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Netzwelt

USA

Hacker greifen Atomkraftwerke an

Unbekannte haben sich Zugriff auf die Netzwerke von amerikanischen Atomkraftwerksbetreibern verschafft. Für ihre Angriffe nutzten sie offenbar fingierte E-Mails.

Getty Images

Wolf-Creek-Atomkraftwerk in Kansas

Freitag, 07.07.2017   13:03 Uhr

Die Computernetzwerke von mehreren Firmen, die in den USA und anderen Ländern Atomkraftwerke betreiben, waren in den vergangenen Monaten Ziel hochspezialisierter Cyberattacken. Das meldet die "New York Times". Die Zeitung stützt sich auf einen internen Bericht des amerikanischen Heimatschutzministeriums und der US-Bundespolizei FBI sowie auf Aussagen von Sicherheitsberatern.

Demnach soll unter andern die Wolf Creek Nuclear Operating Corporation zu den Zielen der Angreifer gehört haben. Die Firma unterhält am Wolf-Creek-Stausee nahe der Stadt Burlington das einzige aktive Atomkraftwerk im US-Bundesstaat Kansas. Die Anlage wurde 1985 in Betrieb genommen.

Aussagen von Wolf-Creek-Mitarbeitern zufolge ist es den Hackern nicht gelungen, in das für den Betrieb der Anlage notwendige Netzwerk einzudringen. Dieses sei von dem für die Verwaltung eingerichteten Computernetz getrennt.

Angriff per Jobbewerbung

Ohnehin wird in dem Bericht des Heimatschutzministeriums kein Hinweis darauf gegeben, mit welcher Motivation die Unbekannten in das Netz der Firma eingedrungen sind. Es könne sich also sowohl um Industriespionage als auch um einen Versuch handeln, eine technische Störung hervorzurufen. Sicher sei lediglich, dass die Eindringlinge das Netzwerk kartiert hätten - möglicherweise um künftige Angriffe darauf besser planen zu können.

Um überhaupt in das gesicherte Netzwerk eindringen zu können, bedienten sich die Angreifer klassischer Spear-Phishing-Methoden. Sie versuchten also, ihre Opfer mit speziell auf sie zugeschnittenen E-Mails dazu zu verleiten, mit Schadsoftware infizierte Dateien zu öffnen oder auf Links zu manipulierten Webseiten zu klicken.

Konkret wird beschrieben, dass vor allem leitende Ingenieure Ziel solcher Täuschungsversuche waren. Diesen Spezialisten, die Zugriff auf die Steuerungssysteme der Anlage haben, wurden etwa echt erscheinende Bewerbungen angeblicher Ingenieure samt Lebenslauf im Wordformat zugeschickt.

Ein Klick reichte schon

Sobald jemand eine solche Datei anklickte, wurde eine darin versteckte Schadsoftware aktiv. Mit ihrer Hilfe konnten sich die Angreifer Passwörter und Zugangscodes ihrer Opfer verschaffen, heißt es in der "New York Times".

Parallel wurden Mitarbeiter auch mit der sogenannten Wasserloch-Methode getäuscht: Die Angreifer schleusten Schadsoftware in Webseiten ein, von denen sie wussten, dass diese von den anvisierten Wolf-Creek-Angestellten regelmäßig besucht werden. Die Angreifer müssen ihre Opfer also schon vorher ausführlich ausspioniert haben.

Trotz der recht genauen Schilderung der Vorgehensweise der Angreifer ist es den Ermittlern dem Bericht zufolge nicht gelungen, die verwendete Schadsoftware selbst zu untersuchen. Diese hätte Hinweise auf den Ursprung des Angriffs liefern können. Die Ermittler deuten in ihrem Bericht jedoch an, dass es sich um staatlich gelenkte Akteure handeln könnte.

