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Netzwelt

Porno-Betrugsmasche

17-jähriger Bremer soll Erpresser-E-Mails verschickt haben

"Sie wurden beim Pornoschauen gefilmt": Betrügerische E-Mails mit solchen Behauptungen machen häufiger die Runde. Nun ist ein mutmaßlicher Versender enttarnt worden. Das Ende der Masche bedeutet das nicht.

imago/ Wolfgang Zwanzger

Computer-Kamera

Mittwoch, 13.03.2019   12:22 Uhr

Ein Jugendlicher aus Bremen steht im Verdacht, zahlreiche Internetnutzer erpresst zu haben. Er soll E-Mails versandt haben, in denen es um heimliche Filmaufnahmen geht, die die Mail-Empfänger angeblich beim Pornoschauen zeigen - eine populäre Betrugsmasche. Wie die Zentralstelle Cybercrime Bayern und das bayerische Landeskriminalamt am Mittwoch mitteilten, stießen Ermittler auf den 17-Jährigen, obwohl er mit technischen Hilfsmitteln versucht hatte, seine Identität zu verschleiern.

Im Zimmer des jungen Mannes in seinem Elternhaus konnten die Ermittler demnach bereits im November bei einer Razzia Beweismittel sichern. Der Zugriff, der mit Unterstützung des Landeskriminalamtes Bremen stattfand, sei "aus ermittlungstaktischen Gründen" erst jetzt öffentlich gemacht worden.

Der Tatverdächtige fällt den Ermittlern zufolge in eine Reihe unabhängig voneinander agierender Täter und Tätergruppen, die für das vor allem im vergangenen Jahr gehäufte Auftreten solcher Betrugs-E-Mails verantwortlich sein sollen.

In ihren Nachrichten behaupten die Betrüger üblicherweise, dass der Computer der Nutzer mit Schadsoftware infiziert sei, die bereits unbemerkt Videoaufnahmen über die Webcam angefertigt habe. Auf diesem Weg seien angeblich Filmaufnahmen des Nutzers entstanden, die ihn beim Besuch pornografischer Webseiten oder bei sexuellen Handlungen zeigen. Will der Nutzer nicht, dass die angeblich vorhandenen Aufnahmen verbreitet werden, soll Geld in Form der Kryptowährung Bitcoin gezahlt werden.

Niemand scheint bezahlt zu haben

Eine tatsächliche Gefahr für die Empfänger der Mails besteht in solchen Fällen aber wohl nicht, heißt es nun aus Bayern: Nach wie vor sei kein einziger Fall bekannt geworden, bei dem im Vorfeld einer solchen Sex-Erpresser-E-Mail tatsächlich Schadsoftware auf einen Rechner gespielt wurde.

Im Fall des Tatverdächtigen aus Bremen sei auch keine Zahlung nachgewiesen worden, heißt es. Wie ein Sprecher der Zentralstelle Cybercrime sagte, könne dies daran liegen, dass der Verdächtige die Masche nicht als Erster eingesetzt, sondern nur nachgeahmt habe.

Allein in Bayern seien wegen entsprechender E-Mails knapp 3200 Strafanzeigen eingegangen, schreibt das bayerische Landeskriminalamt. Der Bremer Jugendliche soll für 150 Fälle der versuchten Erpressung verantwortlich sein. Zudem soll er zahlreiche Internetserver angemietet haben und durch die Nutzung falscher oder fremder Zahlungsinformationen einen Schaden von etwa 70.000 Euro verursacht haben.

Der Jugendliche habe keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht, heißt es. Er sei nach der Razzia an seine Eltern übergeben worden.

mbö/AFP

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