, wie sich die Bildwirkung verbessern lässt. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht einmal im Monat eine Auswahl dieser Bildkritiken.

Ein Blatt am Bodensee

Kommentar des Fotografen David Witte:

Dieses Bild habe ich während des Sonnenaufgangs am Konstanzer Hafen gemacht. Um die ganze Dynamik dieser spannenden Lichtstimmung einzufangen, habe ich eine Belichtungsreihe aus fünf Bildern von mit Verschlusszeiten von 1/15 bis 1/1250 gemacht und diese dann zu einem HDR-Bild zusammengefügt (Pentax K7, 15 mm, ISO 100, f/4, 1/15, 1/50, 1/125, 1/400, 1/1250 Sekunden).

Profi Thomas Rathay zum Foto:

Die Imperia am Hafen von Konstanz ist mit Sicherheit das Wahrzeichen der Stadt am Bodensee und somit auch schon -zigfach fotografiert worden. David ging mit offenen Augen für Details an diesem Morgen durch die Stadt und ließ sich nicht vom Alltäglichen ablenken, ohne es zu vernachlässigen. Wer die Figur der Imperia kennt, erkennt sie auch in diesem Bild wieder, ohne dass sie sich in den Vordergrund spielen kann. Im Vordergrund liegt nämlich dieses an sich unscheinbare Blatt.

Die HDR-Bearbeitung hat dem Bild sicherlich gut getan. Dass wir diese Bearbeitung nicht als solche bemerken, trägt noch ihr Übriges dazu bei. In dieser Fotografie spielt der Komplementärkontrast zwischen Orange und Blau ein große Rolle. Das warm-farbige Blatt steht im Kontrast zum eher kühlen Wasser und der Steinmauer, wird aber im Sonnenaufgang im Himmel wieder aufgenommen. Dieser Aspekt lässt das Auge wandern und beruhigt es zugleich.

Außerdem bekommen wir durch die Wahl der Farben einen Eindruck der Umgebung. Das trockene, heruntergefallene Blatt gibt uns einen Hinweis auf die Jahreszeit. Spätherbst - die kühlen Farben des Wassers und auch teilweise des Himmels verstärken das Gefühl einen kalten Morgens noch mehr. Die Sonne hinter den Wolken verspricht aber schon etwas aufkommende Wärme. So, wie das Blatt platziert ist, scheint es direkt von den Strahlen erwärmt zu werden. Ich habe mal in meiner Version das Leuchten des Blattes noch etwas verstärkt und die Imperia entzerrt. Dies aber nur als Anregung, ohne das Bild Davids schlecht reden zu wollen.

David Witte

Blatt am Bodensee (überarbeitet): Leuchtendes Rot, entzerrter Hintergrund

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Tokio bei Nacht

Daniel Schölzel

Tokio: Aufnahme mit einer Sekunde Belichtungszeit aus dem fahrenden Taxi

Kommentar des Fotografen Daniel Schölzel:

Das Bild war eine spontane Idee auf einem Streifzug in Tokio 2007. Die nächtlichen Farben und die Dynamik der Metropole haben mich fasziniert und beim Herumexperimentieren mit der Langzeitbelichtung meiner Kompaktkamera ist mir dieser Schnappschuss gelungen. Die Belichtungszeit betrug eine Sekunde. Leider sind einige Bereiche in der linken Bildhälfte überstrahlt, was ich im Nachhinein gern korrigieren würde.

Profi Robert Kneschke zum Bild:

Wie fängt man den Charakter einer Großstadt wie Tokio ein? Die Schnelligkeit, Lebendigkeit, Technikaffinität? Vielleicht wie es Daniel Schölzel in dieser nächtlichen Langzeitaufnahme gemacht hat. Das Bild zeigt gleichzeitig die Vor- und Nachteile einer Kompaktkamera. Einerseits hat man die Kamera schneller griffbereit und kann sie auch vom Gewicht her problemlos aus einem fahrenden Taxi halten. Ich vermute, dass das Foto so entstanden ist. Außerdem ist das Foto von vorne bis hinten knackscharf, vom glänzend-gelben Metalllack des Taxis bis zum futuristisch wirkenden Mylord-Gebäude.

