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Netzwelt

Onlinemobbing in Frankreich

"Ligue du LOL" - Facebook-Klub für Frauenhass

In einer französischen Facebook-Gruppe haben Männer digitale Attacken vor allem gegen Frauen koordiniert - jetzt sind sie aufgeflogen. Unter den Gruppenmitgliedern befinden sich einflussreiche Journalisten und Kreative.

DPA

Cybermobbing (Symbolbild)

Von
Montag, 11.02.2019   17:41 Uhr

Ein digitaler Boys Club für Häme und Hass, zu dem Journalisten, Werber, Grafikdesigner und Informatiker zählten: In Frankreich ist die Existenz einer Facebook-Gruppe bekannt geworden, deren Mitglieder sich zu digitalen Attacken verabredet haben, vor allem gegen Frauen.

Am Freitag hatte die französische Zeitung "Libération" über die sogenannte Ligue du LOL ("LOL-Liga") berichtet. Mehrere Opfer des Mobbings hatten von ihren Erfahrungen erzählt. Seitdem machen weitere Betroffene ihre Erfahrungen in sozialen Netzwerken öffentlich - und zum ersten Mal seit der Gründung der Gruppe vor fast zehn Jahren sind es nun die Mitglieder der "LOL-Liga", die im Netz attackiert werden.

Der Journalist Vincent Glad, der bis zum Bekanntwerden des Skandals auch für die Zeitung "Libération" gearbeitet hat, hatte die Facebook-Gruppe 2009 eröffnet. "Es war nicht das Ziel der Gruppe, Frauen zu belästigen, sondern einfach Spaß zu haben", schreibt er in einer öffentlichen Stellungnahme auf Twitter. "Aber schnell ist unsere Art, Spaß zu haben, sehr problematisch geworden." Die sozialen Netzwerke seien für die Trolle eine Art "Spielplatz" gewesen. Das Ausmaß und die Folgen des Cybermobbings seien ihm erst jetzt bewusst geworden, rechtfertigt er sich.

"Ich fühlte mich, als würde ich vor einem Scharfschützen davonlaufen, glücklich, den virtuellen Kugeln einer verrückten Armee zu entkommen", beschreibt eine Feministin, wie sie die Troll-Attacken auf Twitter erlebt hat. "Mit jedem Tweet, mit jedem geteilten Foto fürchtete ich, zu Boden gebracht zu werden." Ihr sei bewusst gewesen, dass sie für jede Meinungsäußerung bezahlen müsse.

Drohungen und Porno-GIFs

Feministische Autorinnen, Journalistinnen und YouTuberinnen berichten davon, wie sie sexistische Beleidigungen erhielten, aber auch Fotomontagen oder pornografische GIFs, auf die Bilder ihrer Köpfe montiert worden seien.

Die Journalistin Lucile Bellan beschreibt in einem Bericht für "Slate", wie sie und ihr Partner aufgrund ihrer feministischen Positionen immer wieder angegriffen wurden und welche Folgen die Onlineattacken für die Betroffenen haben. "Diese Menschen sind misstrauisch, sie haben soziale Netzwerke verlassen, haben sich entschieden, nie für bestimmte Medien zu arbeiten", so Bellan.

Auch die Beauty-Bloggerin Capucine Piot hatte sich entschlossen, Twitter zu verlassen, weil sie die Hassnachrichten nicht mehr ertrug. Sie sei irgendwann überzeugt gewesen, sie sei wertlos. "Ich kam an einen Punkt, an dem ich mich selbst hasste, ich hatte dunkle Ideen", so die Beauty-Bloggerin.

Auf Twitter zirkuliert eine "nicht vollständige" Liste, auf der 35 Männer aufgeführt sind, die der "LOL-Liga" angehört haben sollen, sowie ihre Twitter-Nutzernamen und zum Teil auch ihre Arbeitgeber. "Die Gruppe brachte einige der größten Twitter-Talente dieser Zeit zusammen", zitiert die Zeitung "Libération" den französischen Podcaster Henry Michel, der früher selbst zur "LOL-Liga" gehörte.

