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Panorama

Tief "Sebastian"

Herbststurm fegt über Norddeutschland - Warnung vor Sturmflut

"Vergleichsweise früh dran": Laut Deutschem Wetterdienst zieht der erste Herbststurm des Jahres über das Land. Drei Menschen kamen ums Leben, die Behörden warnen vor einer Sturmflut.

DPA
Mittwoch, 13.09.2017   18:53 Uhr

War nicht eben noch Sommer? Na ja, in Norddeutschland auch nur vereinzelt. Jetzt hat der erste Herbststurm der Saison, Tief "Sebastian", Deutschland erreicht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte an der Nordseeküste vor einzelnen Orkanböen mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde.

Auch im Binnenland kann es im Laufe des Tages kräftig wehen, die Meteorologen rechnen auf exponierten Mittelgebirgsgipfeln mit Böen bis rund 110 km/h. Auf dem Brocken im Harz wurden Windgeschwindigkeiten von 149 Stundenkilometern gemessen. "Der erste Sturm in diesem Herbst ist vergleichsweise früh dran", sagte ein DWD-Meteorologe.

Die Experten warnten in Norddeutschland vor umstürzenden Bäumen und herumfliegenden Dachziegeln. Nach Angaben des DWD sind neben Hamburg und Schleswig-Holstein besonders Niedersachsen und Bremen betroffen.

In den Abendstunden ist in der Elbmündung, in Hamburg und an der nordfriesischen Küste eine Sturmflut mit Wasserständen zwischen 1,50 und zwei Metern über dem mittleren Hochwasser zu erwarten. Es sei die erste Sturmflut in diesem Herbst, teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit. Das Abendhochwasser in Hamburg könnte zu leichten Überschwemmungen auf dem Hamburger Fischmarkt führen.

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Tief "Sebastian": Sturm über Norddeutschland

Auch an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns seien Böen mit bis zu 110 km/h nicht ausgeschlossen. Am stärksten wird der Wind den Prognosen zufolge gegen Mittag und Nachmittag, bevor sich das Wetter zum Abend hin etwas beruhigt. Am wenigsten stürmisch wird es laut Vorhersage im Süden des Landes.

Flensburg schließt wegen Sturmwarnung Kitas

Flensburg schloss wegen der Sturmwarnungen die städtische Kindertagesstätten. Zudem empfahl die Stadtverwaltung alle Schulen zu schließen, die Eltern zu benachrichtigen und die Kinder nach Hause zu schicken beziehungsweise von den Eltern abholen zu lassen. In Husum wurden vier der fünf Hallen bei der Windmesse in Husum in Schleswig-Holstein geräumt.

Ein umgestürztes Baugerüst begrub einen Passanten in der Hamburger Innenstadt unter sich. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers hatte sich das Gerüst vermutlich in Folge starker Windböen vom Dach des siebengeschossigen Bürogebäudes gelöst. Der Mann sei von den Gerüstteilen getroffen, unter ihnen eingeklemmt und schwer verletzt worden, teilte die Polizei mit. Am Nachmittag sei er dann seinen Verletzungen erlegen. Eine weitere Person habe leichte Verletzungen erlitten.

In der Elbe in Hamburg kam außerdem ein Rollstuhlfahrer ums Leben. Warum der Mann ins Wasser geriet, ist noch unklar. "Der Sachverhalt wird untersucht. Ein Suizid ist ausdrücklich nicht ausgeschlossen", sagte ein Polizeisprecher.

Wegen erwarteter Orkanböen fielen am Vormittag die Fähren zu den ostfriesischen Inseln teilweise aus. Zwischen Wangerooge und Harlesiel fuhr am Morgen nur jeweils ein Schiff. Weitere Fahrten werde es nicht geben, teilte die Deutsche Bahn mit, die die Fährverbindung betreibt. Der DWD erwartet bis zu sieben Meter hohe Wellen in der Deutschen Bucht.

"Wir werden so lange fahren, wie es möglich ist", sagte eine Sprecherin der Reederei Norden-Frisia, die die Fährverbindungen nach Norderney und Juist betreibt. Ab Mittag könne es aber zu Ausfällen kommen. Auch die Fährverbindung Hamburg-Helgoland über Cuxhaven fällt aus, wie der Betreiber bekanntgab. "Das Wetter ist zu extrem", sagte eine Sprecherin.

In weiten Teilen von Nordrhein-Westfalen löste "Sebastian" Störungen und Verzögerungen im Bahnverkehr aus. Es kam zu Streckensperrungen und Umleitungen. Wegen der starken Windböen schloss auch der Wuppertaler Zoo am Mittag zwischenzeitlich seine Pforten. Die Duisburger Polizei meldete eine größere Zahl wetterbedingter Einsätze im Stadtgebiet. Mehrere geparkte Autos wurden durch herabfallende Äste beschädigt. Andernorts kippten Bauzäune um.

Im nordrhein-westfälischen Brilon wurde ein 53-Jähriger von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Mann war nach Polizeiangaben mit Vermessungsarbeiten an einem Waldstück beschäftigt, als eine 20 Meter hohe Fichte auf ihn stürzte.

In den Niederlanden behinderte der erste schwere Herbststurm den Flugverkehr stark. Die Fluggesellschaft KLM strich rund 60 innereuropäische Flüge. Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol mussten Start- und Landebahnen wegen starken Windes geschlossen werden. Der Flughafen warnte Passagiere vor großen Verspätungen.

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hut/dpa

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