Lade Daten...
09.02.2013
Schrift:
-
+

Pirate-Bay-Doku

Die drei von der Saugstelle

Von
Finsta

The Pirate Bay ist die größte Internet-Tauschbörse der Welt - die drei Gründer sollen dafür ins Gefängnis. Vom jahrelangen Prozess erzählt nun eine beeindruckende Doku, verbreitet wird sie ausgerechnet über die Website selbst. Denn das Mekka der illegalen Kopien wächst ungehindert weiter.

Drei Männer aus Schweden haben The Pirate Bay gegründet: Gottfrid Svartholm Warg, Fredrik Neij und Peter Sunde. Auf der größten Filesharing-Website der Welt können illegale Kopien von Filmen oder Musikalben getauscht werden, deshalb kommen die drei vor Gericht. 2008 werden sie angeklagt, ein Jahr später verurteilt. Beihilfe zur Verletzung von Urheberrechten, dafür gibt es Gefängnis und Geldstrafe. Trotzdem läuft The Pirate Bay weiter - die Plattform wächst auch heute noch täglich.

Wie kann das sein? Warum können Copyright-Wächter Megaupload und kino.to schließen, riesige Anlaufstellen für illegale Kopien, aber nicht die Seite von Svartholm Warg, Neij und Sunde? Einige Antworten darauf gibt es jetzt in "The Pirate Bay - Away From Keyboard", der Dokumentation des schwedischen Filmemachers Simon Klose. Am Freitag lief "TPB AFK" auf der Berlinale, außerdem wird der 85 Minuten lange Film über eben jene Filesharing-Website kostenlos - und völlig legal - verbreitet.

Finanziert wurde der Film mit öffentlichen Geldern und Online-Spenden. Außerdem unterstützen öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten die Dokumentation, darunter der ZDF-Partnerkanal Arte. Blinkende und rauschende Server in verborgenen Kellern gibt es zu sehen, vor allem wird die Pirate-Bay-Geschichte aber über den Gerichtsprozess erzählt.

Arroganter Hacker mit Fusselbart

Als das Verfahren beginnt, läuft die Seite schon seit sechs Jahren und wird von Millionen Menschen täglich genutzt. Auf der Plattform werden sogenannte Torrents getauscht, Wegweiser, mit deren Hilfe die Nutzer sich dann von anderen Nutzern Dateien saugen können. The Pirate Bay ist ein Torrent-Verzeichnis, außerdem lange Zeit ein sogenannter Tracker. Der merkt sich, welche Teile einer Datei gerade bei welchem Nutzer verfügbar sind, kennt aber nicht deren Inhalt. The Pirate Bay soll für die Hälfte des weltweiten BitTorrent-Verkehrs verantwortlich sein.

Als Rechteinhaber Fredrik Neij auffordern, Torrent-Dateien mit illegalen Inhalten zu entfernen, reagiert er nicht. Vor Gericht bezeichnet er die E-Mails als "Spam", als unerwünschte Post, die er an Sunde und Svartholm Warg weiterleitet. Die machen sich über die Rechteinhaber lustig, veröffentlichen einige der Schreiben. Svartholm Warg sagt, er habe die ersten hundert E-Mails noch freundlich beantwortet, dann die Geduld verloren. "Go fuck yourself", schreibt er zurück. Verantwortlich für das, was mit Hilfe von The Pirate Bay getauscht wird, seien schließlich nur die Nutzer selbst. Die Gerichte werden das allerdings anders sehen.

"TPB AFK" konzentriert sich auf die drei ungleichen Freunde, die sich im Chat kennen gelernt haben. Svartholm Warg und Neij kümmern sich um die Technik, mehrere Schränke voller Server. Sunde tritt vor allem als Sprecher der Piratenunternehmung auf. "Away from keyboard" hält sie offenbar nur der Prozess zusammen. Simon Klose zeigt den Pirate-Bay-Prozess aus der Perspektive der Angeklagten, ohne sich auf ihre Seite zu schlagen. Die kühlen, oft nachts aufgenommenen Bilder und die sparsam eingesetzten Klänge lassen die Filesharing-Verfechter vor allem sehr einsam erscheinen - ganz Hackerfilm-Klischee.

Technische Hilfe für WikiLeaks

Der schmale, einen fusseligen Bart tragende Svartholm Warg wird als leicht aufbrausender und arroganter Hacker gezeigt. Eine Freundin erzählt von Drogenproblemen. Neij, technikversessener Bastler mit Frau und Kind in Laos, wirft ihm vor, belastende E-Mails nicht verschlüsselt zu haben. Sunde hingegen trägt modische Kleidung, geht auf Antifa-Demonstrationen und versteht sich aufs Reden. Von Neij wird er deswegen verspottet als Träumer, der sein Leben nicht in den Griff bekommt. Sunde wiederum sagt, Neij sei Rassist und Alkoholiker. Im Film hat Neij meist ein Bier in der Hand, und er verteidigt, dass Anfangs ein Unternehmer The Pirate Bay gesponsert hat, der auch Rechtsextremisten unterstützt hat.

