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Panorama

Erdbeben in Iran und im Irak

"Wir müssen den Menschen beim Aufbau zur Seite stehen"

Hunderte Menschen starben, noch immer herrscht Chaos in den Erdbebengebieten an der Grenze zwischen Iran und dem Irak. Die besonders betroffenen Gegenden sollen nun schnell Hilfe erhalten.

TAHERKENAREH/EPA-EFE/REX/Shutterstock
Dienstag, 14.11.2017   18:31 Uhr

Die Aufräumarbeiten nach dem schweren Erdbeben in der iranisch-irakischen Grenzregion dauern an, vor allem die besonders getroffenen Gegenden sollen nun rasch Hilfe bekommen. Das hat Irans Präsident Hassan Rohani den Menschen in der Kermanschah-Provinz versprochen.

"Heute stehen alle Iraner hinter Kermanschah, und wir werden alles tun, damit die Menschen hier diese Tragödie schneller vergessen können", sagte Rohani nach seiner Ankunft im Katastrophengebiet. Die Regierung werde alles tun, damit die betroffenen Städte schnell wieder aufgebaut werden können. "Unser Fokus sind Wohnkomplexe, da müssen wir den Menschen bei dem Aufbau besonders zur Seite stehen", sagte er.

Laut jüngsten offiziellen Angaben kamen nach dem Erdstoß der Stärke 7,3 mehr als 430 Menschen ums Leben. Außerdem wurden fast 7900 Verletzte gezählt.

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Iran und Irak: Leid und Chaos in der Grenzregion

Verwirrung gab es wegen eines Berichts der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Diese hatte von 530 Toten berichtet, fast 100 mehr als die vom Innenministerium angegebene amtliche Opferzahl. Es hieß, dass in manchen Dörfern die Opfer ohne amtliche Erlaubnis und Registrierung begraben worden seien. Später revidierte IRNA diese Darstellung und stützte sich wieder auf die offizielle Opferzahl.

Die weitaus meisten Todesopfer gab es auf der iranischen Seite der Grenze. Am schlimmsten traf es die beiden Grenzstädte Sarpol-e Sahab und Ghassre Schirin. Trotz der Kälte verbrachten viele Menschen in der Provinz die Nacht angesichts von mehr als 200 Nachbeben im Freien.

In Sarpol-e Sahab haben viele Stadtteile immer noch keinen Strom, kein Gas und kein Wasser. Außerdem sollen die Temperaturen in der Nacht unter den Gefrierpunkt fallen. Nach Ansicht vieler Einwohner wurden die Zelte in den Erdbebengebieten nicht gerecht verteilt. Sowohl die Menschen als auch die Behörden in Kermanschah sind offenkundig nicht zufrieden mit der Hilfe aus Teheran, hoffen jedoch, dass sich das nach Rohanis Besuch ändert.

Insgesamt beschädigte das Beben nach offiziellen Angaben 27.000 Wohngebäude. 12.000 davon seien komplett zerstört, 15.000 seien nicht mehr zu bewohnen. Zu diesen Siedlungen gehören auch die, die Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad in der Provinz hatte bauen lassen.

Die meisten der Gebäude, die Ahmadinedschad "Haus der Nächstenliebe" nannte, sind nicht mehr bewohnbar. "Das ist schon sehr peinlich", sagte Rohani über das Projekt seines Vorgängers und politischen Rivalen. Einige Einwohner sagen, Baustandards seien ignoriert worden.

