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Netzwelt

Wandel im Umgang mit sozialen Medien

Digitale Verletzung

Das Internet, ein öffentlicher Ort? Von wegen, schreibt Sascha Lobo in seiner jüngsten Kolumne: Es finde ein digitaler Rückzug ins Private statt. Im Podcast reagiert er auf Kritik der Leser.

Getty Images

Junge Frauen mit Smartphones

Montag, 12.02.2018   11:22 Uhr

Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #25 - Facebook und Co.: Wir tippen im Dunkeln

Zu seiner jüngsten Kolumne "Wir tippen im Dunkeln" erhielt Sascha Lobo wieder zahlreiche Kommentare und Reaktionen. Im Podcast antwortet Lobo seinen Leserinnen und Lesern aus dem Forum von SPIEGEL ONLINE und von anderen Plattformen.

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insgesamt 2 Beiträge
dr._seltsam 13.02.2018
1. Offen gestanden...
...bin ich unsicher, ob es zielführend ist / sein kann, die allgemeine Wahrnehmung von öffentlich und privat all zu sehr in klein-klein aufzudröseln?! Ich gebe Ihnen Recht, Hr. Lobo, dass es sehr unterschiedliche Auffassungen [...]
...bin ich unsicher, ob es zielführend ist / sein kann, die allgemeine Wahrnehmung von öffentlich und privat all zu sehr in klein-klein aufzudröseln?! Ich gebe Ihnen Recht, Hr. Lobo, dass es sehr unterschiedliche Auffassungen dazu gibt, was öffentlich und was privat ist - gerade wenn man die Betrachtung Zugang dazu mit einbezieht. Diese Auffassung wandelt sich -so wie Sprache auch- beständig. Und natürlich haben Menschen, die sich in Social Medias austauschen eine völlig andere davon, als Menschen, die es nicht oder wenig tun. Das macht jedoch keine dieser Auffassungen richtiger als die andere! Ich pers. neige dazu es für mich -und recht eng- etwa so zu definieren: Privat, halböffentlich - dazu zähle ich auch potentiell ausspähbare Inhalte & öffentlich. Halböffentlich kann dabei fließend & sehr schnell -teils absichtlich der eigenen Kontrolle entzogen- zur Öffentlichkeit werden. Zur von ihnen angeführten 'Ende zu Ende Verschlüsselung' ist zu sagen, dass jede Verschlüsselung überwunden werden kann! Das Risiko dafür wächst, je nach verfügbarer Rechenleistung des wie auch immer gearteten Angreifers. Zumal die verschlüsselten Daten vielfach auf den Servern des Anbieter gespeichert werden - und teils sogar nach dem Ende der "offiziellen" Speicherung noch dort verbleiben - damit jederzeit wieder zu finden sind. Nach meiner Kenntnis verhindert eine solche Verschlüsselung zwar das Lesen der gesendeten Texte, die sog. Metadaten bleiben jedoch durchaus auswertbar als Klartext vorhanden. Dass z. B. WA im Eigentum von Facebook steht, verbessert die Situation ebenso wenig. Sie sind damit potentiell ausspähbar (halböffentlich) - ob man dann eventuell was davon erfährt, halte ich allerdings für zumindest fragwürdig! Der Dienstanbieter wird es Ihnen jedenfalls kaum offensichtlich mitteilen. Verändert sich etwas, kann das auch an einem Update liegen, oder an verlorenen Grundeinstellungen. Ihre Einteilung 'Suböffentlichkeit' fasse ich deutlich enger. Vielleicht kennen sie den Ausspruch, dass 3 Menschen ein Geheimnis (etwas Privates) bewahren können, wenn 2 von ihnen tot sind. ;) Leider muss ich an dieser Stelle meinen Beitrag teilen, da die Forensoftware was gegen lange Texte zu einem 1-Studen-Podcast hat. :)
dr._seltsam 13.02.2018
2. Offen gestanden... (Teil2)
...zum Thema 'Ergänzung statt Verdrängung' kann ich nur ein häufig erlebtes Phänomen aus meinen Zeiten im ÖPNV anführen: Da steigt eine Gruppe von Schülern praktisch schweigend in den Bus. Fahrkarten hängen offen sichtbar [...]
...zum Thema 'Ergänzung statt Verdrängung' kann ich nur ein häufig erlebtes Phänomen aus meinen Zeiten im ÖPNV anführen: Da steigt eine Gruppe von Schülern praktisch schweigend in den Bus. Fahrkarten hängen offen sichtbar an den Ranzen - das Smartphone in den Händen, den Blick drauf gerichtet. Die Gruppe setzt sich einander gegenüber in einen kleinen zusammenhängenden Bereich des Fahrzeugs, könnte direkt miteinander sprechen. Tatsächlich aber findet die gesamte Kommunikation ausschließlich über die Smartphones statt - es herrscht ansonsten "klingelnd-summende Stille". Zugegeben, die digitale Welt hat ihre Vorteile - nicht nur für die von ihnen vorgebrachten Minderheiten. Nur im genannten Zusammenhang erlebe ich das eher als Gegenteil. 'Pöbel und Vernetzung': Hier liegt m. E. n. eine Fehldeutung vor. Es gibt in jeder Gesellschaft, egal ob sie digital ist oder nicht, extreme Tendenzen und feindliche auf Angst und Hass basierende Strömungen. Die digitale Welt ist letztlich nur ein Abbild unserer sozialen Realität. Was wir digital in ihr erleben ist lediglich, dass sich diese Strömungen weiter in die -unkontrollierte- Öffentlichkeit wagen können, als sie es ansonsten tun würden. Denn vermeintliche Einigkeit macht ja stark. Die digitale Welt -und auch die demokratische- hat noch keine sinnvollen Instrumente gefunden, mit ihnen umzugehen. Ausgenutzte Angst & Hass einzudämmen, daran wird sich die digitale Welt aus meiner Sicht in Zukunft messen lassen müssen. Und zwar einzudämmen, ohne dabei wesentliche, freiheitliche Rechte einfach abzuschreiben, weil es instrumentalisierte(n) Angst und Hass gibt - schon immer gab. Der Preis der Freiheit ist nun mal beständige Wachsamkeit. Hier kommt dann der Bürger unserer Gesellschaft zum tragen. Freiheit geht immer mit Verantwortung einher. Leider ist es in unserer heutigen Welt augenscheinlich unbeschreiblich schwer, dass Bewusstsein für die eigene Verantwortung zu wecken oder -falls das fehlschlägt- sie nötigenfalls rechtlich einzufordern. Es ist ein fataler Irrtum zu glauben, dass Menschen in der digitalen Welt keine Emotionen haben und nicht von ihnen (an)getrieben sind. Tatsächlich sind diese lediglich schwerer zu erkennen. Denn die Kommunikation in der digitalen Welt ist zumindest rein schriftlich massiv verkürzt. Im Gegensatz zum persönlichen Umgang fehlen meistens auswertbare wesentliche Eindrücke aus Gestik und Mimik in ihr. Bilder und Metaphern sind zwar etwas besser, doch als Ersatz leider auch nur Krücken. Denn der Betrachter assoziiert stets vor dem jeweils eigenen Erfahrungshorizont. Dabei ist völlig offen, ob das dann zutrifft oder eben nicht.

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