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Panorama

45 Grad in Griechenland

Vier Tage Höllenhitze

Es wird immer heißer in Griechenland: Die Hitzewelle aus Afrika lässt mit mehr als 45 Grad Celsius alle leiden - nur Touristen können der gleißenden Sonne noch etwas abgewinnen.

KOLESIDIS/ EPA/ REX/ Shutterstock
Samstag, 01.07.2017   18:57 Uhr

Als ob man bei 200 Grad Umluft den Kopf in einen Backofen steckt - so fühlt sich in Athen der erste Schritt auf die Straße an. Der Asphalt flimmert, das Atmen fällt schwer, die Luft brennt auf der Haut und der Körper weicht instinktiv zurück. Schon am frühen Morgen liegt die Temperatur bei über 30 Grad. Die berühmt-berüchtigte Superhitze aus Afrika, auf griechisch "Kávsonas" genannt, sucht das Land ungefähr alle zehn Jahre heim.

Wie gelähmt schleichen die meisten Touristen über den Syntagma-Platz im Athener Stadtzentrum. Manche schützen sich mit Regenschirmen vor der stechenden Sonne, andere tragen wagenradgroße Sonnenhüte. Am härtesten im Nehmen sind offenbar die Briten. Steve aus Brighton bestellt schnell noch ein Bier, bevor er sich seines T-Shirts entledigt. "Ist doch großartig, wegen des Wetters bin ich doch hier!", erklärt er.

Griechen sind am Syntagma schon längst nicht mehr anzutreffen - bei der Hitze ohne gewichtigen Anlass das Haus zu verlassen, kommt ihnen absurd vor. Wer konnte, hat die Hauptstadt am Wochenende Richtung Meer verlassen. Auch an den Stadtstränden Athens suchen die Menschen bereits in den frühen Morgenstunden nach Abkühlung. Bis mittags muss der Sprung ins Wasser erledigt sein, danach wird es einfach nur noch gefährlich, sich draußen aufzuhalten, nicht zuletzt wegen der hohen Ozon-Werte.

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Höllenhitze in Griechenland: Schwitzen im Sonnenuntergang

Aber auch wenn das Thermometer bereits am Freitag auf über 45 Grad kletterte, nimmt sich der diesjährige "Kávsonas" im Vergleich noch zahm aus: Er soll nur vier Tage andauern. Im Jahr 1987 starben beim selben Wetter-Phänomen in Griechenland geschätzt 4000 Menschen. Zehn Tage währte die Hitzehölle damals, zu einer Zeit, als Klimaanlagen noch als seltener Luxus galten. Stadtwohnungen wurden zur Todesfalle - Kliniken und Leichenhallen waren bald überfüllt, vor allem ältere und kranke Menschen zählten zu den Opfern.

Viel trinken, Alkohol vermeiden

Heute ist man besser vorbereitet. Schon im Voraus veranlasste die Athener Stadtverwaltung, dass klimatisierte Gemeindehallen tagsüber für Schutzsuchende geöffnet sind. Notrufnummern wurden eingerichtet, um Alleinstehenden Hilfe zu bieten. Die Stromgesellschaft versicherte, man sei dem erhöhten Verbrauch der mittlerweile unzähligen Klimaanlagen gewachsen.

Über Radio, Fernsehen und Internet wurden die Menschen zudem über Maßnahmen informiert: viel trinken, leichte Kleidung tragen, körperliche Arbeit sowie Alkohol vermeiden und bei übermäßigem Schwitzen Elektrolyte zu sich zu nehmen.

Appelle ergehen außerdem an die Menschen im ganzen Land, sich um die Tiere zu kümmern. Für Streuner hat die Stadt Athen 35 Wasserstellen eingerichtet, viele Bewohner stellen zudem Wasserschalen für Katzen und Hunde auf. Nicht einmal zwei Minuten dürfe man seinen Hund bei solcher Hitze im Auto lassen, warnen Tierschützer.

Tief dunkelrote Wetterkarte

Und auch wer sein Tier vornehmlich auf dem Balkon hält, sollte es hereinholen, um es vor der Hitze zu schützen. "Mir haben sie morgens schon ein dehydriertes Kätzchen gebracht - das hatten sie in der Wohnung, allerdings ohne Air Condition", sagt die Athener Tierärztin Vaia Lytra. "Wir konnten es retten. Aber wer sein Tier bei diesen Temperaturen auf dem Balkon hält, kommt gar nicht mehr zu mir, denn der findet es früher oder später tot auf."

