25.05.2012
"VatiLeaks"
Vatikanische Polizei nimmt Verdächtigen fest
Rom - Ist dies das Ende von "VatiLeaks"? Seit Wochen werden die italienischen Medien mit Enthüllungen über Machenschaften im Vatikan gefüttert - ein Insider gab interne Dokumente weiter, die Obrigkeit des Kirchenstaats schien weitestgehend macht- und ratlos. Nun hat es in dem Kirchenstaat eine Festnahme gegeben.
Die Untersuchung des Falls durch die vatikanische Polizei habe zu einer Person geführt. Sie sei im Besitz geheimer Dokumente gewesen und werde nun verhört, teilte der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, am Freitag mit.
Um wen es sich bei dem Verdächtigen handelt, ist unklar. Lombardi machte keine Angaben zur Identität oder Funktion des Festgenommenen. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Abend unter Berufung auf eine Quelle, bei dem Festgenommenen soll es sich um einen Butler des Papstes handeln.
In den internen Dokumenten, die aus dem Vatikan an italienischen Medien gegeben wurden, geht es unter anderem um Korruptionsvorwürfe, ein angebliches Mordkomplott gegen den Papst sowie das Finanzgebaren der Vatikanbank IOR. Im Fokus der Korruptionsvorwürfe stand oft Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, die Nummer zwei nach dem Papst. Italienische Medien spekulierten über einen Machtkampf innerhalb der Spitze der Kurie.
Der Vatikan hatte die Veröffentlichungen als "VatiLeaks" scharf kritisiert - in Anspielung auf die Veröffentlichung geheimer US-Botschaftsdepeschen auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Papst Benedikt XVI. ordnete Mitte März eine Untersuchung an und betraute eine Kommission von Kardinälen unter der Leitung von Erzbischof Angelo Becciu mit Ermittlungen auf allen Ebenen des Heiligen Stuhls.
Am Donnerstag war der Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, nach einem einstimmigen Misstrauensvotum des Vorstands zurückgetreten. Das Pressebüro des Vatikans teilte mit, er habe nicht den "grundlegenden Anforderungen" seines Amts genügt. Gotti Tedeschi, ein Experte für Finanzethik, hatte seit dem Jahr 2009 an der Spitze der Vatikanbank gestanden. Die Staatsanwaltschaft leitete jedoch schon im Jahr 2010 Ermittlungen wegen Geldwäscheverdachts gegen ihn ein.
siu/Reuters/dapd

