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Panorama

Bautzen in Sachsen

Brand in künftigem Asylbewerberheim - Schaulustige jubeln

In einem leer stehenden Hotel im sächsischen Bautzen ist in der Nacht ein Feuer ausgebrochen. Dort sollten Flüchtlinge untergebracht werden. Betrunkene Schaulustige jubelten und störten die Feuerwehr beim Löschen.

DPA
Sonntag, 21.02.2016   08:50 Uhr

In der Nacht zu Sonntag ist in Bautzen ein Feuer in einem ehemaligen Hotel ausgebrochen. Das Gebäude sollte künftig als Flüchtlingsunterkunft dienen, wie die Polizeidirektion Görlitz mitteilte. Beim Eintreffen der Feuerwehr habe der Dachstuhl des L-förmigen Hauses vollständig gebrannt. Verletzt wurde niemand, das Gebäude stand leer.

Bautzen liegt etwa 60 Kilometer östlich von Dresden. Die Ursache des Brands im ehemaligen Hotel und Restaurant Husarenhof ist bislang ungeklärt. Das Feuer war gegen 3.30 Uhr ausgebrochen. Die Berufsfeuerwehr Bautzen und Freiwillige Wehren umliegender Kommunen rückten mit 70 Mann, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen und ein Übergreifen auf angrenzende Wohnhäuser zu verhindern. Böiger Wind erschwerte die Löscharbeiten.

Anwohner und auch einige teils betrunkene Schaulustige hätten sich während des Brands in der Nähe des Gebäudes am Käthe-Kollwitz-Platz aufgehalten, teilte die Polizei mit. Sie hätten das Brandgeschehen mit abfälligen Bemerkungen oder unverhohlener Freude kommentiert.

Laut einem Bericht der "Dresdner Morgenpost" waren auch Kinder unter den Schaulustigen. Diese hätten wie die anwesenden Erwachsenen applaudiert und Flüchtlinge als "Kanaken" bezeichnet.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben die Personalien mehrerer Schaulustiger aufgenommen und Platzverweise gegen drei 19 und 20 Jahre alte Bautzener erteilt. Diese hätten die Arbeiten der Feuerwehr massiv behindert. Die Löscharbeiten dauern noch an.

Schon im März sollten die ersten Asylbewerber in die Unterkunft einziehen, berichtet die "Sächsischen Zeitung". Sie war demnach für 300 Personen konzipiert. Nach dem Brand ist das Dach des Gebäudes jedoch nahezu vollständig zerstört. Hinzu kommen vermutlich große Schäden im eigentlichen Wohnbereich durch Löschwasser.

Tillich: "Das sind Verbrecher"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat die fremdenfeindlichen Vorfälle in Clausnitz und Bautzen als "widerlich und abscheulich" bezeichnet. In Clausnitz bei Chemnitz hatte wütende Anwohner am Donnerstagabend stundenlang einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockiert.

Die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich, sagte Tillich am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher." Die Strafverfolgungsbehörden würden konsequent ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Solche Taten besudelten "das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens".

hda

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