06.03.2012
Trends der Fashion Week
In den Kleiderschränken der Welt
Aus Paris berichtet Wlada KolosowaShoko Yamashita kommt aus Tokio und studiert seit einem Jahr in Paris Kunstphilosophie
Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Wie in einem Schwarzweiß-Film. Blau oder Rot habe ich das letzte Mal als Kind getragen. Ich finde, dass Schwarz und Weiß die buntesten Farben sind. Es ist wie mit alten Fotos: Wenn keine Farben da sind, muss die Fantasie arbeiten.
Schwarz ist also nicht gleich Schwarz. Nein, auf keinen Fall! Wenn man Kleidung mit verschiedenen Texturen kombiniert, kommen verschiedene Schattierungen zum Vorschein. Ich trage zwar nur zwei Farben, dafür mische ich viele Stoffe. Ich bin mir sicher: Texture Blocking ist das neue Ding.
Anna Nooshin, Modebloggerin aus Amsterdam
Was würden Sie nie tragen? UGGs, Crogs, New Balance Sneakers. Ich ziehe nie etwas an, was zu trendy ist. Mode hat für mich mehr mit sich Verkleiden, Experimentieren zu tun. Es sollte ein Spiel sein, keine Sklaverei des Laufstegs.
Was wird der nächste Kauf sein? Ein Lederharnisch.
Cole Hahn stammt aus New York und fotografiert für maryclaire.com
Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Ich nenne meinen Stil Casual Fly. Casual, weil ich komfortable Sachen trage, die zu allen Anlässen passen. Fly, weil ich dadurch flugs für alle Lebenssituationen gerüstet bin.
Was ist für Sie Mode? Nichts. Mode ist Konsum. Jeder kann daran teilnehmen, der es sich leisten kann. Stil ist mir wichtiger: zu wissen, wer ich bin und sich ehrlich anzuziehen. Das hat nichts mit diesem Zirkus zu tun, der jedes halbe Jahr etwas Neues vorschreibt, damit die Leute mehr kaufen. Ich hätte lieber weniger Klamotten als mehr. Ich shoppe seit Jahren nicht mehr, wenn überhaupt, sammele ich Einzelstücke, die ganz besonders sind. Aber nicht auf Flohmärkten. Vintage ist in New York hoffnungslos überfischt.
Alice Ngan aus China fotografiert Streetstyles für das "Ketchup Magazine"
Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Ich nenne es Cheap and Chick. Ich mische Schnäppchen aus dem Schlussverkauf und Designermode aus zweiter Hand. Ich folge nicht den Veränderungen auf dem Laufsteg, sondern nur der eigenen Laune. Wobei die fast genauso wechselhaft ist.
Ihre Highlights auf der Fashion Week? Die Shows von Rick Owens und Chanel. Davor tummeln sich besonders viele Selbstdarsteller.
Natalia Seliwanowa aus Russland, Einkäuferin für Le Graal - einem Shop in Krasnodar
Welche Kleidung verkaufen Sie am liebsten? Ich wünschte mir, die Menschen kauften Kleider, die ihre Persönlichkeit ausdrücken und nicht ihren Kontostand. Mode bedeutet für mich: Mut, sich von den anderen abzuheben, den Standard in Frage zu stellen. In Metropolen wie Moskau und St. Petersburg fängt man langsam damit an. In Krasnodar ist es noch schwierig. Die Menschen wollen zeigen, was sie für ein Kleidungsstück ausgegeben haben.
Und wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Ziemlich dunkel. Und nicht immer aufgeräumt.
Luiz Fernando Barreto kommt aus Brasilien und arbeitet in einer Pariser Produktionsfirma
Gibt es etwas, was Sie nie anziehen würden? Nein. Untragbar - das gibt es für mich nicht. Ich ziehe alles an. Außer Sneakers vielleicht, die tragen einfach zu viele. Mode ist für mich Attitüde, ein Alleinstellungsmerkmal. Es geht darum zu zeigen, wer du bist.
Und das wäre? Ein ziemlich flamboyanter Typ an der Schnittstelle von Südamerika und Europa.
Ein brasilianischer Designer, auf den man ein Auge werfen sollte? Pedro Lorenzo.
Rie Sakai, Modebloggerin aus London
Was würden Sie nie tragen? Hotpants. Sachen, die mit riesigen Logos zugepflastert sind.
Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Ein bisschen zu voll. Ich liebe shoppen, ich mag den Prozess an sich. Ich fühle mich wie ein Jäger, wenn ich etwas entdecke, das ich schön finde und bezahlen kann. Höchstgrenze liegt bei 500 Euro. Normalerweise gebe ich für Klamotten im Monat etwa 200 Euro aus. Wenn ich etwas Großes kaufe, gehe ich aber für ein paar Monate auf Diät.