Später kommt über Werbung und den Verkauf von T-Shirts Geld rein - wie viel das ist, ob nun Hunderttausende oder Millionen Euro, und wer das bekommt, bleibt allerdings unklar. Für die Unterstützer, die vor dem Gericht demonstrieren, ist es aber ohnhin eine politische Auseinandersetzung. Auf der einen Seite das freie Internet, auf der anderen Copyright-Hardliner. Dabei dürfte helfen, dass es den drei Angeklagten im Gegensatz zu den Betreibern von kino.to und Megaupload scheinbar nicht um Geld geht.

Als die Enthüllungsplattform WikiLeaks auf der Suche nach sicheren Servern ist, springt The Pirate Bay ein. Svartholm Warg hilft Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg auch bei der Arbeit am "Collateral Murder"-Video. An das Internet angeschlossen sind The Pirate Bay und WikiLeaks zu der Zeit über dieselbe Leitung wie die schwedische Piratenpartei, die zwei Sitze im Europäischen Parlament hat. Das soll ihnen Sicherheit geben, ein Kappen der Leitung würden sie als politische Zensur öffentlich machen.

Symbolischer Sieg für Hollywood

Im Berufungsverfahren 2010 wird die Gefängnisstrafe zwar etwas reduziert, sie sollen nun zwischen vier und zehn Monaten ins Gefängnis, die Geldstrafe aber wird auf insgesamt 5,3 Millionen Euro erhöht. Die öffentliche Unterstützung schwindet, vor dem Gericht warten nun keine Fans und Reporter mehr. Eine bunte Unterstützertruppe, die Piratbyrån, hat sich aufgelöst. Die nächste Berufung scheitert Anfang 2012.

Sunde wartet in Schweden darauf, seine Haftstrafe anzutreten. Svartholm Warg wird in Kambodscha verhaftet und nach Schweden abgeschoben, ihm werden wohl außerdem Hackerangriffe angelastet. Neij harrt in Laos aus und will sich so der Strafe entziehen. Vom Geld, wenn denn welches übrig ist, fehlt offenbar jede Spur. Inwiefern den Rechteinhabern dieser symbolische Sieg hilft, bleibt offen. The Pirate Bay läuft weiter. Die Rechteinhaber gehen nun verstärkt gegen die Downloader vor.

In einer Szene, offenbar am Rande des Prozesses, zeigt Neij seinem Anwalt einen Chatraum. Dort unterhalten sich gerade mehrere Teilnehmer aus den USA, Großbritannien und Finnland, er bezeichnet es als das "Büro" der Pirate Bay. Im Hintergrund sorgen offenbar weit mehr als nur die drei Verurteilten für den Betrieb der Seite. Die ist mittlerweile angeblich in der Cloud verschwunden, verschlüsselt und verteilt auf viele Netzwerke in der Welt, dem Zugriff der Polizei entzogen.

