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24.02.2013
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Cyber-Spionage

Chinesische Hacker greifen EADS und ThyssenKrupp an

Getty Images

Montage des Militärhubschraubers NH90 der EADS-Tochter Eurocopter: Konzern meldete Hacker-Angriff der Regierung

Auch deutsche Konzerne sind im Visier chinesischer Hacker: Nach SPIEGEL-Informationen zielten die Unbekannten auf den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. ThyssenKrupp, Bayer und IBM wurden ebenfalls angegriffen. Künftig sollen Unternehmen solche Vorfälle melden müssen.

Hamburg - Deutsche Konzerne verzeichnen nach Erkenntnissen der Bundesregierung immer mehr Angriffe chinesischer Hacker. Vor einigen Monaten habe es "eine bemerkenswerte" Attacke auf die Rechner des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS gegeben, bestätigten Unternehmenskreise dem SPIEGEL. Offiziell spricht EADS von einem "Standardangriff" und schweigt zu einem möglichen Schaden. Der Vorgang war aber so gravierend, dass EADS ihn der Bundesregierung gemeldet hat.

Auch ThyssenKrupp beklagte Mitte 2012 Angriffe, die "massiv" waren und "eine besondere Qualität" hatten, heißt es in dem Unternehmen. ThyssenKrupp bestätigt den Angriff gegenüber dem SPIEGEL. Demnach sei die Attacke "lokal in den USA" erfolgt. Erkenntnisse, ob und was die Eindringlinge möglicherweise kopiert hätten, lägen dem Konzern nicht vor: Die Adressen der Täter waren chinesisch. Wie ThyssenKrupp soll es auch Bayer und IBM ergangen sein.

Auf Rechner der Bundesregierung registrierte der Verfassungsschutz im vergangenen Jahr fast 1100 digitale Angriffe ausländischer Nachrichtendienste. Die meisten davon richteten sich gegen das Kanzleramt, das Auswärtige Amt und das Wirtschaftsministerium. Meist sind es E-Mails, die einen Dateianhang haben, in dem sich ein Trojaner verbirgt.

Besonders intensive Angriffe beobachteten die Sicherheitsbehörden im Vorfeld des G-20-Gipfels auf die Mitglieder der deutschen Delegation. Das Interesse galt der Finanz- und Energiepolitik. Auch die Grünen wurden schon mal zum Ziel, berichtet der SPIEGEL. Nun ist geplant, beim Bundesnachrichtendienst (BND) eine neue Unterabteilung für den Cyberwar einzurichten. Die Staatshacker sollen fremde Computersysteme infiltrieren und ausschalten können.

Meldepflicht und Handelssanktionen

Bisher werden Hacker-Angriffe von Firmen in den seltensten Fällen öffentlich gemacht. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) plant nun, mit dem neuen IT-Sicherheitsgesetz Unternehmen zur Meldung von Hacker-Angriffen zu verpflichten. Auch die EU-Kommission will für bestimmte Branchen eine Meldepflicht einführen. Etwa 44.000 Unternehmen müssten dann künftig Vorfälle den nationalen Behörden melden. Die Deutsche Telekom unterstützt dieses Vorhaben ausdrücklich. Ähnliches plant die US-Regierung.

Mehrere US-Zeitungen, darunter die "New York Times" und das "Wall Street Journal", hatten ebenfalls von Hacker-Angriffen berichtet. Sie führen die Angriffe auf China zurück. In der vergangenen Woche dann hatte das US-Sicherheitsunternehmen Mandiant in einem ausführlichen Bericht eine Vielzahl von Hacker-Angriffen gegen US-Unternehmen auf China zurückgeführt. Demnach gingen in den vergangenen Jahren Tausende Attacken vom Standort einer geheimen Cyber-Einheit der chinesischen Armee in Shanghai aus.

Die US-Regierung kündigte daraufhin an, auf Hacker-Angriffe mit Handelssanktionen antworten zu wollen. Im Extremfall behält sich das Land außerdem den Einsatz konventioneller Waffen gegen Netzangriffe vor. Die US-Regierung hat angekündigt, den Kampf gegen Cyber-Kriminalität und Industriespionage im Internet zu einem Schwerpunkt zu machen.

Gerade erst haben Microsoft, Facebook, Apple und Twitter mitgeteilt, dass Unbekannte in interne Firmennetze eindringen konnten. Bei Twitter konnten die Unbekannten eine Viertelmillion Datensätze von Kunden kopieren. Die Spur führt in diesen Fällen offenbar nach Osteuropa.

Mehr über EADS und ThyssenKrupp erfahren Sie im neuen SPIEGEL.

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Heft 9/2013
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insgesamt 134 Beiträge
1. Selber schuld
rempfi 24.02.2013
der "chinesische Markt" und die "günstigen" Produktionsbedingungen sind ja so verlockend. Man lässt sich seit Jahren einlullen und bequatschen. Den Managern geht es am Arsch vorbei, genauso wie den [...]
der "chinesische Markt" und die "günstigen" Produktionsbedingungen sind ja so verlockend. Man lässt sich seit Jahren einlullen und bequatschen. Den Managern geht es am Arsch vorbei, genauso wie den Politikern. Sonst würden Sie während der Eurokrise nicht nach den Chinesen als "Retter" rufen. So zeigt sich mal wieder wie hohl (jede andere Bezeichnung ist nicht angebracht) Manager und Politiker sind.
2. Wen wundert's
trazom2011 24.02.2013
Sagt die Zahl der Hackerangriffe etwas über die Bedeutung des Ziels aus?
Zitat von sysopGetty ImagesAuch deutsche Konzerne sind im Visier chinesischer Hacker: Nach SPIEGEL-Informationen zielten die Unbekannten auf den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. ThyssenKrupp, Bayer und IBM wurden ebenfalls angegriffen. Künftig sollen Unternehmen solche Vorfälle melden müssen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/it-sicherheit-chinesische-hacker-greifen-eads-und-thyssenkrupp-an-a-885189.html
Sagt die Zahl der Hackerangriffe etwas über die Bedeutung des Ziels aus?
3.
hasenmann123 24.02.2013
Das schlimme ist dass solche Kriminelle in China nicht verfolgt sondern von ihrer Regierung noch unterstuetzt werden bzw. in deren Auftrag handeln. Man sollte gemeinsam gegen dieses Verbrechersyndikat was sich Regierung nennt [...]
Das schlimme ist dass solche Kriminelle in China nicht verfolgt sondern von ihrer Regierung noch unterstuetzt werden bzw. in deren Auftrag handeln. Man sollte gemeinsam gegen dieses Verbrechersyndikat was sich Regierung nennt vorgehen!
4. Wie blöd muß man eigentlich sein
albertdasschaf 24.02.2013
unter diesen Umständen weiter seine persönlichen Daten Google , facebook, twitter uva. anzuvertrauen. Aber auch Einwohnermeldeämtern sollte man mißtrauen. Aber was haben wir schon für eine Wahl? Die Biometrie wurde uns [...]
unter diesen Umständen weiter seine persönlichen Daten Google , facebook, twitter uva. anzuvertrauen. Aber auch Einwohnermeldeämtern sollte man mißtrauen. Aber was haben wir schon für eine Wahl? Die Biometrie wurde uns einfach per Gesetz verordnet und nun werden die Daten geklaut. China kennt uns sicher bereits und hat uns in ihre Raster genommen. Mal ganz ohne Paranoia!
5. Habe ich es ueberlesen,..
studiumgenerale 24.02.2013
oder wurde im Artikel gar nucht explizit auf das Herkunftsland der "Angreifer" genannt? Wenn ueber 1100 Zwischenfaelle im Jahr erfolgen, aller ueber sogenannte chinesische Hacker? Schon mal wieder amuesant [...]
oder wurde im Artikel gar nucht explizit auf das Herkunftsland der "Angreifer" genannt? Wenn ueber 1100 Zwischenfaelle im Jahr erfolgen, aller ueber sogenannte chinesische Hacker? Schon mal wieder amuesant anzusehen, wie der Westen alles aufspielt, bevor er in den eigenen Spiegel guckt. Stuxnet gegen die Anlagen von Iran und weitere Cyberangeriffe sind nur ein einnige Faelle, die mir jetzt auffallen.

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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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