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Netzwelt

Debatten im Netz

Schluss mit dieser ohrenbetäubenden Stille

Die schweigende Mehrheit ist in einer liberalen Demokratie keine Mehrheit, schrieb Sascha Lobo diese Woche. Die Özil-Debatte zeige das beispielhaft. Im Podcast antwortet Lobo auf Leserkritik.

DPA

Teilnehmer der Christopher-Street-Day-Parade 2016 in Köln

Sonntag, 29.07.2018   11:05 Uhr

Rassismus und Integration: Wir schweigen Extremisten an die Macht

Deutschland diskutiert den Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft, aber ausgerechnet der Bundestrainer und fast alle Teamkollegen bleiben stumm - und auch das sagt etwas aus. Nur eben nichts Gutes. Denn ab einem bestimmten Punkt einer solchen Debatte könne man zumindest als öffentlich wirksame Figur nicht mehr "unpolitisch schweigen", schrieb Sascha Lobo in seiner jüngsten Kolumne.

Dieser Punkt sei mit sozialen Medien erheblich nach vorn gerückt. Wer ständig auf Twitter, Facebook oder Instagram sein Sendungsbewusstsein auslebe, müsse auch im entscheidenden Moment Haltung zeigen.

In seinem Podcast zur Kolumne geht Lobo auf einige der vielen Leserkommentare ein.

