10.05.2012
Superjet-Absturz in Indonesien
Russlands Prestigeobjekt zerschellt an Vulkan
Jakarta - Es sollte Werbung für das Vorzeigeprojekt der zivilen russischen Luftfahrt werden, doch es endete in einer Tragödie: Der Suchoi Superjet 100 ist bei einem Demonstrationsflug über Indonesien abgestürzt, die Trümmer des Mittelstreckenfliegers liegen nun verstreut an der steilen Felswand des inaktiven Vulkans Salak. An Bord waren bis zu 50 Menschen. Keiner der Insassen überlebte das Unglück, wie die Rettungskräfte mitteilten.
Die Besatzung eines Helikopters hatte die Wrackteile am Donnerstagmorgen an der steilen Felswand entdeckt. Inzwischen haben Einsatzkräfte die Umgebung des Unglücksorts erreicht und laut einem Sprecher auch erste Leichen entdeckt. Die Bergung sei jedoch nur mit Hubschraubern möglich.
Die Absturzstelle liegt in unwegsamem Gelände an den Hängen des 2200 Meter hohen Salak, etwa 50 Kilometer südlich der Hauptstadt Jakarta. Rund tausend Helfer waren den Angaben zufolge an der Suche beteiligt.
Der Superjet 100 war am Mittwoch etwa 20 Minuten nach dem Start vom Radar verschwunden. Die Unglücksregion liegt oft in Dunstschwaden. Die Crew hatte in ihrem letzten Kontakt gebeten, die zugewiesene Flughöhe zu verlassen und auf 1800 Meter sinken zu dürfen. Der Grund für dieses Manöver ist noch ebenso unklar wie die Absturzursache. Unter den Insassen waren neben der russischen Crew vor allem Vertreter von Fluggesellschaften und einige Journalisten.
Ausgerechnet am "Tag des Sieges"
In Russland wurde das Unglück fassungslos aufgenommen. Die Redakteure der Kreml-nahen Boulevardzeitung "Twoj Den" ("Dein Tag") wollten es noch nicht wahr haben, als sie in der Nacht zum Donnerstag die Schlagzeilen ihres Blattes machten. "Russischer Flieger Suchoi Superjet 100 unter mysteriösen Umständen verschwunden", schrieben sie.
Das Unglück geschah ausgerechnet am "Tag des Sieges". An dem Feiertag gedenkt Russland des Sieges über Hitlerdeutschland. In Moskau marschierten 14.000 Soldaten bei der traditionellen Militärparade am Kreml vorbei. Mit modernen Raketensystemen, die über den Roten Platz rollten, wollte die Führung demonstrieren: Das Land ist militärisch und technologisch immer noch eine Großmacht.
Der Absturz ist ein schwerer Schlag für das prestigeträchtigste Industrieprojekt von Präsident Wladimir Putin, der am Montag triumphal in den Kreml zurückgekehrt war. Vielleicht ist es sogar ein vernichtender Schlag für das ambitionierte Superjet-Projekt.
Mit der neuen Maschine wollte Russland an die Erfolge sowjetischer Flugzeugingenieure anknüpfen. Im roten Riesenreich waren einst Iljuschin-, Antonow- oder Tupolew-Flieger entwickelt worden. Der Superjet 100 war das erste im neuen Russland konzipierte Flugzeug, die erste neue Passagiermaschine seit dem Zusammenruch der Sowjetunion.
Vorreiter für die Modernisierung des Landes
Russland, dessen Wirtschaft noch immer stark abhängig ist von Rohstoffexporten, will die Luftfahrtindustrie zum Vorreiter für die Modernisierung des Landes machen. Bis 2025 will die Regierung 42,5 Milliarden Euro in die Entwicklung stecken. Russlands Flugzeugbauer sollen neben Airbus und Boeing zum "dritten Kraftzentrum der globalen Luftfahrtindustrie" werden und 10 Prozent des Weltmarkts erobern.
Zum Flaggschiff dieser Expansionspläne sollte der Superjet werden, der in Russland bereits im Linienbetrieb eingesetzt wird. Bis zu 1000 Flugzeuge des Typs möchte Russland verkaufen, 70 Prozent davon sollen ins Ausland gehen. Deshalb war die nun verunglückte Maschine nach Südostasien aufgebrochen: In Kasachstan, Pakistan, Laos und Vietnam standen Demonstrationsfüge auf dem Programm. In Indonesien waren zwei geplant, der erste Flug war ohne Zwischenfälle verlaufen. Auf dem zweiten verschwand die Maschine plötzlich vom Radar.
hut/beb/dpa/AP

