23.01.2012
Kein Geld für Tickets
Bahn lässt "Costa Concordia"-Überlebende stehen
Havarierte "Costa Concordia": Unglück im Mittelmeer
Frankfurt/Main - Das Unglück auf der "Costa Concordia" haben der 70-jährige Erwin Bleser und seine 66-jährige Frau überlebt - doch an einem Mitarbeiter der Bahn ist das Ehepaar aus dem Westerwald gescheitert.
Der Mitarbeiter wies die Schiffbrüchigen am Kartenschalter ab, weil sie kein Geld dabei hatten. Am Morgen bat die Bahn um Entschuldigung - reichte einen Teil der Verantwortung aber an den Reiseveranstalter weiter.
Der Vorstand habe inzwischen mit Bleser und seiner Frau gesprochen, teilte die Bahn mit. Statt der Bundespolizei am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens die Notlage zu schildern, hätten die beiden mit dem Zugpersonal verhandelt, das für solche Situationen nicht ausgebildet sei. "Generell muss der Reiseveranstalter sicherstellen, dass seine Gäste in einem solchen Fall nach Hause kommen", sagte ein Bahnsprecher.
Das Ehepaar war nach dem Unglück mit einem Reisebus von Italien nach Frankfurt gebracht worden. Von dort aus wollten die Eheleute mit dem ICE nach Montabaur im Westerwald fahren. "70 Euro sollten wir zahlen für die beiden Karten", sagt Bleser. "Aber greifen Sie mal einem nackten Mann in die Tasche." Geld und die bezahlten Rückfahrkarten lägen auf dem Schiffswrack vor der Insel Giglio. "Es wäre eine einfache Sache gewesen für den Mitarbeiter zu sagen: 'Steigen Sie in den Zug ein, das geht schon in Ordnung.'"
In leichter Bekleidung und Hausschuhen habe man entkräftet am Bahnhof gestanden, so Bleser. "Wir waren seit Freitagmorgen auf den Beinen und hatten keinen Schlaf bekommen." Schließlich sei ihr Sohn gekommen und habe sie mit dem Auto nach Hause gebracht.
hut/dpa