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insgesamt 14 Beiträge
vox veritas 29.07.2018
1. Und so beginnt es
"Die schweigende Mehrheit ist in einer liberalen Demokratie keine Mehrheit, schrieb Sascha Lobo ... " Der Start in die Entmündigung des freien Bürger beginnt mit guten Vorsätzen. Mit den gleichen guten Vorsätzen [...]
"Die schweigende Mehrheit ist in einer liberalen Demokratie keine Mehrheit, schrieb Sascha Lobo ... " Der Start in die Entmündigung des freien Bürger beginnt mit guten Vorsätzen. Mit den gleichen guten Vorsätzen ist übrigens auch der Weg in die Hölle gepflastert. Aber, hej, im Name der guten Sache darf man schon mal intellektuell den Weg in die Gesinnungsdiktatur starten. Mal im Ernst. Am lautesten schreien die ganz Linken und die ganz Rechten. Man will uns doch nicht weismachen, daß diese die Mehrheit darstellen. Die Rechten bestimmt nicht, dann aber auch nicht die Linken.
PublicTender 29.07.2018
2. Mundtot
Meine eigene Erfahrung? Ich war viele Jahre in einem sehr grossen Forum aktiv, ein Sport-Forum in dem auch regelmässig und gerne über off-topic debattiert wurde. Mit dem Aufkommen der Asyldebatte ging es auch vermehrt um [...]
Meine eigene Erfahrung? Ich war viele Jahre in einem sehr grossen Forum aktiv, ein Sport-Forum in dem auch regelmässig und gerne über off-topic debattiert wurde. Mit dem Aufkommen der Asyldebatte ging es auch vermehrt um politische Themen. Dort passierte dann aber etwas, was ich inzwischen fast überall im deutschsprachigen Netz beobachte. Sobald Töne rechts der Mitte aufkamen wurde der Diskurs brutal abgewürgt. Entweder durch die Moderation, oder durch eine linke Gegenseite die die Diskussion eskalieren liess. Dabei konnte man sehr schön erkennen welche der beiden Seiten etwas durfte und welche nicht. Um es kurz zu machen. Ja, auch ich sehe inzwischen das grosse Schweigen. Es ist das Schweigen der konservativen die keine Stimme mehr haben dürfen. Sie machen bei den Wahlen dann, in Verbitterung ob der eigenen Stimmlosigkeit, ihr Kreuz bei den Rattenfängern.
TaramTaram 29.07.2018
3.
Man muß nicht zu allem seinen Senf dazu geben. Genau dieses, daß jeder mittlerweile laut HIER schreien kann und darf - manch einer meint, er MÜSSE das, hat aus dieser Gesellschaft seit den 90ern eine äußerst träge [...]
Man muß nicht zu allem seinen Senf dazu geben. Genau dieses, daß jeder mittlerweile laut HIER schreien kann und darf - manch einer meint, er MÜSSE das, hat aus dieser Gesellschaft seit den 90ern eine äußerst träge Gesellschaft gemacht. Kaum etwas kann mehr entscheiden und durchgeführt werden, es bewegt sich viel zu wenig, weil alles ausdiskutiert werden muß. Debatten sind notwendig, es muß Diskussion stattfinden, aber nicht bis in die entlegendste Ecke mit jedem und jeder, die von der jeweiligen Materie fast bis keine Ahnung hat und das bis zum bittersten Ende. Wir stehen vielerorts auf der Stelle, weil kaum etwas passiert und wir international ins Abseits gedrängt werden. Und weil sich nichts bewegt, werden Randgruppen stark. Transparenz ist gut und schön, aber als die ersten Stimmen danach sehr laut wurden - in den 90ern - war mir schon klar, wenn das Schule macht, geht bald gar nichts mehr. Ergebnisse daraus sind heute schon sehr offensichtlich und Ursachen werden jetzt mit dieser Diskussion an völlig falscher Stelle gesucht und verschlimmern die Problematik nur noch.
jizzyb 29.07.2018
4. Das Schweigen wird teilweise erzwungen.
Seit Jahren setze ich mich in verschiedenen Feldern gegen Diskriminierung ein. Wenn man sich allerdings für die "falsche" Form der Diskriminierung einsetzt, wird man schnell tot geschwiegen. In Kommentar-Foren ist es [...]
Seit Jahren setze ich mich in verschiedenen Feldern gegen Diskriminierung ein. Wenn man sich allerdings für die "falsche" Form der Diskriminierung einsetzt, wird man schnell tot geschwiegen. In Kommentar-Foren ist es so, dass Beiträge abgelehnt (obwohl sie sachlich sind und zum Thema gehören) oder einfach nicht veröffentlicht werden. Eine andere Form des Totschweigens anderer Meinungen ist das selektive Vorhandensein von Kommentaren. Es wird die eigene Meinung veröffentlicht, aber Kommentare - und damit die Veröffentlichung kritischer oder anderer Meinungen ist nicht möglich. Bei Berichten wird nur einseitig recherchiert, die Gegenseite ins lächerliche gezogen. Ja, wir haben eine schweigende Mehrheit, eine Mehrheit, die nicht gehört werden soll! Die Rechnung wird der Wähler bei den Wahlen geben ...
kakadu 29.07.2018
5. @publictender
Eines der Probleme ist es aus subjektiven Erfahrungen eine eigene Wahrheit zu konstruieren. Man ziehe nun auch noch dazu, dass die meisten Menschen in Deutschland eine gute Schulbildung genossen haben und die Fähigkeit haben gut [...]
Eines der Probleme ist es aus subjektiven Erfahrungen eine eigene Wahrheit zu konstruieren. Man ziehe nun auch noch dazu, dass die meisten Menschen in Deutschland eine gute Schulbildung genossen haben und die Fähigkeit haben gut zu schreiben und triviale, kausale Zusammenhänge ablesen können. Dadurch entstehen Interpretationen, die aus dem Zusammenhanggerissen werden, um seine subjektive Wahrnehmung zu manifestieren. Man erhofft sich nun, dass wenigstens die schweigende Mehrheit dem etwas entgegensetzen kann. Gemeint ist die verbale und menschliche Verrohung. Sie hingegen sehen die Sache anscheinend scharfsinniger als andere und nehmen an, dass die Mehrheit nichts sagen dürfe. Das ist, wie ich schätze, eine alternative Wahrheit. Sie verstehen?

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