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Netzwelt

Verschwörungstheoretiker Alex Jones

Er ist immer noch da

Viele Plattformen gehen gegen den Verschwörungstheoretiker Alex Jones vor, Teile seiner Inhalte sind aber bei Apple oder Google weiter existent. Sie wollen nicht als Gegner der Meinungsfreiheit dastehen.

AP

Alex Jones

Von
Donnerstag, 09.08.2018   19:54 Uhr

Das Vorgehen der großen Internetplattformen gegen den Hass, Lügen und Verschwörungstheorien verbreitenden Alex Jones nimmt absurde Züge an. Mittlerweile ist neben YouTube, Facebook, Apple, Spotify und Twitter auch Snapchat mit Jones und dessen Marke "Infowars" beschäftigt.

Was bisher geschah: Nachdem Jones in seinen Shows, die es in Form von TV-Sendungen beziehungsweise Videos, Radiosendungen und Podcasts gibt, wiederholt gegen Muslime und Einwanderer hetzte, sperrte Facebook sein Profil für 30 Tage und löschte, ebenso wie YouTube, zumindest einige "Infowars"-Videos.

Dann entfernte Spotify schrittweise die Podcasts aus seinem Dienst, anschließend folgte Apple mit der Verbannung von "Infowars" aus iTunes und Apples Podcast-App. Innerhalb weniger Stunden danach entfernte Facebook vier Seiten von Jones, löschte Spotify eine komplette "Infowars"-Podcast-Reihe und schloss YouTube das Konto von Jones. Was lange Zeit nur stückchenweise möglich schien, ging plötzlich Schlag auf Schlag.

Einzig Twitter, so schien es, wollte nicht gegen Jones vorgehen. Mitgründer und Chef Jack Dorsey schrieb: "Wir haben Alex Jones oder Infowars gestern nicht gesperrt. Wir wissen, dass das für einige schwer zu verstehen ist, aber der Grund ist simpel: Er hat nicht gegen unsere Regeln verstoßen." Seine Topmanagerin Del Harvey wurde in einem internen Memo deutlicher: Zwar habe Jones auch auf Twitter schon "verwerfliche" Inhalte veröffentlicht, aber die wären erst nach den heute gültigen Richtlinien untersagt, nicht nach den damals geltenden.

"Infowars" ist in den App-Stores von Apple und Google beliebt

Tatsächlich ist Jones noch auf mehreren großen Plattformen vertreten. Weder Google Plus noch Instagram und LinkedIn haben - Stand Donnerstagmittag - seine Konten geschlossen. Zudem wirbt Jones auf Twitter nun auch für eine Snapchat-Linse, die unter "Infowarslive" zu finden ist. Solche Linsen können Nutzer der App sich über ihre Aufnahmen legen lassen. In Jones' Fall besteht sie aus einem Streifen Klebeband, auf dem "zensiert" steht, und wird auf Snapchat-Fotos auf den Mund der Nutzer platziert. Nach Angaben von "TechCrunch" untersucht das Unternehmen Snap jetzt, ob der Account "Infowarslive" und die Linse gegen die Snapchat-Richtlinien verstoßen oder nicht.

Darüber hinaus steht die offizielle "Infowars"-App mittlerweile auf Platz drei der aktuell beliebtesten News-Apps in Apples App Store. Das Unternehmen teilte mit, sie verstoße bisher nicht gegen Apples Richtlinien. Anders als die Podcast-App enthält die allgemeine "Infowars"-App nur Streams der jeweils aktuellen Episode, nicht einen ganzen Katalog, der als Beweismittel dienen könnte. Um Jones in der allgemeinen App eine Verletzung von Apples Richtlinien nachzuweisen, müsste das Unternehmen den Verschwörungstheoretiker sozusagen auf frischer Tat ertappen, und das ist bisher nicht geschehen. Das gleiche gilt für Googles Play Store, wo die App ebenfalls zu finden ist.

Zwischenfazit: Alex Jones mag insgesamt weniger Reichweite haben als noch vor einigen Wochen. Aber er ist weit davon entfernt, unsichtbar zu sein.

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Apple teilte mit, man überprüfe Apps regelmäßig und werde tätig, wenn Verstöße festgestellt würden. Es ist also möglich, dass die "Infowars"-App irgendwann aus dem App Store geworfen wird. Aber so wie auch die anderen Plattformbetreiber will Apple nicht grundsätzlich gegen die Person Alex Jones vorgehen, sondern nur gegen konkrete Inhalte auf Basis der eigenen Richtlinien.

Sanktionen für Verstöße gegen die Richtlinien anderer Plattformen?

