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Netzwelt

Twitter veröffentlicht Propaganda-Archiv

So arbeiten russische Internet-Trolle

Wie funktioniert Propaganda im Netz? Um das zu zeigen, hat Twitter mehr als zehn Millionen Troll-Tweets aus Russland und Iran veröffentlicht - das steckt im Datensatz.

Getty Images

Matroschka-Puppen: Vervielfachung der Stimmen im Netz

Von , und
Donnerstag, 18.10.2018   13:51 Uhr

Sie schreiben gezielt zu kontroversen Themen und blasen spalterische Botschaften ins Netz - dabei verbirgt sich hinter ihnen kein echter Mensch mit einer Meinung: So in etwa kann man das Vorgehen von Propaganda- oder Troll-Accounts in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook beschreiben.

Während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 ließ nach aktuellem Kenntnisstand zum Beispiel Russland solche Internet-Trolle los, um die amerikanische Bevölkerung zu beeinflussen und zu spalten. Die Plattform Twitter hat nun ein riesiges Troll-Archiv online gestellt.

Zehn Millionen Tweets von 5000 Accounts

Der Datensatz enthüllt keine neue Troll-Kampagnen auf dem Netzwerk, sondern illustriert bereits bekannte Aktivitäten. Forscher und andere Datenspezialisten sollen sich so ein besseres Bild davon machen können, wie die Trolle arbeiten, begründet Twitter die Veröffentlichung des Datensatzes.

Die Daten sind eine seltene Chance, konkret zu zeigen, wie eine Masse an gesteuerten Troll-Accounts vorgeht.

Die Digital-Forensiker eines Think-Tanks aus den USA, dem Atlantic Council, hatten vorab Zugriff auf die Daten und haben bereits eine Analyse des Datensatzes veröffentlicht. Ihre Ergebnisse:

So agierten die Propaganda-Accounts in Deutschland

Auch SPIEGEL ONLINE hat sich den Datensatz angesehen, um in Bezug auf Deutschland relevante Details zu finden. Weil im iranischen Teil des Datensatzes lediglich rund 1500 deutsche Tweets zu finden waren, konzentriert sich die Analyse auf die Tweets aus Russland. Knapp 100.000 dieser Tweets wurden von Twitter als deutschsprachig erkannt.

SPIEGEL ONLINE

Erhöhte Aufmerksamkeit vor den Midterms in den USA

Plattformen wie Facebook, Twitter und Google hatten nach dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Vor allem Facebook war hart dafür kritisiert worden, dass auf der Plattform gefälschte Accounts in großem Stil Fehlinformationen verbreiten konnten.

Vor den Midterm-Wahlen in den USA im November intensivieren die Plattformen ihre Bemühungen offenbar nochmal: Facebook gab im Oktober bekannt, 800 US-Accounts mit Polit-Spam gelöscht zu haben. Auch im Sommer schon hatte die Plattform Hunderte Fake-Accounts mit verdächtigen Aktivitäten gelöscht - genauso wie Twitter.