Der Autor auf Facebook

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 138 Beiträge
1.
Mans Heiser 09.02.2013
Spiegel-Style, wie?
Zitat von sysopFinstaThe Pirate Bay ist die größte Internet-Tauschbörse der Welt - die drei Gründer sollen dafür ins Gefängnis. Vom jahrelangen Prozess erzählt nun eine beeindruckende Doku, verbreitet wird sie ausgerechnet über die Website selbst. Denn das Mekka der illegalen Kopien wächst ungehindert weiter. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/film-tpb-afk-the-pirate-bay-away-from-keyboard-dokumentation-a-882386.html
Spiegel-Style, wie?
2.
mr.ious 09.02.2013
Did you mean spoon-style ? How long and however +++ breaking news+++ +++ breaking news +++ Julian Assange has kidnaped Costa Rica
Zitat von Mans HeiserSpiegel-Style, wie?
Did you mean spoon-style ? How long and however +++ breaking news+++ +++ breaking news +++ Julian Assange has kidnaped Costa Rica
3. Selber Schuld
radfahrer78 09.02.2013
Übrigens das Verbot von kino.to hat überhaupt nichts gebracht. Kinox.to ist seit dem am Start. Die großen Holywoodstudios, den Musik- und Spieleverlage sind doch selber schuld. Durch deren Raffgier und Profitsucht, saugen [...]
Übrigens das Verbot von kino.to hat überhaupt nichts gebracht. Kinox.to ist seit dem am Start. Die großen Holywoodstudios, den Musik- und Spieleverlage sind doch selber schuld. Durch deren Raffgier und Profitsucht, saugen sich die Leute das Zeug lieber aus dem Netz. Wenn ein Musik-Single 1€, ein Musik-Album oder DVD 5€ im Laden kosten würde, dann würden viel weniger Menschen die Möglichkeiten des Internets nutzen. Aber, wenn ein neues Computerspiel für ne XBOX oder Playstation 69,95€ kostet und eine neues Musikalbum 24,95€, dann sind die Produzenten selber schuld.
4.
teutoniar 09.02.2013
Nein, dann würden immer noch Leute die illegalen Angebote nutzen und sich das weiterhin dahingehend schönreden, dass die Rechteinhaber ja ach so raffgierig sei. Dabei sind sie es selbst. Übrigens: 1 Musiktitel kostet im [...]
Zitat von radfahrer78Übrigens das Verbot von kino.to hat überhaupt nichts gebracht. Kinox.to ist seit dem am Start. Die großen Holywoodstudios, den Musik- und Spieleverlage sind doch selber schuld. Durch deren Raffgier und Profitsucht, saugen sich die Leute das Zeug lieber aus dem Netz. Wenn ein Musik-Single 1€, ein Musik-Album oder DVD 5€ im Laden kosten würde, dann würden viel weniger Menschen die Möglichkeiten des Internets nutzen. Aber, wenn ein neues Computerspiel für ne XBOX oder Playstation 69,95€ kostet und eine neues Musikalbum 24,95€, dann sind die Produzenten selber schuld.
Nein, dann würden immer noch Leute die illegalen Angebote nutzen und sich das weiterhin dahingehend schönreden, dass die Rechteinhaber ja ach so raffgierig sei. Dabei sind sie es selbst. Übrigens: 1 Musiktitel kostet im Download bereits 1 Euro. Ein neues Musikalbum 24,95 Euro? In welcher Welt leben Sie bitte? Schon lange nichts mehr legal gekauft, was?
5. Schwarzkopien
Andreas-Schindler 09.02.2013
Das mit den Kopieren fing mit der Erfindung der Schrift an, gleichzeitig das Schwarzkopierren. Der Ausspruch das Deutschland "Das Land der Dichter und Denker sei" stammt aus der Zeit VOR der Durchsetzung des [...]
Das mit den Kopieren fing mit der Erfindung der Schrift an, gleichzeitig das Schwarzkopierren. Der Ausspruch das Deutschland "Das Land der Dichter und Denker sei" stammt aus der Zeit VOR der Durchsetzung des Urheberrechtes. Wenn Deutschland wieder zum Land der Dichter und Denker werden soll muß das Urheberrecht zurecht gestutzt werden. Aber das wollen unsere Politiker nicht, das die Bevölkerung "Denken" kann. Ich selber kaufe Filme, aber ich Sauge auch gerne Episoden von Serien die es hier nicht gibt. Ich gehöre allerdings nicht zu denen die US-Serien mögen. Es gibt Massenweise tolle Filme und Serien die unsere TV-Sender in den Schubladen haben, aber nicht Zeigen und deren Rechte nicht Rausrücken.

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Torrent-Technik: So funktioniert der Dateitausch

Prinzip
Es beginnt mit Torrent-Dateien, wie sie bei Pirate Bay angeboten werden. Diese Dateien beinhalten Links zu sogenannten Trackern, über die die BitTorrent-Software erfährt, welche Nutzer-Rechner (Clients) über die gesuchte Datei ganz oder in Teilen verfügen. Die Torrent-Datei ist also nur ein Verweis auf eine andere Datenquelle, die wiederum auf weitere Adressen verweist, an denen dann Daten zu holen sind.
Netzwerk
Das Netzwerk zum Dateitausch entsteht nur zwischen den am Tausch beteiligten Rechnern, basierend auf den Informationen eines Tracker genannten Servers - der allerdings keine Daten verschiebt, sondern nur Verknüpfungen zwischen Rechnern mit vollständigen oder unvollständigen Kopien des jeweiligen Files herstellt.
Tracker
Der eigentliche Dateiverteilungsvorgang läuft in diesem technischen Modell also nur über die Rechner der zu einem temporären Netzwerk miteinander verbundenen BitTorrent-Nutzer. Aus ihrer Sicht ist Pirate Bay keine Datenbank zum Abruf von Inhalten, sondern eher so etwas wie das Telefonbuch für Dateiquellen. Der Nachweis, dass eine Seite wie Pirate Bay direkt Anbieter urheberrechtlich geschützter Dateien sei, ist damit nicht möglich. Im bisherigen Prozess gelang noch nicht einmal der Nachweis, dass Pirate Bay selbst nicht nur Torrent-Dateianbieter sei, sondern auch Trackerfunktion im Netzwerk habe.

Hacker-Filme

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter RSS
alles zum Thema The Pirate Bay
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten