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28.01.2014
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E-Mails

FBI hat Daten des Anonym-Dienstes Tor Mail

Tor-Homepage: Das FBI hat offenbar viel Daten des Mail-Angebots abgeschöpft

Beträchtlicher Beifang: Bei Ermittlungen wegen Kinderpornografie auf den Servern von Freedom Hosting hat das FBI offenbar umfangreiche Datenbestände beschlagnahmt, die mit dem Fall nichts zu tun hatten. Die Ermittler werten zum Beispiel E-Mails des einst als anonym geltenden Dienstleisters Tor Mail aus.

Bis zur Einstellung Anfang August galt Tor Mail als vergleichsweise sicherer E-Mail-Dienst: Das Webmail-Angebot war nur über das Anonymisierungs-Netzwerk Tor zu erreichen, Nutzer konnten ohne Identifikation Postfächer anlegen. Mittlerweile zeichnet sich allerdings ab, dass auch Tor Mail keinen Schutz vor Strafverfolgung garantiert. Wie "Wired" berichtet, spricht einiges dafür, dass das FBI vergangenen Jahr umfangreiche Datenbestände des Webmailers beschlagnahmt hat, mehr oder weniger beiläufig im Zuge von Ermittlungen gegen den Webhosting-Dienst Freedom Hosting.

Darauf, dass die Tor-Mail-Daten seitdem für weitere Ermittlungen herangezogen werden, deutet ein aktueller Fall mutmaßlichen Kreditkartenbetrugs hin. Laut Anklageschrift ist das FBI im Laufe seiner Ermittlungen gegen einen der Verdächtigen auf eine Tor-Mail-Adresse gestoßen, über die der Mann augenscheinlich den Verkauf gefälschter Kreditkarten abwickelte. Daraufhin besorgten sich die Beamten einen Durchsuchungsbeschluss.

Dieser Beschluss ließ sich anscheinend unkompliziert umsetzen: In der Anklageschrift heißt es, im Zuge eines "in keinem Zusammenhang stehenden Ermittlungsverfahrens" seien die Daten eines Servers beschlagnahmt worden, der Tor-Mail-Daten beherbergte - darunter auch über tausend Bestell-E-Mails, die an den mutmaßlichen Kreditkartenbetrüger adressiert waren.

An besagte Serverdaten sollen die Beamten zwischen dem 22. Juli und dem 2. August 2013 gelangt sein, also wenige Tage bevor der mutmaßliche Gründer von Freedom Hosting verhaftet wurde. Freedom Hosting war unter anderem dafür bekannt, Speicherplatz für Kinderpornografie zur Verfügung zu stellen. Zeitweilig nutzte das FBI die Wartungsseiten von Freedom Hosting, um durch Malware-Attacken Nutzer des Tor-Netzwerks zu identifizieren.

Ähnliche Haltung wie die NSA

Besitzt das FBI umfangreiche Tor-Mail-Datenbestände, ist es wahrscheinlich, dass auf diese auch bei weiteren Ermittlungsverfahren zugegriffen wird. "Die Vorgehensweise legt nahe, dass das FBI sich dem Zeitalter von Big Data mit einer NSA-ähnlichen 'Alles sammeln'-Haltung anpasst", kommentiert "Wired". "Informationen werden in einem virtuellen Schließfach gesammelt und dort gelassen, bis später die spezifische Befugnis da ist, sie anzurühren." Das FBI sei durch seine Kopie der Serverdaten in der Lage, endlos viele Durchsuchungsbefehle in die Tat umzusetzen - bei einem Mailservice, der einst damit prahlte, immun gegen das Ausspähen zu sein.