Im Video: Putins Trollfabriken

Foto: SPIEGEL TV
insgesamt 84 Beiträge
biggoldensun 18.10.2018
1. Merkt man irgendwie nichts von
zumindest auf Facebook sieht man immer noch Trolle in großen Mengen, die klar eine Agenda der AFD verfolgen. Die Strukturen des Trollens sind immer ähnlich. Das typische Diskreditieren, meist mit Lügen oder verfälschten [...]
zumindest auf Facebook sieht man immer noch Trolle in großen Mengen, die klar eine Agenda der AFD verfolgen. Die Strukturen des Trollens sind immer ähnlich. Das typische Diskreditieren, meist mit Lügen oder verfälschten Aussagen. (z.B. Grüne=Pädophile, Grüne haben der Abholzung des Hambacher Forst zugestimmt,...). Whataboutism in großen Mengen. Oder das Ablagern von irgendwelchen Horrormeldungen über (angebliche) Ausländerkriminalität. Das Ganze in Kombination von Derailing Methoden oder persönlichen Angriffen. Da muss deutlich mehr passieren in dieser Richtung. Insbesondere, was Fake Accounts angeht.
Emderfriese 18.10.2018
2. Dämonisch
Ich persönlich als Nichtnutzer von Twitter kann mit den Zahlen nicht viel anfangen. Sie erscheinen mir allerdings ziemlich gering, gerade wenn von interessierten staatlichen Kreisen in Moskau oder Teheran gesteuert. Dazu kommt [...]
Ich persönlich als Nichtnutzer von Twitter kann mit den Zahlen nicht viel anfangen. Sie erscheinen mir allerdings ziemlich gering, gerade wenn von interessierten staatlichen Kreisen in Moskau oder Teheran gesteuert. Dazu kommt wohl, dass es sich über einen längeren Zeitraum der Beobachtung handelt. Wie damit eine echte Einflussnahme auf Wähler oder Wahlverhalten erreicht wird, ist mir schleierhaft. Da hat eine einzelne Ausgabe der BLA-Zeitung (zumindest hier) mehr Gewicht. Warum kann nicht einfach eingesehen werden, dass die Menschen hüben wie drüben so wählen, wie sie wählen, weil die Situationen in den jeweiligen Ländern so sind. Und nicht, weil ein russisch-iranischer Dämon in die Köpfe eingreift.
beretti 18.10.2018
3. Tja...
Wenn man seine Meinungsbildung von Hashtags und anderen Internetplattformen abhängig macht ist eine solche Beeinflussung leider möglich. Vielleicht wärs besser, mal wieder die ein oder andere Tages- und Wochenzeitung zu lesen. [...]
Wenn man seine Meinungsbildung von Hashtags und anderen Internetplattformen abhängig macht ist eine solche Beeinflussung leider möglich. Vielleicht wärs besser, mal wieder die ein oder andere Tages- und Wochenzeitung zu lesen. Dann hätten irgendwelche Regime wenig Chancen das Meinungsbild einer Bevölkerung zu beeinflussen
neue_mitte 18.10.2018
4.
Was verspricht sich aber Russland davon? Hier im SPON Forum wimmelt es ja bloß vor Putinisten und Trumpisten (Schnittmenge 100% ?). Aber was erreichen die? Sondern ihren Salmon hier ab, diskutieren aber nicht weiter. Einfach nur [...]
Was verspricht sich aber Russland davon? Hier im SPON Forum wimmelt es ja bloß vor Putinisten und Trumpisten (Schnittmenge 100% ?). Aber was erreichen die? Sondern ihren Salmon hier ab, diskutieren aber nicht weiter. Einfach nur Lügen, fake news oder sonstwie nonsense hier reingeklatscht und wieder ab zum nächsten Portal. "So Unrecht hat Trump / Putin nicht." "Hier hat Trump / Putin recht." "Ich bin kein Trump- / Putin-Fan, ABER..." Wofür denn? Wen soll das erreichen? Alle anderen Foristen, die noch alle Tassen im Schrank haben ignorieren dass oder schreiben dagegen an. Aber was passiert effektiv? Soll das AfD-Jünger bewegen? Oder neue Wähler generieren? Alternativ ist das einfach die Filterblase, die wir hier von außen sehen. Also Murks von Trumpisten für Trumpisten, für niemand anderen gedacht.
Knuffelbeest 18.10.2018
5. Nur ein einziger mit nennenswerter Follower-Zahl ...
... nämlich 5000. Und das ist ein schon lange bekannter Troll-account. Wieviele follower hatten die anderen und wie schnell haben sie diese erlangt? Sieht nach viel heißer Luft um nichts aus, denn ein Troll im Wald den niemand [...]
... nämlich 5000. Und das ist ein schon lange bekannter Troll-account. Wieviele follower hatten die anderen und wie schnell haben sie diese erlangt? Sieht nach viel heißer Luft um nichts aus, denn ein Troll im Wald den niemand hört ... ihr wisst schon. Ach ja: 5000 ausgewählte Troll-accounts, die meisten aus Russland tätig. Wenn ich jetzt sagen wir mal 20000 willkürlich ausgewählte Troll-account nehme, wieviele sind dann Russisch oder Iranisch oder vielleicht Amerikanisch?
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