Den Nachteil hat der Fotograf schon gut erkannt, denn die gleißend-hellen Lichter überstrahlen vor allem in der linken Bildmitte. Mit einer Raw-Aufnahme wäre mindestens eine Blendenstufe Toleranz vorhanden gewesen, mit der zumindest die gröbsten Überstrahlungen etwas gemildert hätten werden können. Im Nachhinein ist das leider kaum möglich.

Davon abgesehen ist es aber eine sehr gut gewählte Perspektive, die umso mehr erstaunt, wenn man weiß, dass das Bild - vermutlich einhändig - aus dem fahrenden Auto heraus aufgenommen wurde. Durch das gelbe Taxidach im Vordergrund erhält das Bild einen Farbakzent in der ansonsten eher blau-gräulich schimmernden Stadt und etwas mehr Tiefenwirkung. Die restlichen verwischten Fahrzeuge dahinter sorgen für die Illusion von Tempo und Bewegung und zeigen, wie quirlig die Großstadt Tokio auch in der Nacht noch ist.

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Holz und Alpen

Egon Kronschnabel

Gestell im Bergsee: Das rote Holz lockert die sehr ruhige Landschaft auf

Kommentar des Fotografen Egon Kronschnabel:

Zehn Sekunden an einem See in Bayern. Das Holzgestell wurde durch die etwa 50 Meter entfernte Beleuchtung der Uferpromenade erhellt. Mir schien der Kontrast des Holzgestells von der Form und der Farbe sehr reizvoll.

Profi Sofie Dittmann zum Bild:

Wenn man auch als Fotograf generell angehalten ist, ein Motiv von allen Seiten und verschiedenen Aspekten zu erkunden, genügen manchmal zehn Sekunden, um ein gutes Foto zu schießen. Das mag dann das einzige Foto sein, das man von diesem Motiv gemacht hat, aber es ist immer noch ein gutes Foto. Mir gefällt bei diesem Bild, dass der minimalistische Aufbau trotzdem alles vermittelt. Ruhe, es ist fast vollkommen windstill, die Berge liegen in leichtem Dunst. Mitten im Wasser stört das Holzgestell diese Einfachheit, die sonst fade gewesen wäre.

Das streng-geometrische des Gestells kontrastiert mit den Formen der Berge, wie auch sein helles, blasses Braunrot mit dem Blau im Hintergrund. Oben rechts wird der Himmel von der aufgehenden Sonne leicht erhellt, diagonal nach unten links wird das Bild merklich dunkler. Man hätte vielleicht die Sättigung insgesamt noch etwas anheben können, aber das ist hier Geschmackssache.

Dass der Horizont und das die horizontale Lage des Gestells aus dem Goldenen Schnitt heraus verschoben sind, passt für mich zu diesem Motiv. Denn ein allzu perfekt komponiertes Foto hätte wegen des Minimalistischen der Szene langweilig gewirkt. So wird die Aufnahme etwas aufgelockert. Es genügt, dass das Gestell bezogen auf den linken Rand etwa im Goldenen Schnitt liegt. Meines Erachtens eine insgesamt gelungene Aufnahme.