mbö

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insgesamt 22 Beiträge
1. Tor Projekt != Tor Mail
spon-polizei 28.01.2014
Das Titelbild ist irreführend, da es einen Zusammenhang von Tor Mail und dem Tor Projekt suggeriert, welcher nicht existiert. Tor Mail basiert nicht auf Tor.
Das Titelbild ist irreführend, da es einen Zusammenhang von Tor Mail und dem Tor Projekt suggeriert, welcher nicht existiert. Tor Mail basiert nicht auf Tor.
2.
benutzer8472 28.01.2014
Ja, ist halt doof wenn man irgendwo seine Tormail-Adresse veroeffentlicht, unverschluesselt abspeichert oder aufschreibt. Selbst schuld. Da der Service wie jeder andere .onion-Server auch die IP-Adresse des Besuchers nicht [...]
Ja, ist halt doof wenn man irgendwo seine Tormail-Adresse veroeffentlicht, unverschluesselt abspeichert oder aufschreibt. Selbst schuld. Da der Service wie jeder andere .onion-Server auch die IP-Adresse des Besuchers nicht sieht, können User, die mit etwas Verstand diesen Dienst genutzt haben auch weiterhin ruhig schlafen.
3.
townsville 28.01.2014
Ich glaube, solange die Daten auf Basis eines Gerichtsbeschlusses in einem konkreten Verdachtsfall genutzt werden, ist dagegen kaum etwas einzuwenden. Da geht das Aufklaerungsinteresse vor den Schutz der Daten, das ist im Fall [...]
Ich glaube, solange die Daten auf Basis eines Gerichtsbeschlusses in einem konkreten Verdachtsfall genutzt werden, ist dagegen kaum etwas einzuwenden. Da geht das Aufklaerungsinteresse vor den Schutz der Daten, das ist im Fall einer Hausdurchsuchung o.ä. ja langem genauso. Die Frage ist, ob die Datennutzung NUR zu diesem Zweck und NUR nach gerichtlicher Freigabe erfolgt.
4. Auf den Inhalt kommt es an.
asplenium 28.01.2014
Wer dumm genug war Hinweise auf die eigene Identität in die Mails zu schreiben ... Und wozu gibt es denn die Möglichkeit E-Mails zu verschlüsseln?
Wer dumm genug war Hinweise auf die eigene Identität in die Mails zu schreiben ... Und wozu gibt es denn die Möglichkeit E-Mails zu verschlüsseln?
5. Nein, Tormail ist mit schuld
deemes 28.01.2014
Der Tormail-Dienst hätte so nicht angeboten werden dürfen. Oder wenigstens hätten die Betreiber auf die Sicherheitslücke hinweisen müssen, damit sich Betroffene selber schützen können. "Wir" wissen, was man [...]
Zitat von benutzer8472Ja, ist halt doof wenn man irgendwo seine Tormail-Adresse veroeffentlicht, unverschluesselt abspeichert oder aufschreibt. Selbst schuld. Da der Service wie jeder andere .onion-Server auch die IP-Adresse des Besuchers nicht sieht, können User, die mit etwas Verstand diesen Dienst genutzt haben auch weiterhin ruhig schlafen.
Der Tormail-Dienst hätte so nicht angeboten werden dürfen. Oder wenigstens hätten die Betreiber auf die Sicherheitslücke hinweisen müssen, damit sich Betroffene selber schützen können. "Wir" wissen, was man tun muss (ich nehme an, Sie gehören zu den Wissenden), aber ohne tieferes Verständnis kann Jon Doe nicht nicht ohne Anleitung mit diesen Instrumenten umgehen. Ich wäre dafür, dass die Tor-Benutzung wesentlich steigt, aber dafür muss mehr Wissen unter die Leute gebracht werden, als mit ein paar c't-Artikeln gemacht wird. Zu Tor gehört zwingend Verschlüsselung und zu Verschlüsselung gehört Tor. Und etwas wie Tormail als Hidden Service dazwischen. BTW: Wofür die jetzt Erwischten den Dienst genutzt haben, steht auf einem anderen Blatt.

Zum Autor

  • Natalie Stosiek
    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

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