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15.11.2012
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Hetzportal

Priester räumt "leichtfertigen Umgang" mit Kreuz.net ein

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Der Druck auf Kreuz.net steigt: Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen die Macher. Ein katholischer Priester hat eingeräumt, leichtfertig mit dem Hetzportal umgegangen zu sein. Der Grüne Volker Beck fordert nun Taten von der Bischofskonferenz.

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz zeigte sich noch Mitte Oktober sicher: Er gehe davon aus, schrieb Hans Langendörfer in einem Brief an den Parlamentarischen Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, dass niemand im kirchlichen Dienst für das Hetzportal Kreuz.net tätig sei.

Inzwischen spricht einiges dafür, dass er falsch lag. Anfang November übergab David Berger der Berliner Staatsanwaltschaft eine Liste mit fünf Namen von Personen, die Kreuz.net nahe stehen sollen, alles Mitarbeiter der Kirche. Berger präsentierte das Ergebnis, das durch einen mit einem "Kopfgeld" versehenen Aufruf des Bruno Gmünder Verlags zustande gekommen war, der Staatsanwaltschaft.

Ein deutscher Priester steht nach Recherchen von SPIEGEL ONLINE unter Verdacht, für Kreuz.net Berichte verfasst, häufig Beiträge beigesteuert und regen Email-Verkehr mit der Redaktion der Hetzseite gepflegt zu haben: Hendrick Jolie, Pfarrer im Bistum Mainz und einer von drei Sprechern des konservativen Netzwerks katholischer Priester.

Jolie beruft sich auf Unkenntnis

Gegenüber SPIEGEL ONLINE wollte sich Jolie zu den Hinweisen auf Texte, Kommentare und Emails nicht äußern. Dem Bistum Mainz gegenüber hatte er sich ausdrücklich von Kreuz.net distanziert. In einer Rundmail, über die mehrere Medien berichteten, wiederholte er das in dieser Woche, bedauerte aber zugleich, "dass durch meinen leichtfertigen Umgang mit dem anonymen Portal Kreuz.net der Eindruck entstehen konnte, ich selbst stünde rassistischen, anti-jüdischem oder homophobem Gedankengut nahe." Dies sei nicht der Fall.

Später legte Jolie eine Erklärung auf der Internetseite des Priesternetzwerks nach: Mit "leichtfertig" habe er gemeint, dass er gegen die Veröffentlichung seiner Artikel nicht früher eingeschritten sei und dass er "durch Postings im Kommentarbereich möglicherweise den Eindruck erweckt habe, Stil und Inhalt dieser Seite zu billigen".

In seinen Emails an die Redaktion habe er "z. B. die Löschung einiger mit meinem Namen bezeichneten Beiträge auf besagter Plattform gefordert". Was neben diesem Beispiel Inhalt seiner Mails war, schreibt er nicht.

Jolie bleibt dabei: Er habe nicht gewusst, mit was für einer Seite er es zu tun habe. Auch wenn von Jolie selbst keine homophoben oder andere hetzerische Beiträge bekannt sind, ist das eine äußerst fragwürdige Darstellung. Jolies Texte befassen sich meist mit kirchenpolitischen Themen aus erzkonservativer Sicht.

Beck fordert kirchenrechtliche Konsequenzen

Zu offensichtlich ist, wes Geistes Kind die Seite ist, zu naheliegend der Gedanke, dass den Machern selbst vergleichsweise harmlose Beiträge dienen. Sie geben ihr einen konservativ-katholischen Anstrich, eine Legitimation. Sie öffnen die Seite für Menschen, die vor allzu kruder Homo-Hetze allein zurückschrecken würden.

Nach der Stellungnahme Jolies hat Volker Beck nun den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch aufgefordert, aktiv zu werden. In einem Brief an Zollitsch, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, erinnert Beck an die Worte Langendörfers, wonach man mit "allen uns möglichen arbeits- und dienstrechtlichen Mitteln" vorgehen werde, wenn Kirchenmitarbeiter in "verächtlichmachender, verleumderischer oder diskriminierender Weise" auf Kreuz.net publizierten.

Nachdem Jolie eingeräumt habe, Unterstützer von Kreuz.net zu sein, schreibt Beck an Zollitsch, müsse "die Deutsche Bischofskonferenz unverzüglich eine Untersuchung gegen den Priester Jolie" einleiten und "die entsprechenden kirchenrechtlichen Konsequenzen" ziehen.

Zollitsch wird sich freilich darauf berufen können, dass Jolie eben, soweit bisher bekannt, keine Beiträge der Art verfasst hat, wie Langendörfer sie nannte.

Derweil verstärken die staatlichen Ermittler ihren Druck auf Kreuz.net: Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Es waren mehrere Anzeigen eingegangen.

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