Schad- und Spähsoftware

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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
insgesamt 16 Beiträge
michelinmännchen 07.07.2017
1. "staatliche Akteure"
Klar "könnten" die das gewesen sein. Es könnte jeder gewesen sein. Nix genaues weiß man nicht - und doch ist es eine Story. Man könnte auch schreiben, "wer für den Angriff verantwortlich ist, ist [...]
Klar "könnten" die das gewesen sein. Es könnte jeder gewesen sein. Nix genaues weiß man nicht - und doch ist es eine Story. Man könnte auch schreiben, "wer für den Angriff verantwortlich ist, ist ungewiss." Das träfe es dann.
spon_2999637 07.07.2017
2. Verstehe ich nicht
--- Zitat --- Trotz der recht genauen Schilderung der Vorgehensweise der Angreifer ist es den Ermittlern dem Bericht zufolge nicht gelungen, die verwendete Schadsoftware selbst zu untersuchen. --- Zitat Ende --- Bei einer [...]
--- Zitat --- Trotz der recht genauen Schilderung der Vorgehensweise der Angreifer ist es den Ermittlern dem Bericht zufolge nicht gelungen, die verwendete Schadsoftware selbst zu untersuchen. --- Zitat Ende --- Bei einer manipulierten Webseite ist der Fall klar - wenn dort die originale Seite läuft und die Malware entfernt wurde, ist da nix zu finden. Aber die Worddokumente müssen ja noch vorliegen - oder haben etwa alle adressierten Mitarbeiter diese Dokumente geöffnet (gesetzt den Fall, die Malware entfernt sich nach Lauf selbst aus dem Dokument). Das ist unwahrscheinlich - wie auch, dass es keine Kopie im Backup des Mailservers oder so von dem Dokument geben sollte, das sich untersuchen ließe....
Andraax 07.07.2017
3. Bewerbungs-Spear-Fishing
Auf solche Bewerbungs-Fishings wäre ich schon fast reingefallen. Wenn man in einem größeren Unternehmen arbeitet, ist eine Bewerbung mit angehängtem Lebenslauf primär sehr glaubwürdig, im Gegensatz zu den Versprechen [...]
Auf solche Bewerbungs-Fishings wäre ich schon fast reingefallen. Wenn man in einem größeren Unternehmen arbeitet, ist eine Bewerbung mit angehängtem Lebenslauf primär sehr glaubwürdig, im Gegensatz zu den Versprechen Gewinner einer Lotterie zu sein oder so ähnlich. Allerdings war das bei mir eher ungerichtet an alle im Haus verschickt worden, und ich bin mir sicher es ging weniger um Industriespionage oder ähnliches, denn mehr Geld abzugreifen in der Art wie die zuletzt häufigen Crypto-Trojaner. Man muss aber feststellen, die Attacken sind in den letzten Jahren immer professoineller geworden, unsere IT tut sich sehr schwer Unbedarften die Verantwortung abzunehmen (also initial abzuwehren).
retikulator 07.07.2017
4. Keine Spur von Angriff auf Atomkraftwerke
Wie so oft: reißerischer Titel, nicht vom Inhalt gedeckt. EON, RWE ... betreiben auch Kernkraftwerke und sind sicher alle schon mal das Ziel von Hackern gewesen. Wo blieb da der entsprechende Artikel? Nicht geschrieben, weil es [...]
Wie so oft: reißerischer Titel, nicht vom Inhalt gedeckt. EON, RWE ... betreiben auch Kernkraftwerke und sind sicher alle schon mal das Ziel von Hackern gewesen. Wo blieb da der entsprechende Artikel? Nicht geschrieben, weil es eben kein Angriff auf Kernkraftwerke war?
melaw 07.07.2017
5. Hätte gelacht
Wenn es gelungen wäre, Stuxnet oder etwas Vergleichbares einzuschleusen. Das hätte man dann an Ironie nicht toppen können.
Wenn es gelungen wäre, Stuxnet oder etwas Vergleichbares einzuschleusen. Das hätte man dann an Ironie nicht toppen können.

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