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13.06.2010
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Gerettete Seglerin Sunderland

"Ich versuche es wieder"

REUTERS

Kaum ist sie aus Seenot gerettet, schmiedet Abby Sunderland neue Pläne: Die 16-jährige Amerikanerin will noch einmal einen Versuch starten, allein um die Welt zu segeln - obwohl sie gerade noch mal mit dem Leben davongekommen ist und die Kritik an dem Teenie-Törn nie wirklich abebbte.

Sydney - Sie trieb allein mit einem kaputten Boot in meterhohen Wellen und bei Sturm mitten im Indischen Ozean. Doch Abby Sunderland, 16, geboren in einer Seglerfamilie, ist unbelehrbar und unbeirrt. "Ich werde auf jeden Fall noch einmal um die Welt segeln oder es wirklich noch einmal versuchen. Ich weiß nicht, wann ich die nächste Gelegenheit bekomme, aber ich habe mir die Umseglung der Welt seit Jahren gewünscht und werde das irgendwann auch tun", sagte sie dem TV-Sender ABC. Da war ihre dramatische Rettung gerade mal ein paar Stunden her.

Abby war mit ihrer Yacht "Wild Eyes" am Donnerstag mehr als 3000 Kilometer von der nächsten Küste entfernt in einen schweren Sturm geraten. Mit dem gebrochenen Mast brach auch ihre Satellitenkommunikation mit dem Rest der Welt ab. Mindestens drei große Schiffe und mehrere Flugzeuge beteiligten sich an der Suche. Entdeckt wurde das havarierte Boot in schwerer See durch einen Passagierjet, erst am Tag darauf gelang einem Rettungsflieger ein kurzzeitiger Funkkontakt.

Es folgten bange Stunden der Ungewissheit, weil es in dem Seegebiet stürmte und die Rettung sich bis in die Dunkelheit verzögerte. Dann am Samstag die Erlösung durch die Besatzung des französischen Fischerboots "Ile de la Réunion": "Der Kapitän hat gemeldet, dass Fräulein Sunderland sicher und bei guter Gesundheit ist", teilte die australische Behörde für Meeresschutz (Amsa) mit.

Aus der Traum vom Weltrekord. Den hält erst einmal weiter die Australierin Jessica Watson, die im Mai bei ihrer Rückkehr nach Sydney kurz vor ihrem 17. Geburtstag wie eine Heldin gefeiert wurde. Auch in ihrem Fall hatte es Debatten über Sinn und Wahnsinn solcher Rekordversuche gegeben. Watsons glücklich verlaufene Reise vom Oktober 2009 bis Mai 2010 hatte die Kritik aber zunächst verstummen lassen.

"Seid wann verursacht Lebensalter gigantische Wellen?"

Da die "Ile de la Réunion" auf kommerziellem Fischfang ist und ihre Tour schlecht abbrechen kann , um den Teenager an Land zu bringen, soll Abby auf ein anderes Schiff umsteigen, das ohnehin auf dem Heimweg ist. Ob sie nach Réunion östlich von Madagaskar oder nach Australien gebracht wird, ist noch unklar. Inzwischen deutet sich an, dass die "Ile de la Réunion" sie in circa zwei Tagen an das französische Patrouillenboot "Osiris" übergeben wird, das das Mädchen zunächst nach Réunion bringen würde.

"Es wird wahrscheinlich noch ein paar Wochen dauern, ehe Abby wieder in Kalifornien ist", sagten ihre Eltern.

Die Soloseglerin wehrt sich gegen Kritik, sie sei zu jung für ein so gefährliches Abenteuer gewesen. "Was das Alter angeht - seit wann produziert das Alter gigantische Wellen und Stürme?", schrieb sie in ihrem Blog. "Lange Rede, kurzer Sinn: Es gab eine Endloswelle und einen reichlich kurzen Mast - kurz im Sinne von: zwei Inch" (fünf Zentimeter), schrieb sie. Sie komme kaum darüber hinweg, dass sie die Yacht nie wiedersehen wird. Von Schuld könne jedenfalls keine Rede sein, die habe wenn überhaupt das Wetter: "Die Wahrheit ist, dass ich in einen Sturm geraten bin. Man überquert den Indischen Ozean nicht, ohne in mindestens einen Sturm zu geraten. Das hatte nichts mit der Jahreszeit zu tun, es war nur ein südlicher Sturm. Stürme gehören dazu, wenn man um die Welt segelt."