Im Video: Chaos in der Erdbebenregion

Foto: AFP/ ISNA

Laut Außenminister Mohamed Dschawad Sarif will Iran vorerst auf internationale Hilfe verzichten. "Wir bedanken uns für die internationale Anteilnahme und Hilfsangebote, aber wir haben es vorläufig im Griff", twitterte er.

mxw/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Knossos 15.11.2017
1.
Akute Hilfe kann nunmehr nur noch unnötigen Opfern zukommen. Grundlegende Hilfe und Abhilfe vermag hingegen allein erfolgen, wenn alles dominierender Korruption etwas entgegengesetzt wird. Dieser wird ein Präsident allerdings [...]
Akute Hilfe kann nunmehr nur noch unnötigen Opfern zukommen. Grundlegende Hilfe und Abhilfe vermag hingegen allein erfolgen, wenn alles dominierender Korruption etwas entgegengesetzt wird. Dieser wird ein Präsident allerdings kaum Herr werden, denn sie wird in erster Linie von Paramilitärs inflationiert, welche wiederum des religiösen Oberhauptes Stütze und damit unantastbar sind. Sie haben sich von Stasi und Junta zu Abkassierern entwickelt. Dabei reichte Aneignung von Liegenschaften und Betrieben und keilen zwischen Produktion / Einfuhr und Verbraucher nicht, und es wurden künstliche Marktnischen, wie jene des Hochbaus kreiert. Im Zuge dieses Goldesels und seiner artifiziell aufrechterhaltenen Superprofite sind überall unversiegelte Flächen bis in Naturschutzgebiete hinein mit Wohnsilos zugeklotzt worden, von denen ein guter Teil leersteht und bald nach Fertigstellung bereits wieder zu verfallen beginnt. Gewinne gibt es, neben Verkäufen enorm überteuerter Immobilien, wohl auch bei Leerstand über Anzapfen der Staatschatulle. Im Dorado kennt besessenes Ausreizen der Superprofite keinen Halt. Der, -wie Vieles- vom zugleich 'satanischen Gegner' USA übernommenen, Stahlgerüstbauweise ist es zu verdanken, daß bei dem Erdbeben nicht bedeutend mehr Menschen umgekommen oder obdachlos geworden sind. Zugleich indes hält das Stahlgerüst dafür her, daß Wände ohne Verstrebungen aufgezogen werden, und vor der letzten Lage Mörtel zwischen Mauer und Decke umzukippen drohen, sobald man sich dagegen lehnt. Hinzu kommt berüchtigte Einsparung von Zement, die Beton dort bereits unter Spitzhacken bröseln läßt. Daher jetzt Gebäude, deren Außenmauern abgefallen sind. Nicht genug des Pfusches haltloser Gier, werden die meisten Wände, einschließlich der äußeren, aus einfacher Reihe an Ziegelsteinen aufgezogen, welche obendrein längsseitig hochkant gesetzt sind, um Material einzusparen. Obwohl nach Bauvorschrift verboten, werden überall weithin sichtbar solch etwa 10 cm dünnen Wände hochgezogen. Und wer es jemals wagte, gegen volldreist korrupte Aufsicht zu klagen, riskiert seine Existenz. Die ungeahndete Gefährdung und Halsabschneiderei setzt sich fort in eingespartem Querschnitt von Abflußrohren, die bereits ein Stück Toilettenpapier dauerhaft verstopft bis hin zu (ohnedies zu knapp gesetzten) Steckdosen hinter denen verdutzte Hausherren weder Kanal noch Kabel finden. Und für Wasserdruck oder gar Kanalisation fühlt sich traditionell kaum eine Kommune zuständig. Da sind für jedes Gebäude Pumpen zu montieren und Sickergruben anzulegen. Daher auch verseuchtes Trinkwasser. Radikal gewissenlose Beutelschneiderei und deren unzählige Varianten stellt sagenhaften Reichtum von Bütteln des Regimes, welche vor gebeutelten Landsleuten schamlos in Porsche-und Ferrari-Vehikeln kutschieren und sich in Übersee etwa Londons oder New Yorks Spitzenimmobilien zulegen, wie Semmeln am Stück. Über Unheil entfesselter Macht und Gier bilden Zelte, Decken bei winterlichen Temperaturen und heute versprochene Kredite für Wiederaufbau insofern nur sehr begrenztes Pflaster.

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