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22.11.2012
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Weihnachtsbaum fürs Kanzleramt

"Die Fichte hat sich erst gewehrt"

DPA

Das Kanzleramt bekommt nicht irgendeinen Weihnachtsbaum: Jedes Jahr wetteifern Waldbesitzer darum, dass eines ihrer Gewächse auserwählt wird. Hubertus Freiherr Roeder von Diersburg erklärt im Interview, was seinen Baum besonders macht.

Das Kanzleramt in Berlin ist ein kaltes Gebäude, grau und wuchtig steht es da, so staatstragend, dass einiges unternommen werden muss, will man weihnachtliches Flair entstehen lassen. Also stellt man der Kanzlerin jedes Jahr einen großen Weihnachtsbaum ins Haus, behängt mit unzähligen Leuchtdioden und Kugeln und Sternen und allem drum und dran.

Natürlich ist es nie irgendein Baum: Seit zwölf Jahren sucht die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände nach dem schönsten Gewächs, jedes Jahr kommt der Baum aus einer anderen Region. Dieses Jahr war Hessen dran, die Wahl fiel auf eine rund 60 Jahre alte Rotfichte des Forstbetriebs Gut Marienhof in Wanfried.

Der Mann hinter dem Betrieb heißt Hubertus Freiherr Roeder von Diersburg. Im Interview erklärt er, wie sein Baum zur Kanzlerfichte wurde.

SPIEGEL ONLINE: Herzlichen Glückwunsch, Ihre Fichte ist der Kanzlerbaum des Jahres! Wie haben Sie das geschafft?

Roeder von Diersburg: Der hessische Waldbesitzerverband hatte dazu aufgerufen, sich im eigenen Wald nach möglichen Kandidaten umzusehen. Ich habe Fotos von dem Baum geschickt, dann kam ein Expertenteam und hat sich letztlich für meine Rotfichte entschieden.

SPIEGEL ONLINE: Die Stammwähler von Angela Merkel.

Roeder von Diersburg: Ja, sozusagen. Der Baum ist gleichförmig gewachsen, pyramidal, hat eine schöne dunkle Benadelung.

SPIEGEL ONLINE: Die Kanzlerin ist ja bekannt als Verehrerin der Eiche.

Roeder von Diersburg: Die eignet sich nur überhaupt nicht als Weihnachtsbaum, das muss schon ein Nadelbaum sein.

SPIEGEL ONLINE: Wie wurde Ihr Baum, was er heute ist?

Roeder von Diersburg: Er stand in unserem Wald zwischen Kiefern, so bekam er nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Licht und konnte gleichmäßig wachsen. Den Einfluss der Kiefern habe ich heute gesehen: Die Jahresringe liegen anfangs eng beieinander. Ab der Stelle, die vor rund zehn Jahren entstand, werden die Ringe weiter. Damals haben wir die Kiefern gefällt, die Fichte wuchs schneller.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt die Fichte jetzt zur Kanzlerin?

Roeder von Diersburg: Sie hat sich erst gewehrt, aber dann haben wir ihre Äste festbinden können. Sie wird jetzt mit einem Lkw in ein Zwischenlager gebracht, dann geht es weiter nach Berlin. Sonntag wird sie aufgebaut, Donnerstag wird sie übergeben.

Das Interview führte Birger Menke

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