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Montag, 14.05.2018   14:32 Uhr

Digitale Selbstkontrolle

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von

das eine Video ist zu Ende, und schon startet das nächste: Wer wie ich öfter YouTube auf dem Smartphone nutzt, ahnt, warum es manchem Nutzer schwerfällt, den Absprung zu schaffen. Die standardmäßig aktivierte Autoplay-Funktion schiebt Clip nach Clip auf den Handybildschirm. Im schlimmsten Fall, bis sich der Mobilfunkprovider meldet: Datenvolumen verbraucht, bitte nachkaufen.

Dass viele Nutzer sehr oft und sehr lange Videos auf YouTube anschauen, ist der Mutterfirma Google natürlich recht: Sie verdient viel Geld damit, zu den Videos möglichst passende Werbung anzuzeigen. Seit Kurzem bietet die YouTube-App nun aber eine Funktion, die wirkt, als wolle der Konzern sich nicht länger vorwerfen lassen, er sorge aktiv dafür, dass man auf YouTube sein Zeitgefühl verliert.

Nutzer können sich jetzt nämlich erinnern lassen, mal eine Pause einzulegen. Aktivieren lässt sich das Feature auf Android-Smartphones unter Einstellungen -> Allgemein und bei iPhones und iPads unter Einstellungen. Die "Zeit für eine Pause?"-Erinnerungen, die einen Affen mit einer Kaffeetasse zeigen, poppen dann wahlweise alle 15, 30, 60, 90 oder 180 Minuten auf.

Hinweis von YouTube

Die Funktion ist ein Vorbote der Google-Initiative "Digital Wellbeing", die es Nutzern erleichtern soll, ihr Technik-Nutzungsverhalten besser im Blick zu behalten und zu kontrollieren. So gibt es in der neuen Android-Version P einen "App-Timer", der es Nutzern erlaubt, sich für jede App Zeitlimits zu setzen. Ist das Limit erreicht, wird die jeweilige App grau und startet nicht mehr. Eine ähnliche Funktion namens "Wind Down" soll Nutzern auch vor dem Einschlafen helfen, die Finger von ihrem Smartphone zu lassen.

All diese Ideen klingen sehr sinnvoll: Bisher brauchte man meistens Dritt-Apps, um seine Smartphone-Nutzung und sich selbst besser zu kontrollieren. Der YouTube-Affe überzeugt mich aber noch nicht. Denn wenn ich bewusst ein langes Video schaue, dürften die Einblendungen schnell nerven, während mir eine 60-Minuten-Warnung wenig hilft, wenn ich nach einem Fünf-Minuten-Clip aus Reflex, aber unnötigerweise noch weitere Videos anschaue. Mindestens so hilfreich, wie sich ein Zeitlimit zu setzen, ist daher wohl ein anderer Schritt: das Deaktivieren der Autoplay-Funktion.

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Honor und OnePlus: Smartphone-Doppelstart in London

In der britischen Hauptstadt werden in dieser Woche gleich zwei wichtige neue Smartphones vorgestellt. Den Anfang macht Dienstag die Huawei-Tochter Honor, die unter dem Motto "Beauty in AI" an die Themse eingeladen hat. Sonderlich aufregend ist die Veranstaltung freilich nicht, nachdem das Honor 10 genannte Gerät in China schon seit dem 27. April in den Läden steht und sich offenbar nur wenig von Huaweis P20 unterscheidet.

Spannender hätte die Präsentation des OnePlus 6 werden können, die einen Tag später angesetzt ist. Mehr als tausend Fans der chinesischen Firma haben sich dafür Tickets zu Preisen von bis zu 34 Euro gekauft. Nur hat Amazon-Deutschland wichtige Details und Preis versehentlich schon bekannt gemacht. Bleibt immerhin die Frage, wie sich das neue Modell in der Praxis schlägt.

Seltsame Digitalwelt: Knifflige Lösch-Entscheidungen

Auf meinem Smartphone sind viele Mobilspiele - so viele, dass ich von Zeit zu Zeit ausmiste, um wieder freien Speicherplatz zu haben. Dabei fiel mir letztens auf, dass es nur ein Spiel gab, bei dem ich noch nie übers Löschen nachgedacht habe: "Kniffel". Obwohl die 4,75 Euro teure App absolut unspektakulär ist, habe ich sie vergangenes Jahr viel öfter benutzt als aufwendige Spiele wie "Monument Valley 2".

Screenshot/ Kniffel App

Ihr Geheimnis: Ich spiele zwar nie allein "Kniffel", wenn ich aber mit Familienmitgliedern auf Reisen bin oder im Restaurant lange aufs Essen warte, ist die App die ideale Ablenkung: Bis zu acht Spieler können im Wechsel würfeln, praktisch jeder kennt die Regeln und man kann auch als Gelegenheitsspieler gewinnen. Zudem braucht die App gerade einmal 18,73 MB Speicherplatz und funktioniert auch ohne Internet. Manchmal ist simpel eben genug.

Fotostrecke

Die besten Game-Apps: Lohnenswerte Spiele für iOS und Android

App der Woche: "OneClock"
getestet von Tobias Kirchner

De Millennial

Wer sich von seinem Smartphone wecken lässt, kennt vielleicht folgendes Problem: Ein einziger Alarm reicht selten aus, und das Telefon muss am Morgen gleich zu mehreren Zeitpunkten klingeln. Die App "OneClock" soll verhindern, dass man jede Uhrzeit einzeln eintippen muss.