Rekorde um jeden Preis?

Abbys Kritiker argumentieren, dass ein Teenager eben aus diesen Gründen allein auf dem Ozean nichts zu suchen hat. Zumal es offensichtlich nie nur darum ging, einmal um die Erde zu segeln: Es ging darum, dabei noch einen Altersrekord aufzustellen - einen Rekord, den Abbys Bruder Zac einst auch für kurze Zeit hielt. Seit Jahren unterbieten sich Teenager im Abstand weniger Monate. Niederländische Behörden unterbanden kürzlich erfolgreich den Versuch einer erst 13-Jährigen.

Bezahlen muss die Familie Sunderland zumindest der australischen Regierung nichts für die Rettung. Das Land verzichte großzügig darauf, Abbys Eltern eine Rechnung zu präsentieren, sagte Australiens Transportminister Anthony Albanese am Sonntag. Die Australier hatten am Freitag unter anderem einen eigens gecharterten Airbus auf den Weg geschickt. Wie hoch die Rechnung der Such- und Rettungsaktion ausfällt, wenn man alle Aktivitäten auch kommerzieller Schiffe mit einbezieht, weiß im Augenblick wohl niemand genau.

Den Dank an die Retter besorgten die Eltern auf Abbys Web-Seite: "Sie haben sich um unsere Tochter gekümmert, als wäre es ihre eigene", schrieben sie. "Danke, dass sie unsere Erwartungen weit übertroffen haben, um für Abbys Sicherheit zu sorgen."

Die Eltern müssen sich jetzt erneut gegen Kritik wehren, dass sie ihrer Tochter den Segeltörn überhaupt erlaubt haben. "Machen wir uns doch nichts vor, das Leben ist gefährlich", konterte ihr Vater Laurence im US-Fernsehen. "Wie viele Teenager sterben bei Autounfällen?"

Schon der Vergleich dürfte neue Kritik wecken: Ein Vater, der die Risiken von Unfällen bei abendlichen Spritztouren zur nächsten Discothek mit einer Soloweltumseglung, die unter anderem durch den winterlichen Indischen Ozean führt, vergleicht, muss sich Fragen nach den Maßstäben wohl gefallen lassen.

Abbys Yacht "Wild Eyes" wird aller Wahrscheinlichkeit nach gezielt versenkt werden. Eine Bergung erscheint angesichts der Wetter- und Wasserverhältnisse sowie der großen Distanzen als viel zu aufwendig.