insgesamt 29 Beiträge
tuvalu2004 11.02.2019
1. Und wer sind jetzt die ...
... "einflussreiche Journalisten und Kreative"? Gerade mal zwei Journalisten wurden genannt, die für die gleiche Zeitung arbeiteten. Im Umgekehrten Fall wird das immer schärfer recherchiert und kommentiert. Hier heißt [...]
... "einflussreiche Journalisten und Kreative"? Gerade mal zwei Journalisten wurden genannt, die für die gleiche Zeitung arbeiteten. Im Umgekehrten Fall wird das immer schärfer recherchiert und kommentiert. Hier heißt es - hey wir wollten Spaß und das ist aus dem Ruder gelaufen. Als sei es ein Kavaliersdelikt Frauen mit eigener Meinung fast zu Tode zu mobben.
Hatch99 11.02.2019
2.
"Aber schnell ist unsere Art, Spaß zu haben, sehr problematisch geworden." "Das Ausmaß und die Folgen des Cybermobbings seien ihm erst jetzt bewusst geworden, rechtfertigt er sich." Aha, vor 10 Jahren hat [...]
"Aber schnell ist unsere Art, Spaß zu haben, sehr problematisch geworden." "Das Ausmaß und die Folgen des Cybermobbings seien ihm erst jetzt bewusst geworden, rechtfertigt er sich." Aha, vor 10 Jahren hat das angefangen und wurde nach Angaben des Gründers zwar schnell problematisch und trotzdem sind ihm die Konsequenzen erst jetzt klar geworden, ganz zufällig zeitgleich mit dem Auffliegen der Gruppe. Das ist so schwach, man glaubt es kaum. Erst als starker Typ an der Tastatur Leute fertig machen, dann diese lächerliche Rechtfertigung und von einer Entschuldigung ist gar nichts zu lesen?
dr_gb 11.02.2019
3. "2009 eröffnet." !
hat also so um gut 7-8 Jahre gedauert, bis dass konzertierte Attacken erkennbar wurden ?! Das scheint mir bei gegebener Dynamik im Net in, und aus, jeder Richtung betrachtet und vorsichtig interpretiert, ohne voreilige [...]
hat also so um gut 7-8 Jahre gedauert, bis dass konzertierte Attacken erkennbar wurden ?! Das scheint mir bei gegebener Dynamik im Net in, und aus, jeder Richtung betrachtet und vorsichtig interpretiert, ohne voreilige Schlussfolgerung, doch sehr bemerkenswert, vor allem weil dieses phekking FB als Platform gewählt wurde ?!
jjpreston 11.02.2019
4.
Die ersten sechs kann man googlen. Laut Le Monde: - Alexandre Hervaud (Liberation) - Vincent Glad (freier MA, Liberation) - David Doucet (Les Inrockuptibles) - Stephen des Aulnois (Tag parfait - ein Onlinemagazin für [...]
Zitat von tuvalu2004... "einflussreiche Journalisten und Kreative"? Gerade mal zwei Journalisten wurden genannt, die für die gleiche Zeitung arbeiteten. Im Umgekehrten Fall wird das immer schärfer recherchiert und kommentiert. Hier heißt es - hey wir wollten Spaß und das ist aus dem Ruder gelaufen. Als sei es ein Kavaliersdelikt Frauen mit eigener Meinung fast zu Tode zu mobben.
Die ersten sechs kann man googlen. Laut Le Monde: - Alexandre Hervaud (Liberation) - Vincent Glad (freier MA, Liberation) - David Doucet (Les Inrockuptibles) - Stephen des Aulnois (Tag parfait - ein Onlinemagazin für "Pornokultur" - und Le Bon Fap - ein Pornovideoportal) - Guilhem Malissen (Nouvelle Écoutes) - Renaud Loubert-Aledo (Publicis Consultants)
mwroer 11.02.2019
5.
Wird eh nicht veröffentlicht wenn man die listet, da sind viele eher linke Kollegen bei und die darf man nicht angreifen, außerdem haben viele der bekannteren in Statements schon erklärt sie wären eher inaktiv gewesen und [...]
Zitat von tuvalu2004... "einflussreiche Journalisten und Kreative"? Gerade mal zwei Journalisten wurden genannt, die für die gleiche Zeitung arbeiteten. Im Umgekehrten Fall wird das immer schärfer recherchiert und kommentiert. Hier heißt es - hey wir wollten Spaß und das ist aus dem Ruder gelaufen. Als sei es ein Kavaliersdelikt Frauen mit eigener Meinung fast zu Tode zu mobben.
Wird eh nicht veröffentlicht wenn man die listet, da sind viele eher linke Kollegen bei und die darf man nicht angreifen, außerdem haben viele der bekannteren in Statements schon erklärt sie wären eher inaktiv gewesen und und und ... Letztlich wird es so laufen wie bei #metoo und Frau Argento ... wenig Berichte, alles vage und letztlich war dann doch irgendwie der Junge schuldig ... weil nicht sein kann was nicht sein darf und die eigene Blase möglichst nicht beschädigt werden soll. Wenn Sie das Thema wirklich interessiert werden Sie selber in den franz. Social Media Seiten suchen gehen müssen

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