Dahinter dürfte erstens die Sorge stecken, für die Einschränkung der Meinungsfreiheit kritisiert oder gar verklagt zu werden - gerade in den USA hat die Meinungsfreiheit einen besonders hohen Stellenwert. Die Kritik gibt es längst. Aber der Verweis darauf, dass ein bestimmter Inhalt gegen einen bestimmten Punkt der Hausordnung einer Plattform verstößt, ist zumindest dann nicht allzu angreifbar, wenn diese Hausordnung konsequent und konsistent durchgesetzt wird.

Zweitens würde die Abkehr von diesem Prinzip bedeuten, dass ein Unternehmen das Verhalten und die Inhalte von Jones auf anderen Plattformen als der eigenen zur Grundlage für Sanktionen machen müsste. Darauf weist der Journalist Jeff Jarvis hin: "Vielleicht finden wir das okay. Aber es wäre noch schwieriger und weitreichender, als nur die Vorgänge auf der eigenen Plattform zu beurteilen."

"TechCrunch" bringt dafür den Vorschlag ins Spiel, ein "industrieübergreifendes Komitee" zu gründen, "das sicherstellt, dass jemand, der (wegen Richtlinienverstößen) von einer Plattform geworfen wird, umgehend von den anderen Plattformbetreibern auf vergleichbare Verstöße überprüft wird".

insgesamt 43 Beiträge
nahatschalah 09.08.2018
1. Bin gegen das Sperren
Nicht weil ich Jones gut finde sondern weil ich mich frage, wo die Grenze ist. Jones ist das Einfallstor, wo eigentlich niemand etwas dagegen haben kann, wenn er gesperrt wird. Nur wenn das geschieht, dann bin ich mir sicher, dass [...]
Nicht weil ich Jones gut finde sondern weil ich mich frage, wo die Grenze ist. Jones ist das Einfallstor, wo eigentlich niemand etwas dagegen haben kann, wenn er gesperrt wird. Nur wenn das geschieht, dann bin ich mir sicher, dass die Grenze immer weiter verschoben wird.
adieu2000 09.08.2018
2. Meinungsfreiheit, aber nicht für alle Spinner
Zensur ist doch das beste Mittel in einer freien Marktwirtschaft, China, Saudi-Arabien und Nord Korea machen es doch gut vor, und die Menschen dort glauben auch sie wären glücklich, oder?
Zensur ist doch das beste Mittel in einer freien Marktwirtschaft, China, Saudi-Arabien und Nord Korea machen es doch gut vor, und die Menschen dort glauben auch sie wären glücklich, oder?
niska 09.08.2018
3.
So lange man bei wiederholten Verstößen konsequent vorgeht und nicht nur das zu beanstandende Material entfernt, sondern den Account stillegt ist das Vorgehen absolut in Ordnung. Es kann niemand verlangen, dass die Plattformen [...]
So lange man bei wiederholten Verstößen konsequent vorgeht und nicht nur das zu beanstandende Material entfernt, sondern den Account stillegt ist das Vorgehen absolut in Ordnung. Es kann niemand verlangen, dass die Plattformen extra Leute einstellen um Problembären ständig zu überwachen. Diese psychische Belastung sowas ständig lesen zu müssen kann man keinem Arbeitnehmer zumuten.
sven2016 09.08.2018
4.
Jeder sich ein oder zwei der im Internet verfügbaren Sendungen der TV- und Radiosendungen anhören. Danach kann man ihn gut einschätzen. Da kommt nichts anderes mehr. Verleumdung, künstliches Entsetzen und Erregung, Lug und [...]
Jeder sich ein oder zwei der im Internet verfügbaren Sendungen der TV- und Radiosendungen anhören. Danach kann man ihn gut einschätzen. Da kommt nichts anderes mehr. Verleumdung, künstliches Entsetzen und Erregung, Lug und Trug schlimmer als bei Fox News, gemischt mit Werbung für eigene Produkte und eine Diktion von Strafgefangenen. Der typische weiße Suprematist mit Survivalist-Dauermodus. Amerikas Hinterland des 18. Jahrhunderts pur.
o.o 09.08.2018
5. jaja
Alex Jones, der Mann, wusste dass USA und Kanada spätestens 2012 einen Superstaat bilden und eine eigene Währung haben (natürlich aus zuverlässigen Quellen) oder das Clinton die Wahl zu 100% gewinnt und Trump nie Präsident [...]
Alex Jones, der Mann, wusste dass USA und Kanada spätestens 2012 einen Superstaat bilden und eine eigene Währung haben (natürlich aus zuverlässigen Quellen) oder das Clinton die Wahl zu 100% gewinnt und Trump nie Präsident werden wird... Hatte schon immer richtig Ahnung der Mann!
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