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Panorama

Nordrhein-Westfalen

Polizisten klagen über Schimmel und Mäuse in Büros

Feuchte Wände, Gestank, Ungeziefer - laut einer Umfrage der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen prangern Beamte den Zustand ihrer Gebäude an. Das Innenministerium gelobt Besserung.

GdP NRW

Misssstände in NRW-Polizeigebäuden

Dienstag, 14.11.2017   15:39 Uhr

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen hat nach einer Umfrage unter Kollegen den Zustand der Polizeigebäude massiv kritisiert. "Die Arbeitsbedingungen sind in einigen Büros unhaltbar und teilweise gefährlich", sagte der GdP-Chef in Nordrhein-Westfalen, Arnold Plickert, dem SPIEGEL.

"Einige Kollegen sehen öfter Mäuse über den Flur rennen", sagte Plickert. Mehrere berichteten von Schädlingsbefall, Schimmel an den Wänden und starkem Gestank. Teilweise würden die Fassaden der in die Jahre gekommenen Gebäude saniert, nicht aber die Büros. Insgesamt gebe es einen massiven Sanierungsstau.

Teilweise habe die GdP Rückmeldungen erhalten, die auch aus Sicherheitsgründen besorgniserregend seien, sagte Plickert. In einer Dienststelle in Duisburg seien der polizeiliche und der öffentliche Bereich nicht getrennt - anders als sonst üblich. Es gebe weder Tresen oder Schleusen noch vergleichbare Vorkehrungen.

"Das heißt, dass auch gewaltbereite Menschen in die Dienststelle kommen und Beamte attackieren können, ohne dass sie baulich auf Distanz gehalten werden", sagte Plickert. Die Kollegen berichteten, dass es dadurch vermehrt zu Übergriffen gekommen sei. Die GdP hatte in der vergangenen Woche Kollegen in elf Behörden und 20 Liegenschaften zum Zustand der Gebäude befragt.

"Da tut sich noch etwas"

Das Innenministerium in Düsseldorf räumte Mängel in der Bausubstanz ein. "Es ist kein Geheimnis, dass es bei den Liegenschaften der nordrhein-westfälischen Polizei einen Sanierungsstau gibt", sagte ein Sprecher von Innenminister Herbert Reul (CDU) dem SPIEGEL. Die Schuld für diese "strukturelle Unterfinanzierung" in Höhe von etwa 700 Millionen Euro liege demnach bei der Vorgängerregierung.

"Um diesen Sanierungsstau aufzulösen, befindet sich der Innenminister in guten Gesprächen mit dem Finanzminister", sagte der Sprecher. Schnelle Besserung ist demnach allerdings nicht in Sicht: "Eine jahrelange Unterfinanzierung kann man nicht in ein paar Monaten ausgleichen."

GdP-Landeschef Plickert zeigt sich damit wenig zufrieden. "Wir sind enttäuscht, dass die Landesregierung für kommendes Jahr nicht entsprechende Mittel im Haushalt berücksichtigt hat", sagte er.

Der Sprecher des Innenministeriums versprach dennoch Besserung: Das Ressort erhalte im Haushalt 2018 einen Etat von rund 5,5 Milliarden Euro. Der größte Teil des Geldes werde der Polizei zur Verfügung gestellt, vor allem für Personalkosten. "Bei den Investitionen zur Gebäudesanierung tut sich noch etwas", sagte er. Die Verhandlungen für den kommenden Haushalt seien noch nicht abgeschlossen.