pat/dpa

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Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
1. Wenn sie sich denn nun umbringen will...
Demokrator2007 13.06.2010
...kann man sie eh nicht davon abhalten. Allerdings sollte man diese Art Selbstmordversuch so teuer wie nur möglich gestalten, schließich sind die Rettungsaufwendungen enorm- drei große Schiffe mit vermutl. mehreren hundert [...]
...kann man sie eh nicht davon abhalten. Allerdings sollte man diese Art Selbstmordversuch so teuer wie nur möglich gestalten, schließich sind die Rettungsaufwendungen enorm- drei große Schiffe mit vermutl. mehreren hundert Mann Besatzung. Wenn sie das bezahlen kann, sollte man sie ziehen lassen. Die Eltern gehören allerdings vor den Kadi, denn Eltern haften für ihre Kinder.
2. Einigkeit und Recht und Gleichschritt
Gertrud Stamm-Holz 13.06.2010
Die junge Frau ist US Amerikanerin und liegt ihnen mit Sicherheit niemals auf der Tasche. Die deutsche Kultur zur Gefahrenabwehr (stillsitzen und ja nix riskieren, die Rente ist schliesslich sicher) mag Ihnen gefallen, andere [...]
Zitat von Demokrator2007...kann man sie eh nicht davon abhalten. Allerdings sollte man diese Art Selbstmordversuch so teuer wie nur möglich gestalten, schließich sind die Rettungsaufwendungen enorm- drei große Schiffe mit vermutl. mehreren hundert Mann Besatzung. Wenn sie das bezahlen kann, sollte man sie ziehen lassen. Die Eltern gehören allerdings vor den Kadi, denn Eltern haften für ihre Kinder.
Die junge Frau ist US Amerikanerin und liegt ihnen mit Sicherheit niemals auf der Tasche. Die deutsche Kultur zur Gefahrenabwehr (stillsitzen und ja nix riskieren, die Rente ist schliesslich sicher) mag Ihnen gefallen, andere Länder haben andere Mentalitäten. Das geht ganz simpel niemanden etwas an.
3. ok
AGRB 13.06.2010
Nichts dagegen, dass Teenies die Welt umsegeln. Bedenklich finde ich jedoch, diese "als jüngster Mensch" Geschichte. Fährt nach ihr eine elfjährige los? Ansonsten ist dagegen nichts einzuwenden, wenn ich die Kohle [...]
Nichts dagegen, dass Teenies die Welt umsegeln. Bedenklich finde ich jedoch, diese "als jüngster Mensch" Geschichte. Fährt nach ihr eine elfjährige los? Ansonsten ist dagegen nichts einzuwenden, wenn ich die Kohle hätte, würde ich weit bekloptere Nummern abziehen. Aber an den Rettungskosten müsste sie tatsächlich beteiligt werden, das ist schließlich nicht sowas wie 'n Kundendienst der Rettungsdienste, sondern kostet den Steuerzahler Geld. Und das wird auch den Zahlern anderer Länder nicht egal sein.
4. Schon mit 16 Jahren Besseres als MIillionen andere
Ursprung 13.06.2010
Langsam scheint sich eine Art Hochachtung fuer eine 16jaehrige Persoenlichkeit durchzusetzen, auch widerspiegelnd in den neueren Forumsbeitraegen zu diesem Thema. Was anfangs offenbar mehrheitlich eher unangenehme Stoffels an den [...]
Langsam scheint sich eine Art Hochachtung fuer eine 16jaehrige Persoenlichkeit durchzusetzen, auch widerspiegelnd in den neueren Forumsbeitraegen zu diesem Thema. Was anfangs offenbar mehrheitlich eher unangenehme Stoffels an den Computer brachte. Nochmals: 1. Niemand ist geeigneter, eine ausserordentliche koerperliche und mentale Leistung zu erbringen als Menschen zwischen dem zehnten und 23. Lebensjahr. Hat die Natur halt so bei uns eingerichtet. Auch, wenn diese Tatsache in der bei uns alternden Gesellschaft gerne verleugnet wird: aeltere Knacker koennen auch sowas, aber die sind halt ersatzweise auf hartes Training und gut trainierteren Grips mehr angewiesen als Junge, um dabei nicht unterzugehen. 2. Ist Abi Sunderland nach den tausenden Seemeilen und richtigem Verhalten im Seenotfall erfahrener als die meisten Millionen Segler der Welt, um erfolgreich die naechste Aktion starten zu koennen. 3. Sie wird nun auch Sponsoren finden, die ihr Material von vornherein besser ueberpruefen und auszusuchen die Mittel bereit stellen werden, damit nicht etwa aufgrund dummer Material- oder Konstruktionsfehler wieder auf halbem Wege ein Mast von oben koemmen moege. Sowas will doch niemand mit Investionsinteresse und -Kapazitaet echt riskieren. 4. Als kleines, unbekanntes Privatmaedchen mit begrenzten Geldmitteln musst Abi Sunderland aber das Risiko eingehen oder in der Masse der Millionen anderen 16jaehrigen der Welt auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Dass sie sich so entschied, wie sie entschied, hebt sie schon mal aus den Millionen heraus. Chapeau, Abi!
5. Na denn Ahoi die 2.!
irina25 13.06.2010
Natürlich gleich wieder versuchen... Entweder die Eltern oder die kleine Dame selbst scheint einen Geltungsdrang (und chronischen Adrenalinmangel) zu haben, der wohl dringend ein Ventil braucht. Wozu dieser Superlativ-Zwang?
Natürlich gleich wieder versuchen... Entweder die Eltern oder die kleine Dame selbst scheint einen Geltungsdrang (und chronischen Adrenalinmangel) zu haben, der wohl dringend ein Ventil braucht. Wozu dieser Superlativ-Zwang?
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