Mit ihr lassen sich bis zu acht Weckzeiten mit einem Wisch einstellen. Die Intervalle zwischen den Zeiten können vorher genau definiert werden. Falls der Wecker am nächsten Morgen dann doch nicht klingen soll, verschwinden die eingestellten Zeiten ebenfalls mit einer Bewegung.

Gratis von De Millennial, ohne In-App-Käufe: Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Fotostrecke

Spieleplattform von Valve: Was ist eigentlich Steam?

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche, Ihr

Markus Böhm

insgesamt 6 Beiträge
Nonvaio01 14.05.2018
1. kommt fuer mich nicht in frage
ich hoere auf der arbeit immer YT, das sind dann 4std Trance samples.
ich hoere auf der arbeit immer YT, das sind dann 4std Trance samples.
Falsche Küste 14.05.2018
2. SPON-Unwellbeing
Es wäre schön wenn sich der Spiegel (online) ebenfalls an die Regeln des Digital Wellbeing halten würde. Ich habe noch keinen Schalter gefunden, der das ungefragte Nachschieben der Spiegel-Videos unterbinden könnte. Es nervt [...]
Es wäre schön wenn sich der Spiegel (online) ebenfalls an die Regeln des Digital Wellbeing halten würde. Ich habe noch keinen Schalter gefunden, der das ungefragte Nachschieben der Spiegel-Videos unterbinden könnte. Es nervt einfach ungemein, daß man nur über die Pausetaste den Videostream anhalten kann, und das auch nur unzuverlässig; die virtuelle Pausetaste muß mehrmals betätigt werden bevor sie greift. Und daß es ausnahmslos vor jedem Video Werbung gibt (die außerdem viel zu lang ist), ist ebenfalls jenseits der Schmerzgrenze. Aus diesem Grund sehe ich mir die SPON-Videos auch nur im äußersten Notfall an. Youtube macht das besser. Deren Werbung überschreitet nie eine bestimmte (aushaltbare) Maximaldauer und die setzen nicht vor jedes Video ausnahmslos Werbung.
Horch und Guck 14.05.2018
3. Sind wir schon soweit?
Kann der Mensch sich selber keine Regeln mehr erstellen und sich an diese halten, braucht es statt Selbstdisziplin jetzt auch nur noch ne App? So in Youtube versinken das man die Realität nicht mehr mitbekommt und "zu [...]
Kann der Mensch sich selber keine Regeln mehr erstellen und sich an diese halten, braucht es statt Selbstdisziplin jetzt auch nur noch ne App? So in Youtube versinken das man die Realität nicht mehr mitbekommt und "zu lange Videos schaut", traue ich höchstens sehr jungen Kindern zu!
newline 14.05.2018
4. In unserer Zeit
essen einige Menschen Schokolade nur noch, wenn sie diese in Portionen abwiegen können. Was ist mit Bier oder Rotwein? Die gute alte Selbstkontrolle hilft, mit der grauen Masse zwischen den Ohren.
essen einige Menschen Schokolade nur noch, wenn sie diese in Portionen abwiegen können. Was ist mit Bier oder Rotwein? Die gute alte Selbstkontrolle hilft, mit der grauen Masse zwischen den Ohren.
AnnaLena77 14.05.2018
5.
Mit einer Adblocker App für den Browser können sie zudem zuverlässig _jede_ Werbung bei Youtube verhindern. Ist kinderleicht. Davon ab finde ich den Artikel über die digitale Selbstkontolle merkwürdig, den er [...]
Zitat von Falsche KüsteEs wäre schön wenn sich der Spiegel (online) ebenfalls an die Regeln des Digital Wellbeing halten würde. Ich habe noch keinen Schalter gefunden, der das ungefragte Nachschieben der Spiegel-Videos unterbinden könnte. Es nervt einfach ungemein, daß man nur über die Pausetaste den Videostream anhalten kann, und das auch nur unzuverlässig; die virtuelle Pausetaste muß mehrmals betätigt werden bevor sie greift. Und daß es ausnahmslos vor jedem Video Werbung gibt (die außerdem viel zu lang ist), ist ebenfalls jenseits der Schmerzgrenze. Aus diesem Grund sehe ich mir die SPON-Videos auch nur im äußersten Notfall an. Youtube macht das besser. Deren Werbung überschreitet nie eine bestimmte (aushaltbare) Maximaldauer und die setzen nicht vor jedes Video ausnahmslos Werbung.
Mit einer Adblocker App für den Browser können sie zudem zuverlässig _jede_ Werbung bei Youtube verhindern. Ist kinderleicht. Davon ab finde ich den Artikel über die digitale Selbstkontolle merkwürdig, den er übersieht völlig das Youtube, Amazon Prime und Netflix (etc) bei vielen das Fernsehen zu großen Teilen, wenn nicht sogar vollständig ersetzt haben. Und Funktionen wie Autoplay kann man mit ein-zwei Klicks ausschalten. Aber wers braucht soll sich halt mit dieser App kontrollieren (und überwachen) lassen.
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