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17.11.2012
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Busunfall mit 50 Toten

"Der Schrankenwärter hat geschlafen"

DPA

48 Kindergartenkinder und zwei Frauen sind in Ägypten gestorben, als ein Zug ihren Bus an einem Bahnübergang einen Kilometer weit mitriss. Die Schranken waren offen, der zuständige Wärter wurde festgenommen. An der Unglücksstelle kam es zu Tumulten und Zornausbrüchen der Eltern.

Hamburg - An einem Bahnübergang nahe der ägyptischen Stadt Manfalut ist ein Zug in einen Schulbus gerast. 48 Kinder und zwei Erwachsene kamen nach offiziellen Angaben bei dem Unfall am Samstag ums Leben. Die Kinder seien zwischen vier und acht Jahre alt gewesen, erklärten Sicherheitsbehörden in der Nachbarstadt Assiut. Unter den Todesopfern sei wahrscheinlich auch der Busfahrer.

Über die Anzahl der Verletzten gab es zunächst unterschiedliche Angaben. Sie schwankten zwischen 15 und 28. Der Bus wurde bei den Zusammenstoß in zwei Teile zerrissen. Taschen und Bücher lagen weit um den Unfallort herum verstreut.

Ein Arzt im Krankenhaus von Assiut sagte, die Verletzungen der Überlebenden seien sehr schwer. Die Kinder im Krankenhaus hätten berichtet, "dass der Bahnübergang offen gewesen sei, als der Bus von dem Zug getroffen wurde". Das bestätigte auch der Gouverneur von Assiut: "Der Schrankenwärter hat geschlafen, er wurde festgenommen", sagt Jahja Keschk dem amtlichen Fernsehen.

Das Transportministerium sah die Schuld aber bei dem Busfahrer. Nach diesen Angaben soll der Übergang sehr wohl gesichert gewesen sein, als Demnach der Zug mit der Nummer 165 von Assiut in Richtung Norden angerast kam. Doch habe der Fahrer des Busses versucht, in letzter Sekunde noch die Gleise zu überqueren.

45 Ärzte waren im Einsatz, um die Verletzten zu behandeln, wie Keschk sagte. Ein Fernsehkorrespondent sprach von erschreckenden Szenen an der Unglücksstelle. Nach Polizeiangaben kam es zu wütenden Protesten von Eltern, die die Todesstrafe für die Verantwortlichen forderten.

Der Zug riss den Bus einen Kilometer weit mit sich

Der ägyptische Verkehrsminister Mohammed Raschad und der Chef der Bahnverwaltung traten nach dem Unfall zurück.

Die Wucht des Zusammenstoßes muss enorm gewesen sein. Ein Augenzeuge berichtete: "Ich habe gesehen, wie der Zug mit dem Bus zusammenstieß. Er hat ihn etwa einen Kilometer mitgeschleift." Auch andere Augenzeugen berichteten von einem sehr heftigen Zusammenstoß. Die Identifizierung der Opfer werde daher sehr schwierig.

Präsident Mohammed Mursi wies seine Minister nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Mena an, den Hinterbliebenen und Angehörigen jegliche Unterstützung zukommen zu lassen. Ministerpräsident Hischam Kandil ordnete eine Untersuchung des Unfalls an.

"Das ist eine Katastrophe und nichts anderes", klagte ein aufgebrachter Anwohner. Und die Politik tue mal wieder nichts, sondern kümmere sich mehr um die Menschen im Gazastreifen als um das eigene Volk, kritisierte er. Wenige Stunden später verkündete das Staatsfernsehen, dass Ministerpräsident Hischam Kandil auf dem Weg zum Unglücksort sei. Der Regierungschef war am Vortag zu einem Solidaritätsbesuch nach Gaza gereist.

Manfalut liegt knapp 360 Kilometer südlich der Hauptstadt Kairo. Nach Polizeiangaben befanden sich in dem Bus 60 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren, die sich auf einem Ausflug ihres Kindergartens befanden.

In Ägyptens marodem Bahnnetz kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Im Februar 2002 waren in einem Zug 40 Kilometer südlich von Kairo mehr als 370 Menschen bei einem Brand gestorben. Im Oktober 2009 starben nahe der Hauptstadt mehr als 20 Menschen beim Zusammenstoß von zwei Zügen, die auf demselben Gleis fuhren. Anfang November kamen fünf Menschen ums Leben, als zwei Züge im Bezirk Fajum zusammenstießen, weil ein Bahnmitarbeiter vergessen hatte, eine Weiche zu stellen. Auch das ägyptische Straßennetz gilt als äußerst gefährlich. Unfälle mit Autobussen, die häufig auch von Touristen benutzt werden, sind häufig.

jjc/Reuters

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