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Netzwelt

Originelle Werbekampagne

Der "Guardian" stellt Schweine vor Gericht

Die drei kleinen Schweinchen sind arme, unschuldige Opfer, der Wolf selbstverständlich böse? Weit gefehlt - so stellt es jedenfalls die britische Tageszeitung "The Guardian" in einem originellen Werbespot dar. Es geht darin um Journalismus in Zeiten des Social Web.

Foto: The Guardian
Freitag, 02.03.2012   15:49 Uhr

Das Märchen von den drei kleinen Schweinchen ist im deutschsprachigen Raum nicht ganz so verbreitet wie in der angelsächsischen Welt. Deshalb ist das Video, mit dem der britische "Guardian" für eine neue Form von Journalismus werben will, hierzulande ein wenig erklärungsbedürftig. Im Original geht die Geschichte so: Drei Schweinchen Wohnen in drei Häusern, eines aus Stroh, eines aus Holz und eines aus Stein. Der Wolf droht allen dreien an, ihre Häuser umzupusten, beim Stroh- und beim Holzhaus gelingt ihm das auch.

In der ursprünglichen Version überlebt nur das Schweinchen im Steinhaus, die fauleren Tiere, die sich nicht den Mühen des Mauerns unterwerfen wollen, werden gefressen. In den entschärfteren, moderneren Varianten - sogar eine Disney-Verfilmung des Märchens gibt es - können sich die zwei obdachlosen Schweine ins Steinhaus retten. Am Ende ereilt den Wolf, je nach Version, ein mehr oder minder finsteres Schicksal - in der Regel landet er beim Versuch, durch den Kamin zu klettern, im Kochtopf.

In der Fassung, mit der der "Guardian" nun in den Sozialen Medien Aufmerksamkeit erregen will, läuft die Sache etwas anders: Die Schweine sind hier auch Hausbesitzer, und sie beschuldigen den Wolf, ihre Häuser zerstört zu haben - allerdings erst, nachdem er bei lebendigem Leibe gekocht worden ist. Dann kommen, auch dank Diskussionen bei Twitter und anderswo, Zweifel an dieser Version auf. Der Wolf habe Asthma gehabt, belegt ein YouTube-Nutzer mit einem Videoclip des Raubtieres mit einem Inhalator. Er habe die Häuser gar nicht umpusten können. Der "Guardian" selbst beteiligt sich im Film an der Debatte mit einer "Huff and Puff"-Simulation, in der nachgewiesen wird, dass der Wolfsatem die Häuser niemals hätte zerstören können.

Schließlich stellen sich die Schweinchen als Versicherungsbetrüger heraus, doch die Geschichte dreht sich schon wieder weiter.

Der Clip illustriert am humoristischen Beispiel schön, wie Twitter, Blogs, Online-Videos, Votings und andere Kommunikationsmittel des sozialen Web Entwicklungen und Nachrichten beeinflussen. Echtzeitjournalismus im Dialog mit dem Leser ist das Gebot der Stunde, so die Botschaft. Der Clip wird in Großbritannien auch im Fernsehen ausgestrahlt, soll sich wohl aber nicht zuletzt viral verbreiten - auf YouTube.

cis

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