fok/mxw/dpa

insgesamt 6 Beiträge
strixaluco 14.11.2017
1. das zieht sich durch den ganzen öffentlichen Sektor
Unter anderem sind auch Schulen und Universitäten oft in einem erbärmlichen bis gefährlichen baulichen Zustand. Da passiert noch nicht einmal etwas Substanzielles, wenn schon Betonbrocken von der Decke gefallen sind.
Unter anderem sind auch Schulen und Universitäten oft in einem erbärmlichen bis gefährlichen baulichen Zustand. Da passiert noch nicht einmal etwas Substanzielles, wenn schon Betonbrocken von der Decke gefallen sind.
Olli68 14.11.2017
2. Verfall des öffentlichen Raums
Überall die gleichen Bedingungen: Ob Schulen oder Verwaltungen: keine größere Firma könnte so mit ihren Mitarbeitern umspringen, ohne wegen Verstoßes gegen Raumluft-, Hygiene- oder Lärmschutzbestimmungen mit Klagen [...]
Überall die gleichen Bedingungen: Ob Schulen oder Verwaltungen: keine größere Firma könnte so mit ihren Mitarbeitern umspringen, ohne wegen Verstoßes gegen Raumluft-, Hygiene- oder Lärmschutzbestimmungen mit Klagen überhäuft zu werden. Oder die Mitarbeiter suchen sich gleich was Besseres. Brücken, Schwimmbäder, Bahnhöfe - alles genauso marode. Und das in einem der erfolgreichsten Länder der Welt. Übrigens war am WE ein Freund aus Erfurt zu Besuch hier im Westen: "Igitt, wie sieht das hier denn aus, alles noch aus den Siebzigern, oder was?" Der Soli, ich glaube 1200 Milliarden - ist halt nur in eine Richtung geflossen. Ungerecht.
Havel Pavel 14.11.2017
3. Mäuse im Büro?
Sollten die Polizisten dort so leckere Sachen haben, dass sogar sich schon Mäuse ins Büro wagen? Dachte bisher immer Mäuse kämen nur in windige Bretterbuden aber dass Büros derartig grosse Durchschlupföffnungen haben war mir [...]
Sollten die Polizisten dort so leckere Sachen haben, dass sogar sich schon Mäuse ins Büro wagen? Dachte bisher immer Mäuse kämen nur in windige Bretterbuden aber dass Büros derartig grosse Durchschlupföffnungen haben war mir bisher nicht geläufig. Also Katzen zulegen oder Mausefallen aufstellen, gibts in jedem Baumarkt! Und was den Schimmel anbetrifft würde ich es mal mit Lüftn versuchen, denn offensichtlich ist die relative Luftfeuchtigkeit in der Bude viel zu hoch. Kann man übrigens auch messen!
Friend of freedom 14.11.2017
4. Wenn also alles im Staatsbesitz wäre...
... dann würde es über all so aussehen. Vielleicht sollte man mal schauen, ob man nicht mehr Privatwirtschaft sogar in die Bereiche einbringen kann, die traditionell mit dem Staat in Verbindung gebracht werden. Also eben nicht [...]
... dann würde es über all so aussehen. Vielleicht sollte man mal schauen, ob man nicht mehr Privatwirtschaft sogar in die Bereiche einbringen kann, die traditionell mit dem Staat in Verbindung gebracht werden. Also eben nicht nur Schulen, sondern zB. auch in Sicherheitsbelangen. Es werden ja auch jetzt schon viele Sicherheitsprodukte von der Privatwirtschaft bereit gestellt, wie zB. Schlösser, Türen, Fenster, Alarmanlagen, Türsteher in Diskotheken, und private Sicherheitskräfte in Kaufhäusern. Wenn die Straßen in einer Nachbarschaft den Anwohnern als gemeinsames Privateigentum gehören würden (so wie zB. das Treppenhaus eines mehrstöckigen Wohnhauses gemeinsam den Wohnungseigentümern gehört), dann könnten sie selber einen Sicherheitsdienst engagieren um in der Nachbarschaft für Sicherheit zu sorgen.
zensurgegner2017 14.11.2017
5.
Au ja, private Polizei Die nur ermittelt, wenn die Rendite stimmt.... Haben Sie mal darüber nachgedacht, dass Privat unter 17% Rendite nicht investiert? Sie haben sicherlich recht, dass DANN investiert und saniert wird, [...]
Zitat von Friend of freedom... dann würde es über all so aussehen. Vielleicht sollte man mal schauen, ob man nicht mehr Privatwirtschaft sogar in die Bereiche einbringen kann, die traditionell mit dem Staat in Verbindung gebracht werden. Also eben nicht nur Schulen, sondern zB. auch in Sicherheitsbelangen. Es werden ja auch jetzt schon viele Sicherheitsprodukte von der Privatwirtschaft bereit gestellt, wie zB. Schlösser, Türen, Fenster, Alarmanlagen, Türsteher in Diskotheken, und private Sicherheitskräfte in Kaufhäusern. Wenn die Straßen in einer Nachbarschaft den Anwohnern als gemeinsames Privateigentum gehören würden (so wie zB. das Treppenhaus eines mehrstöckigen Wohnhauses gemeinsam den Wohnungseigentümern gehört), dann könnten sie selber einen Sicherheitsdienst engagieren um in der Nachbarschaft für Sicherheit zu sorgen.
Au ja, private Polizei Die nur ermittelt, wenn die Rendite stimmt.... Haben Sie mal darüber nachgedacht, dass Privat unter 17% Rendite nicht investiert? Sie haben sicherlich recht, dass DANN investiert und saniert wird, aber eben zu Lasten des Steuerzahlers, PLUS Rendite

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