Die höchste Temperatur landesweit herrschte am Freitag mit 45,3 Grad in Elefsina, rund 30 Kilometer nordwestlich von Athen. Ausgerechnet dort sind Löschflugzeuge stationiert, die im Sommer gegen Waldbrände ankämpfen. Weil die Flieger bei mehr als 38 Grad nicht starten können, wurde die Flotte bis zum Samstagmorgen abgezogen und unter anderem auf die Inseln Samos und Skyros verlegt, um einsatzfähig zu bleiben. Denn die Feuergefahr ist bei der heißen, trockenen Luft stark erhöht.

Selbst auf griechischen Inseln wie Santorin oder Mykonos gibt es vor der Hitze kein Entkommen. Die tief dunkelrote Wetterkarte wird den Griechen und den Touristen noch bis zu diesem Montag erhalten bleiben - erst dann soll es Entspannung geben und die Temperatur schlagartig um zehn Grad auf schlappe 35 Grad sinken.

Bis dahin jedoch werden sich tagsüber weiterhin nur Touristen auf die Straßen trauen. Lediglich auf die Akropolis können sie nicht unbegrenzt kraxeln: Zum Schutz der Angestellten und auch der Touristen selbst bleibt das Wahrzeichen Athens in den allzu heißen Mittagsstunden wegen Hitze geschlossen.

Von Alexia Angelopoulou, dpa/hei

insgesamt 55 Beiträge
paulam2 01.07.2017
1. Jeder Sonnenstahl...
ist in der Lage, die DNA einer Hautzelle zu treffen und sie zu zerschneiden. Fragt sich keiner, warum Leute, die sich ungehemmt der Sonne (Solarium) aussetzen, um "braun" zu werden, mit 40-50 Jahren eine Haut haben wie [...]
ist in der Lage, die DNA einer Hautzelle zu treffen und sie zu zerschneiden. Fragt sich keiner, warum Leute, die sich ungehemmt der Sonne (Solarium) aussetzen, um "braun" zu werden, mit 40-50 Jahren eine Haut haben wie ein 80-jähriger (auch im Gesicht). Abgesehen von den punktuell auftretenden Veränderungen, die nicht zum Zelltot führen, sonden zu einer bösartigen Mutation. Wer sich so in die Sonne hinlegt hat nicht mehr alle Tassen im Schrank!
svizzero 01.07.2017
2. Na und? Das ist nicht unüblich in Griechenland
Vor einigen Jahren war ich im Sommer in GR. Wir mussten ein Bürogeäude umbauen. 42 Grad am Schatten. Keine Klimaanlage (die wurde auch erneuert). Fahrstuhl kaputt. Alles von Hand in den 2. Stock getragen. Alles, wirklich alles. [...]
Vor einigen Jahren war ich im Sommer in GR. Wir mussten ein Bürogeäude umbauen. 42 Grad am Schatten. Keine Klimaanlage (die wurde auch erneuert). Fahrstuhl kaputt. Alles von Hand in den 2. Stock getragen. Alles, wirklich alles. Zementsäcke, Wasser, Backsteine, Holz, später mobile Wände, Möbel, Computer, usw. Wir haben es überlebt, auch ohne tägliche Abkühlung im Meer, wie für Touristen üblich.
sir wilfried 01.07.2017
3. ist das ungerecht
Wir im Norden würden gerne 10 Grad abnehmen. Dann hätten die Griechen immer noch mollige 35 Grad und wir könnten auch mal wieder ohne Pulli ins Freie.
Wir im Norden würden gerne 10 Grad abnehmen. Dann hätten die Griechen immer noch mollige 35 Grad und wir könnten auch mal wieder ohne Pulli ins Freie.
thdenell 01.07.2017
4. ... es können sich schon mal ...
... die Klimakatastrofen-Leugner dieser Welt auf den Weg nach Santorin machen, um zu spüren, wie es sich anfühlen wird, in Hamburg, Kopenhagen, Moskau oder Ottawa in ca. zwanzig, dreißig Jahren im Juli oder August. Dann [...]
... die Klimakatastrofen-Leugner dieser Welt auf den Weg nach Santorin machen, um zu spüren, wie es sich anfühlen wird, in Hamburg, Kopenhagen, Moskau oder Ottawa in ca. zwanzig, dreißig Jahren im Juli oder August. Dann nämlich gibt's kein Zurück mehr auf dem Weg in eine heiße Zukunft für unsere Kinder, Enkel und Urenkel.
LDaniel 01.07.2017
5. Warm
Bin grad auf Kreta. 2. Tag über 42Grad. Aber am Meer gut auszuhalten, auch wenn der Wind sich anfühlt, als ob man nen Föhn hätte
Bin grad auf Kreta. 2. Tag über 42Grad. Aber am Meer gut auszuhalten, auch wenn der Wind sich anfühlt, als ob man nen Föhn hätte

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