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insgesamt 9 Beiträge
1.
spon-facebook-10000294691 10.02.2013
Was qualifiziert den den "Profi" als Profi? Ein Kochblog mit fast durchgehend schwachen, meist unscharfen Bildern? Oder Landschaftsbilder, die eine feinfühlige Kontrasterhöhung durchaus vertragen können - vom [...]
Was qualifiziert den den "Profi" als Profi? Ein Kochblog mit fast durchgehend schwachen, meist unscharfen Bildern? Oder Landschaftsbilder, die eine feinfühlige Kontrasterhöhung durchaus vertragen können - vom "Profi" aber komplett versaut werden? Vorher hat der Himmel ausreichend Zeichnung, nach der Bearbeitung durch den "Profi" blitzt ein fast reinweißes Nichts durch die Welt - die Schattenpartien, vorher schon recht sparsam mit Licht versorgt, saufen nach der Behandlung durch den "Profi" vollends ab. Aber wenn man "Profi" bei jeder Antwort drüber schreibt, dann muss das ja Hand und Fuß haben...
2. Profi?
pek 10.02.2013
Klar kann man darüber diskutieren welche Wirkung ein Bild hat. Deswegen braucht man kein "Profi" zu sein, allerdings sollte man "sehen" gelernt haben, wie meine Mutter immer sagte. Das mancher Fotograf [...]
Zitat von spon-facebook-10000294691Was qualifiziert den den "Profi" als Profi? Ein Kochblog mit fast durchgehend schwachen, meist unscharfen Bildern? Oder Landschaftsbilder, die eine feinfühlige Kontrasterhöhung durchaus vertragen können - vom "Profi" aber komplett versaut werden? Vorher hat der Himmel ausreichend Zeichnung, nach der Bearbeitung durch den "Profi" blitzt ein fast reinweißes Nichts durch die Welt - die Schattenpartien, vorher schon recht sparsam mit Licht versorgt, saufen nach der Behandlung durch den "Profi" vollends ab. Aber wenn man "Profi" bei jeder Antwort drüber schreibt, dann muss das ja Hand und Fuß haben...
Klar kann man darüber diskutieren welche Wirkung ein Bild hat. Deswegen braucht man kein "Profi" zu sein, allerdings sollte man "sehen" gelernt haben, wie meine Mutter immer sagte. Das mancher Fotograf auch Maler war (mein Vater) ist sicher auch kein Fehler. In dem meisten Fällen haben wir eine Menge "Bildauffassungen" in unserem Hinterkopf gespeichert und wenn dann im Morgenlicht ein Blatt am Rand des einfrierenden Sees liegt ... Nur - was bedeutet das? Ein hübsches Bild, mehr nicht. Viele Amateure träumen davon einmal "Profi" zu sein. Ein Irrtum, denn Profis sind nicht automatisch besser als Amateure, sie müssen nur unter Druck abliefern was der Kunde wünscht. Und natürlich gibt es auch miese Profis. pek
3.
anneliese_katschmarek 10.02.2013
" Aufnahme mit einer Sekunde Belichtungszeit aus dem fahrenden Taxi" So ein Taxi legt bei 50 km/h ca. 14 Meter zurück. Bei 30 km/h sind es noch 8 Meter, selbst bei 20 km/h (was eher Rollen wäre) noch 5,5 Meter! [...]
" Aufnahme mit einer Sekunde Belichtungszeit aus dem fahrenden Taxi" So ein Taxi legt bei 50 km/h ca. 14 Meter zurück. Bei 30 km/h sind es noch 8 Meter, selbst bei 20 km/h (was eher Rollen wäre) noch 5,5 Meter! Und nun schauen wir alle noch einmal auf das Bild ;-)
4. wie langweilig
roland.vanhelven 11.02.2013
wie immer gehts hier nicht ums fotografieren sondern ums PhotoShoppen...
Zitat von sysopDavid WitteStarke Farbkontraste, die Kamera auf dem Taxidach, ungewöhnliche Formen in ruhiger Landschaft - mit kleinen Handgriffen werden aus Schnappschüssen gute Fotos. Profis vom Fachblog fokussiert.com erläutern an drei Beispielen, wie man Bilder gestaltet. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/profi-tipps-fuer-bessere-fotos-a-882244.html
wie immer gehts hier nicht ums fotografieren sondern ums PhotoShoppen...
5. Bitte nicht!
marisafe 11.02.2013
Wie fürchterlich, dass nicht mehr die Momentaufnahme von Camera und Auge eine Situation vermitteln, sondern ein Bildbearbeitungsprogramm! Für mich ist das dann keine Aussage mehr.
Wie fürchterlich, dass nicht mehr die Momentaufnahme von Camera und Auge eine Situation vermitteln, sondern ein Bildbearbeitungsprogramm! Für mich ist das dann keine Aussage mehr.

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